re:publica 2010

"Arbeiten im Netz ist sozialer"

Morgenpost Online hat sechs Berliner zu ihren Erwartungen an die re:publica und die Entwicklung der sozialen Medien befragt. Der Berliner Designer Bastian Unterberg (32) gründete die Internet-Plattform Jovoto, die Kreative aus der Werbebranche und Kunden zusammenbringt. Schon bei der ersten re:publica war er dabei.

Morgenpost Online: Wie „Web 2.0“ sind Sie?

Bastian Unterberg: Wenn dieser Begriff für Sie synonym zu "Mitmachinternet" steht, dann mache ich bereits seit 1995 mit. In meiner Wahrnehmung war das Internet seither ein partizipativer Raum, nun sind zunehmend mehr Menschen vernetzt und alles ist einfacher zu bedienen, das macht es natürlich noch spannender. Neue Ideen und Anwendungen adaptiere ich in der Regel sehr schnell doch selten entsteht für mich ein tatsächlicher Nutzen, der den persönlichen Zeiteinsatz rechtfertigt.

Morgenpost Online: Warum haben Sie jovoto gegründet? Oder anders gefragt: Warum betreiben Sie „Crowdsourcing“?

Unterberg: Ganz einfach, weil die Zeit für eine Ideenplattform wie jovoto gekommen war. Wir leben und arbeiten in einer vernetzen Gesellschaft, da bedarf es einer Plattform wie jovoto, die kreatives Talent und Ideen fördert und eine neue Form der Arbeit ermöglicht. Diese Form ist bei weitem flexibler, unabhängiger und sozialer als die meisten Arbeitsprozesse in den etablierten Strukturen der Kreativwirtschaft. Für Unternehmen bedeutet dies die Kreativität der Masse zu nutzen, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen zu verbessern oder zumindest besser zu kommunizieren.

Morgenpost Online: Was fasziniert Sie am Community-Prinzip von jovoto? Und was nervt Sie dabei so richtig?

Unterberg: Die ausgeprägte Kollegialität und die positive Stimmung innerhalb der jovoto-Community, obwohl jeder für sich genommen in Konkurrenz zueinander arbeitet. Darüber hinaus ist es spannend zu sehen, wie Talente aus den unterschiedlichsten Disziplinen, wie etwa Produktdesign, Architektur, Grafikdesign oder Werbetext gemeinsam Aufgaben und Herausforderungen lösen. Zusammenarbeit im Web zu organisieren ist eine große Herausforderung und eine der zentralen Fragen unserer Zeit.

Morgenpost Online: Was ist Ihr nächstes Projekt?

Unterberg: Nach der Social Media Week in Berlin liegt unser Fokus derzeit auf dem Abschluss des Betacup Projektes für Starbucks Coffee. Über 10.000 Menschen suchen nach Ideen, wie das "Papierbecher-Wegwerf-Problem" auf nachhaltige Art gelöst werden kann. Dafür haben wir 20.000-Dollar-Preisgeld ausgelobt, die zum einen durch die Teilnehmer selbst, aber auch durch eine prominente Jury vergeben werden.

Morgenpost Online: Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach künftig die professionelle Nutzung sozialer Netzwerke? Tragen diese zu einer „Demokratisierung“ der Arbeitswelt bei?

Unterberg: Im Moment beschränkt sich die Nutzung sozialer Netzwerke ja noch hauptsächlich auf das reine Vernetzen von Informationen oder Kontakten. In Zukunft werden wir zunehmend Beispiele sehen, bei denen der tatsächliche Arbeitsprozess und Kollaboration über Soziale Netzwerke organisiert werden - wir sind hier nur ein erstes Beispiel. Eine realistische Chance, darüber die Arbeitswelt auch zu demokratisieren, ist sicher gegeben. Doch darüber entscheidet, wie im Einzelfall die Rahmenbedingungen definiert werden. Es sind vor allem Offenheit und Transparenz gefragt, um das Vertrauen der Arbeitenden zu gewinnen und ohne dieses ist keine Demokratisierung denkbar.

Morgenpost Online: Besuchen Sie die re:publica? Und wenn ja, welche Veranstaltung werden Sie auf keinen Fall verpassen?

Unterberg: Die re:publica habe ich bisher noch nie verpasst und auch dieses Mal freue ich mich darauf. Schön ist es zu sehen, dass nun auch zunehmend internationale Referenten den Weg nach Berlin finden, so werde ich am Mittwoch sicher die Keynote von Jeff Jarvis besuchen.