Die Unesco macht es wie Google – aber anders

In Zusammenarbeit mit der Bibliothek des US-Kongresses stellt die UN-Bildungsorganisation Manuskripte, seltene Bücher und historische Karten online zur Verfügung. Die US-Suchmaschine gehört zu den ersten Geldgebern.

Die UN-Bildungsorganisation Unesco stellt gemeinsam mit der Library of Congress in den USA eine World Digital Library – eine digitalisierte Weltbibliothek – ins Internet (WDL). "Die Bibliothek umfasst Karten, Fotos und kulturell wertvolle Werke", sagt Axel Plathe, Bereichsleiter in der Unesco-Abteilung zur Informationsgesellschaft WELT.de.

Nach Angaben Plathes sollen die Inhalte der World Library dagegen jedermann offen zugänglich sein. "Das Projekt wird in den nächsten Monaten für die Öffentlichkeit freigeschaltet", sagt der Unesco-Experte für Allgemeinen Zugang und Erhalt von Informationen in Paris.

Der erste Geldgeber des Projekts ist nach Angaben der US-Kongressbibliothek Google. Im vergangenen Jahr sagte der Gründer der Suchmaschine, Sergey Brin, der WDL zunächst drei Millionen US-Dollar zu. In seiner Rede anlässlich der Spende erklärte Bibliotheks-Chef James H. Billington, dass es dem Projekt darum gehe, "seltene und einzigartige kulturelle Werke, die in den USA und westlichen Beständen lagern, mit denen anderer großer Kulturen außerhalb Europas, die eine Milliarde Menschen repräsentieren", online zu bringen. Billington nannte das chinesische Ostasien, das indische Südasien, die islamische Welt von Indonesien bis ins westliche Asien und Afrika.

Bereits Millionen Werke digitalisiert

Für die Digitalisierung von gedruckten Beständen bringt die US-Kongressbibliothek bereits umfangreiche Erfahrung mit. Nach Angaben der Einrichtung sind mehr als zehn Millionen seltene Werke aus dem eigenen Bestand für die American Memory Website zur Verfügung gestellt worden.

Billington hebt hervor, dass der Beitrag seines Hauses für die World Digital Library in der Freigabe von nicht englischsprachigen Werken bestehen wird. Viele dieser Sammlungen würden entweder im öffentlichen Bereich eingestellt oder mit einer Lizenz benutzbar.

Die Kongress-Bibliothek greift auf das Know-How von Google zurück. Der Suchmaschinen-Betreiber bietet über die Google Buchsuche in einer Beta-Version die Suche nach Büchern an. In Zusammenarbeit mit Verlagen und wissenschaftlichen Bibliotheken werden Fund-, Leih- und Kaufmöglichkeiten ausgegeben und in manchen Fällen sogar Textauszüge, wie es auf der Google-Website heißt. Etwa 5000 Bücher aus der US-Kongressbücherei sind hier komplett frei zugänglich. Die Nutzer können die Inhalte aus Bilddateien herauskopieren und weiterverwenden.

Letztlich kann auch die neue Weltbibliothek den Anspruch auf freien Zugang aller Bestände nicht erfüllen. Mehrere Verlage haben gegen die Digitalisierung ganzer wissenschaftlicher Einrichtungen durch Google geklagt – eine Arbeit, die der World Library laut ihres Mitinitiators Billington zugute kommt.

Das WDL-Projekt setzt mit einer anderen Strategie auf Verständnis bei möglichen Problemen mit dem Urheberrecht. "Die Unesco verfolgt dabei einen klaren edukativen Ansatz", betont Axel Plathe. Die Inhalte sollen zum Beispiel vorrangig von Lehrern benutzt werden können. Der Technologie-Experte der Unesco betont: "Das Prinzip ist anders als bei Google."

Am 1. Dezember präsentieren der Chef der Bibliothek des US-Parlaments, Billington, und Vertreter der Unesco das Projekt in Paris erstmals öffentlich.