Riestern mit Fonds 13. November 2012, Finanztest 12/2012

Für Riester-Sparer mit guten Nerven

Riester-Fondsverträge eignen sich nur für Börsenfreunde.

Riester-Verträge mit Fonds sind riskanter als andere Riester-Sparverträge. Die Gefahr am Ende der Sparzeit nur mit den Einzahlungen und der Förderung dazustehen ist hier am größten. Gleichzeitig sind Aktien in der jetzigen Krise die beste Möglichkeit, überhaupt eine gute Rendite zu erzielen. In der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest empfiehlt die Stiftung Warentest Riester-Fondsverträge Sparern, die sich an den Kapitalmärkten auskennen und bis zur Rente noch mindestens 20 Jahre Zeit haben, in denen sie ihr Kapital nicht antasten.

Finanztest hat Riester-Fondssparpläne und Riester-Fondspolicen untersucht. Für risikobereite Anleger empfehlen die Experten die DWS TopRente Dynamik und die UniProfiRente. Beide Verträge haben hohe Renditechancen, aber auch ein vergleichsweise hohes Risiko, am Ende mit der Riester-Garantie dazustehen. Weniger riskant ist die DWS TopRente Balance.

Auch Riester-Fondspolicen gibt es in verschiedenen Risikovarianten. Am sichersten unter den Finanztest-Empfehlungen ist das Angebot der CosmosDirekt. Die Allianz RiesterRente Invest alpha-Balance weist ein mittleres Risiko auf. Die höchsten Chancen und Risiken hat die WWK Premium FörderRente protect.

Fondssparpläne sind erste Wahl für Riester-Sparer, wenn sie die Renditechancen der Aktien so lange wie möglich nutzen wollen, auch noch in der Rentenphase. Wer Wert darauf legt, sich seine Fonds selbst zusammenzustellen, wird bei den Fondsgesellschaften aber nicht fündig. Sie geben die Fonds, in die Beiträge und Zulagen fließen, größtenteils vor.

Eine große Fondsauswahl bieten nur Versicherungen an. Im Unterschied zu den Fondssparplänen endet das Engagement in Fonds bei den von Finanztest untersuchten Policen allerdings bei Rentenbeginn. Die Auszahlphase läuft hier im Grunde genauso ab wie die klassischer Verträge. Versicherer investieren das dann Ersparte weitgehend festverzinslich und zahlen eine garantierte Mindestrente plus möglicher Überschüsse.

Anleger sollten eine Rentenversicherung nur wählen, wenn sie durchhalten. Versicherer ziehen die Abschlusskosten für die ganze Laufzeit bereits in den ersten fünf Jahren ab. Ähnlich verfährt die DWS mit ihrem Fondssparplan RiesterRente Premium. Wer vorzeitig aussteigt, kann Verlust machen.

Statische Konzepte am sichersten

Bleiben Riester-Sparer bis zum Schluss am Ball, können sie kein Geld verlieren. Schlimmstenfalls haben sie am Ende nur das, was sie selbst und der Staat für sie eingezahlt haben. Das Risiko, am Ende mit der kleinen Förderrendite dazustehen, ist jedoch nicht bei allen Riester-Fondsprodukten gleich. Es hängt davon ab, wie ein Anbieter die Garantie sicherstellt. Geht er dabei vorsichtig zu Werke oder nutzt er die Aktienchancen voll?

Am sichersten sind die sogenannten statischen Absicherungskonzepte der Versicherer, bei denen der Beitrag fest aufgeteilt wird. Ein Teil fließt hier dauerhaft ins Sicherungsvermögen der Versicherung, der andere steht fest für die freie Fondswahl zur Verfügung. Mit diesen Verträgen besteht kaum eine Gefahr, dass bei Rentenbeginn lediglich noch die eingezahlten Beiträge und Zulagen vorhanden sind. Gleichzeitig sind aber auch höhere Renditen weniger wahrscheinlich.

Statische Absicherungskonzepte bieten im Test nur Versicherungen an, etwa CosmosDirekt oder HanseMerkur. Wie viel Geld in die Fonds fließt, hängt von den Kosten und dem Garantiezins ab. Der ist mit 1,75 Prozent pro Jahr für ab 2012 geschlossene Verträge sehr niedrig. CosmosDirekt gibt an, dass bei 30-jährigen Verträgen anfangs rund ein Viertel der Einzahlungen für die freie Fondsanlage zur Verfügung stehe. Über die gesamte Vertragslaufzeit gesehen sei es rund die Hälfte.

Dynamisch ist nicht ungefährlich

Dynamische Absicherungskonzepte erlauben mehr Spielraum für die Aktienanlage. Hier werden die Anteile sicherer und riskanter Anlagen flexibel gehandhabt. Anleger finden sie sowohl bei Versicherungen als auch bei Fondsgesellschaften.

Voll ausgereizt bietet dieses Konzept die höchsten Renditechancen. Das gesamte Geld eines Riester-Depots kann in Aktienfonds stecken, etwa bei der UniProfiRente oder der DWS RiesterRente Premium. Läuft es gut und Umschichtungen sind nicht notwendig, können Anleger mit diesen Fondssparplänen hohe Renditen erzielen. Umgekehrt ist aber auch das Risiko, am Ende nur mit der Garantie dazustehen, vergleichsweise hoch.

Ein dynamisches Konzept verfolgt die DWS auch mit ihrer TopRente. Hier vereinigt die Fondsgesellschaft zwei Welten. Sie prüft mithilfe eines finanzmathematischen Modells, wann umgeschichtet werden muss – doch das letzte Wort hat ein Manager. Er bestimmt, ob er die Computervorschläge umsetzt.

Anleger können zwischen zwei Risikovarianten wählen: TopRente Dynamik und TopRente Balance. Die TopRente Dynamik ist vergleichbar riskant wie die UniProfiRente und die DWS RiesterRente Premium. Bei der Top-Rente Balance ist das Risiko etwas begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sparer am Ende nur mit den Einzahlungen dastehen, ist geringer, die Chance auf besonders hohe Renditen auch.

Das gilt auch für die Fondspolice Allianz Invest alpha-Balance. Die Allianz verfolgt mit dieser Riester-Rente einen etwas anderen Weg. Sie zwackt von vornherein einen Teil des Beitrags für die sichere Geldanlage ab. Das bietet Puffer für leichte Kursrückgänge und vermeidet häufiges Hin- und Herschichten in volatilen Marktphasen. Der andere Teil fließt in frei wählbare Fonds. Ähnlich verfährt auch die WWK, die für ihre Premium FörderRente protect hohe Aktienquoten erlaubt, was hohe Renditechancen erwarten lässt.

In der Untersuchung hat Finanztest ein besonderes Augenmerk auf die frei wählbaren Fonds gelegt. Anleger sollen möglichst viele und möglichst gute Fonds bekommen können. Finanztest empfiehlt Aktienfonds Welt oder Europa sowie Mischfonds als Basis. Auch börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf breite Indizes wie den MSCI World oder den Euro Stoxx sind gut geeignet. Mehrere Versicherer haben sie im Angebot, etwa die Allianz, Arag, Condor, HanseMerkur oder der Volkswohl Bund.

Auch eine Kostenfrage

Bei der Entscheidung, ob Fonds oder Fondspolice, spielen die Kosten eine wichtige Rolle. Je preiswerter ein Vertrag ist, desto besser kann das Ergebnis am Ende ausfallen. Fondssparpläne sind im Allgemeinen günstiger als Versicherungen, bei denen Kosten für das Versicherungsgerüst und Fondskosten zusammenkommen.

Weitere Informationen: Zeitschrift Finanztest 12/2012 und www.test.de/riester-fonds

Finanztest-Tipps

Fondssparpläne. Für risikobereite Anleger empfiehlt Finanztest die DWS TopRente Dynamik und die UniProfiRente. Beide Verträge haben hohe Renditechancen, aber auch ein vergleichsweise hohes Risiko, am Ende mit der Riester-Garantie dazustehen. Weniger riskant ist die DWS TopRente Balance.

Fondspolicen. Auch Riester-Fondspolicen gibt es in verschiedenen Risikovarianten. Am sichersten ist das Angebot der CosmosDirekt. Die Allianz RiesterRente Invest alpha-Balance weist ein mittleres Risiko auf. Die höchsten Chancen und Risiken hat die WWK Premium FörderRente protect.

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