Karriere

Eckart von Hirschhausen – Witzig sein kann man lernen

Komiker und Ärzte brauchen sehr ähnliche Talente, meint Eckart von Hirschhausen: "Neugier, Selbstüberwindung und gute Beobachtung." Von Hirschhausen muss es wissen, er hatte schließlich Medizin studiert und als Arzt gearbeitet, bevor er als ständiger Gast bei Schmidt & Pocher ein breites Fernsehpublikum zum Schmunzeln brachte.

Hirschhausen gibt immer gerne diese Geschichte zum Besten, wenn er auf seine beiden Berufe und die damit verbundenen Talente angesprochen wird. "In einer Vorlesung taucht einst ein Medizinprofessor einen Finger in eine Urinprobe, leckte den Finger ab und sagte: 'Künftige Kollegen, bitte tun Sie mir nach!' Weniger aus Neugier, aber mit Selbstüberwindung testeten wir alle den Urin. Darauf der Professor: Einen Punkt für Selbstüberwindung. Kommen wir nun zur genauen Beobachtung: Ich habe den Zeigefinger eingetaucht - aber den Mittelfinger abgeleckt."

Freude am Komischen

Schon als Kind hat von Hirschhausen Freude am Komischen gehabt, Witze gesammelt, kleine Büchlein verfasst und als Zauberer bei Kindergeburtstagen erste Bühnenerfahrungen gesammelt. Dabei lernte er schnell, dass die Tricks, die schief gingen, viel komischer sind als die perfekten. "Meine Eltern dachten natürlich lange, dass sich das mit der Komik irgendwann auswächst. Und ehrlich gesagt, warte ich ja auch darauf. Es ist nicht immer komisch, Komiker zu sein."

Comedy-Autor Christian Eisert geht gar einen Schritt weiter: "Humor ist wie Mathematik." Der 31-Jährige gibt zwar zu, in Mathe nie gut gewesen zu sein, verweist aber gleich auf das Positive dieses Vergleichs: Denn im Gegensatz zu Mathe könne man Humor doch relativ einfach lernen. Eisert betreibt das Lustigsein geradezu wissenschaftlich. Schon während seines Studiums der Theaterwissenschaften brachte er Kolumnen, Glossen und Satiren zu Papier. In seiner Magisterarbeit befasste er sich mit Harald Schmidt, dem er später Gags auf den Leib schreiben sollte. Er schrieb für Kaya Yanar ("Was guckst du?"), die Sesamstraße und die Niels Ruf Show. Seit vier Jahren vermittelt Eisert in Workshops den Umgang mit Gag und Pointe und hat erkannt: "Zu 80 Prozent ist das Fach Handwerk, zu 15 Prozent Haltung und lediglich zu fünf Prozent hat Talent einen Ausschlag auf die Witzigkeit."

Humor ist gefragt, vor allem im deutschen Fernsehen. Ob Mario Barth, Schmidt & Pocher, Kurt Krömer, Stromberg und Stefan Raab - die deutsche Comedy-Landschaft ist vielfältig. Selbst "Wetten, dass..." braucht flott formulierte Kommentare. Fast alles, was auf der Bühne so spontan daher kommt, wurde vorher aufgeschrieben. Alleine für Harald Schmidt ringen täglich ein Dutzend Autoren um den besten Witz. Etwa hundert Euro bringt dem Autor eine Pointe, wenn sie ausgestrahlt wird. "Doch von 500 Gags finden nur fünf bis zehn in die Sendung", sagt Eisert. Das Geld für seinen Sportwagen hat sich der Autor auch mit Beharrlichkeit verdient. Denn Schreiben - auch Lustiges - ist immer mit Arbeit verbunden.

Vor allem dort, wo die Gags am Fließband produziert werden müssen, ist Handwerk gefragt: Das Brechen von Tabus, die Denkgewohnheiten umstellen und die Dinge aus einem neuen Blickwinkel betrachten - das sind die Mechanismen, die dem Humor auf die Sprünge helfen können. Oder Dinge zusammen zu packen, die eigentlich nicht zusammen gehören: englische Küche, deutscher Humor - oder die Vorstellung vom "Pudel in Aspik", so der Titel eines von Eiserts Satirebändchen. "Verbieten Sie Kindern Brokkoli. Sofort!" und andere Tipps hält von Hirschhausen in seinem Ratgeber "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" parat. Aber wie kommt der Mensch auf so etwas?

"Humor hat auch mit Distanz zu tun", sagt Eisert. Mit seinen Schülern übt er das, indem er ihnen Aufgaben stellt: Etwa CDs nach Farben kaufen, oder Zeitschriften, die sie sonst nie lesen würden. Das bringt schon mal skurrile Erkenntnisse zu Tage: Etwa die, dass sich die Autoren der Anglerzeitschrift "Rute und Rolle" auf etlichen Seiten über Blinker, Haken und Fliegen auslassen können. "Die Realität ist so lustig, das kann sich keiner ausdenken", sagt Eisert. "Man muss den Witz nur finden - und glaubwürdig rüberbringen."

Der Klassenclown

Die meisten Humoristen haben schon in der Klasse den Clown gegeben und von früh an Bühnenerfahrung gesammelt. Nicht so der Comedian Vince Ebert, der nach seinem Abitur Physik studierte und in einer Beratungsfirma arbeitete. Ebert war schon 29 Jahre alt, als er zum ersten Mal darüber nachdachte, sein Geld mit Witze erzählen zu verdienen. "Ich rief den Michael Mittermeier an und fragte ihn: 'Wie macht man das'? Der sagte nur: 'Geh auf die Bühne. Wenn die Leute lachen, dann ist das toll. Wenn nicht, setz dich hin und schreib was Neues'." "Du musst dich als Kunstfigur schaffen", rät Ebert, "schreib deine eigene Biografie - doch die muss stimmig sein. Es kann eine Weile dauern, bis man weiß, wer man ist."