Elektrofahrräder 30. März 2012 | test 4/2012

Fahrt ins Ungewisse

Manche Elektrofahrräder sind bei einem Unfall nicht haftpflichtversichert.

Elektrofahrräder sind im Trend. Allein 2011 stiegen 300 000 Radler auf ein Pedelec um, ein „Pedal Electric Cycle“. Doch manche steuern voll ins Risiko: Bei einem Unfall ist fraglich, ob ihre Haftpflichtversicherung hilft. Wer das Pedelec für ein normales Fahrrad hält, nur eben mit Stromantrieb, kann böse hereinfallen, warnt die Stiftung Warentest. Die Privathaftpflichtpolice, die bei Unfällen mit herkömmlichen Fahrrädern greift, springt hier nicht immer ein. Es kommt darauf an, wie schnell der Motor das Elektrofahrrad macht.

Der Markt teilt sich in zwei Produktgruppen auf:

• Pedelecs 25: Bei ihnen läuft der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Der Elektroantrieb bringt bis zu 250 Watt und nimmt mit steigender Geschwindigkeit ab. Bei 25 Kilometer pro Stunde schaltet sich der Antrieb aus. Fahrer solcher Pedelecs können sich beruhigt zurücklehnen: Ihr Gefährt ist über die Privathaftpflicht geschützt.

• Pedelec 45: Bei „Speed“-Pedelecs – auch E-Bike, Pedelec 45 und S-Pedelec genannt – läuft der Motor auch, wenn niemand in die Pedale tritt. Je nach Modell leistet er bis 500 Watt. Er allein bringt das Rad teils auf 20 Kilometer pro Stunde, ganz ohne Muskelkraft. Tritt der Fahrer in die Pedale, schaltet der Motor erst bei spätestens 45 Kilometer pro Stunde ab. Hier greift die Privathaftpflicht nicht, vielmehr ist ein Versicherungskennzeichen Pflicht. Da ist Haftpflichtschutz inklusive.

Nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands sind nur 5 Prozent aller Elektroräder Pedelecs 45. Das Dumme ist nur: Es gibt viele Mischformen. So haben einige Pedelecs 25 eine Anfahrhilfe, die sie ohne Muskelkraft bis auf 6 Kilometer pro Stunde bringt. Dann ist unklar, ob die Privathaftpflicht greift. Wer sicher sein will, sollte den Versicherer um eine Bestätigung bitten, empfiehlt die Stiftung Warentest.

Kunden sollten vor dem Kauf fragen, ob ein Mofakennzeichen Pflicht ist. Das gibt es direkt beim Versicherer, oft schon für rund 40 Euro. Meist kann der Kunde es sofort abholen. Er muss nicht – wie beim Auto – zur Zulassungsstelle. Es gilt für ein Versicherungsjahr, das jeweils vom 1. März bis Ende Februar des Folgejahres läuft.

Weitere Informationen: Zeitschrift test 4/2012 und www.test.de