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Frische Ideen für den Berliner Segelsport

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Die Segelsaison 2018 ist eröffnet. Mit einem neuen Vorsitzenden will der Berliner Segler-Verband in die Zukunft starten

„Nie war es so günstig, in den Boots- und Wassersport einzusteigen.“ Reiner Quandt, seit wenigen Wochen neuer gewählter Vorsitzender Berliner Segler-Verbandes, kann gar nicht genug betonen, dass gegenwärtig die beste Zeit ist, um mit dem Hobby neu zu beginnen. „Gebrauchtboote, die vor zehn Jahren noch zwischen 60.000 und 70.000 Euro gekostet haben, sind heute für rund 25.000 Euro zu haben. Die Preise sind im freien Fall“, sagt er. Grund: Der Markt für Gebrauchtboote ist riesig, viele gerade ältere Bootsbesitzer haben sich in den vergangenen Jahren aus dem Sport zurückgezogen und bieten daher ihre Schiffe an.

Dies bedeutet aber noch mehr: Viele Vereine in ganz Deutschland leiden unter Nachwuchssorgen. „Jedes neue Klubmitglied wird mit Freude begrüßt. Besser könnte die Zeit daher für Neu- oder Wiedereinsteiger kaum sein.“ Für Berlin gelte dies in einem ganz besonderen Maße: In keiner anderen Stadt der Welt gibt es auf einem Fleck mehr als 100 Segelvereine, die noch dazu über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, sodass eine kurze Anfahrt von jedem Punkt der Stadt aus gewährleistet ist. Jedes Jahr zögen mehr als 40.000 vornehmlich junge Menschen in die Stadt. Diese gelte es auf das Wasser zu locken. Quandts Vision: „Berlin soll Hauptstadt des Segelns werden.“

Reiner Quandt, selbst Mitglied im Segler-Club Gothia, ist seit vier Wochen neuer Vorsitzender des Berliner Segler-Verbandes. Quandt, der jahrelang als Jugendleiter und Jugendtrainer gearbeitet hat, folgt auf Winfried Wolf, der sich nach 17 Jahren an der Spitze des Verbandes zurückgezogen hat. Der neue Vorsitzende will den Verband nun gleich an mehreren Stellen auf Zukunft trimmen. Mit dem Start in die neue Wassersportsaison, die am vergangenen Wochenende mit dem offiziellen Ansegeln des Verbandes im Seglerverein Rahnsdorf gefeiert wurde, hat sich der 57-Jährige einiges vorgenommen. So soll die Zusammenarbeit der Vereine intensiviert werden. „Wir müssen davon weg, den Nachbarverein als direkten Konkurrenten zu sehen.“ Gegenseitige Unterstützung könne etwa so aussehen, sich gegenseitig Boote zu leihen oder gemeinsame Törns zu planen.

Auch möchte Quandt das Image des Fahrtensegelns aufpolieren. „Berlin ist und bleibt Olympiastützpunkt und damit eine Hochburg des Regattasegelns, gleichzeitig wollen wir aber auch das Fahrtensegeln wieder mehr in den Mittelpunkt rücken“, sagt er. Oft als sogenanntes Kaffeesegeln verschrien, könne Fahrtensegeln mindestens so spannend sein wie Regattasegeln. „Wenn man nachts in unbekannten Gefilden anlegt, kann das ein riesiges Abenteuer sein.“ In den Vereinen sollen ältere Segler öfter mit jüngeren in See stechen. Die Jüngeren könnten von der Erfahrung der Älteren profitieren, die Älteren werden angehalten, sich mit modernen Themen auseinanderzusetzen.

So soll der Segelsport in Berlin künftig etwa durch moderne Medien besser ins rechte Licht gerückt und von seiner attraktiven Seite gezeigt werden. „Dafür wollen wir Instagram oder Youtube nutzen“, so Quandt. Aufnahmen von Regatten sollen ins Internet gestellt werden und zeigen, wie spannend und abwechslungsreich der Sport ist. Mit moderner Technik wie kleinen Kameras sei dies relativ leicht möglich. Nicht zuletzt soll der Verband auch auf Funktionärsebene in den Vereinen sowie auf Verbandsebene weiblicher werden. „Viele Positionen sind hier männlich besetzt, das wollen wir ändern.“ Während die Männer in den Klubs oft die Vollmitgliedschaft besitzen, seien Frauen oft „nur“ sogenannte Familienmitglieder. Als solche dürften sie sich laut vieler Vereinssatzungen aber gar nicht erst zur Wahl für die verschiedene Positionen in einem Klub bewerben. „Das ist historisch gewachsen, hier muss aber ein Umdenken her und wir brauchen einen Mentalitätswechsel.“

( kle )