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Ein Traum wird wahr

Serie „America’s Cup 2017“ – Teil I: Zwei junge Berliner treten beim Nachwuchsrennen an

Azurblaues Wasser, eine frische Brise, Palmen, die sich im Wind wiegen: Das Leben auf den Bermudas scheint locker und leicht. Dabei ist die Inselgruppe, die rund 1000 Kilometer vor der amerikanischen Ostküste liegt, in den kommenden Wochen Schauplatz des größten Regatta-Ereignisses dieses Jahres weltweit – des „America’s Cup“. Nirgendwo im Segelsport wird dann mit härteren Bandagen gekämpft. Es geht um die wichtigste Segeltrophäe der Welt, die sogenannte „bodenlose Kanne“. Zu schlagen ist das amerikanische Oracle Team USA, das den Cup 2013 vor San Francisco gewonnen hatte. Unter fünf Teams aus England, Frankreich, Neuseeland, Japan und Schweden wird im Vorfeld beim „Louis Vuitton America’s Cup“ – wenn man so will einer Vorrunde – das Team gesucht, das die Amerikaner herausfordern darf.

Aushängeschild für den Werdegang junger Segler

Es treten hierbei die größten Segelstars der Welt an – der fünfmalige britische Medaillengewinner bei Olympischen Spielen Sir Ben Ainslie für England etwa oder der Neuseeländer Dean Barker für Japan. Doch mit dabei sind auch lauter Jungspunde – sie segeln im Rahmen der Veranstaltungswochen beim sogenannten „Red Bull Youth America’s Cup“. Die Teilnehmer müssen hierfür mindestens 19 und maximal 24 Jahre alt sein. Zwölf Teams gehen an den Start. Es ist ein Wettbewerb, der in seiner Bedeutung für den Werdegang der jungen Segler als Aushängeschild und Ausrufezeichen nicht unterschätzt werden darf – denn es ist sozusagen der „kleine Bruder“ des „America’s Cup“.

Darunter ist mit dem SVB Team Germany auch ein deutsches Team. Skipper ist Max Kohlhoff, Steuermann ist Paul Kohlhoff, beide vom Kieler Yacht-Club wie auch ihr Bruder Johann Kohlhoff. Ebenfalls dabei sind Magnus Simon vom Mühlenberger Segel-Club und Moritz Burmester von der Seglervereinigung Itzehoe. Komplettiert wird das Team von zwei Berlinern: von Phillip Kasüske vom Verein Seglerhaus am Wannsee sowie von Frederick Eichhorst vom Potsdamer Yacht Club. Am gestrigen Freitag ist das siebenköpfige Segelteam auf die Bermudas geflogen, am Montag beginnt das Training vor Ort. „Hautnah beim America’s Cup mit dabei zu sein, ist ein Kindheitstraum“, sagt Phillip Kasüske. „Mein persönliches Ziel ist es, dass wir uns als Team professionell und gut präsentieren. Wir vertreten Deutschland bei der wichtigsten Segelregatta der Welt.“

Der 22-Jährige war bereits Junioren-Weltmeister und hat das Team zusammen mit Paul und Max Kohlhoff gegründet. Anfang 2016 entstand die Idee, beim „Red Bull Youth America’s Cup“ anzutreten. Er wird dabei im Rahmen des regulären „America’s Cup“ ausgetragen und gilt als wichtigste Plattform für junge Segler, die eine Karriere im internationalen Profisegelsport anstreben. Acht Segler, die bei der ersten Auflage im Jahr 2013 in San Francisco teilgenommen hatten, stehen inzwischen bei den Großen unter Vertrag.

So gewann der Premierengewinner Peter Burling aus Neuseeland nicht nur Gold in Rio, sondern führt heute als Skipper das neuseeländische „America’s-Cup“-Team an. Erik Heil vom ersten deutschen Starter All In Racing gewann in Rio 2016 eine Bronzemedaille. Kasüske sagt: „Nicht nur die Teilnahme am Rennen selbst, sondern auch vor allem der Weg dorthin hat mich schon weitergebracht. Wenn wir vor Ort eine sehr gute Leistung abliefern, kann es gut möglich sein, dass beim nächsten Cup deutsche Teilnehmer unter den Profiteams sind.“ Er ist schließlich die perfekte Bühne für Segler, die an die Türen der Profirennställe anklopfen und sich Sponsoren präsentieren wollen.

Der erst 18-jährige Frederick Eichhorst hofft indes, durch den Cup auf sich aufmerksam zu machen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich direkt den Sprung zu den Profis mache und vom Segeln leben kann, ist aber relativ gering, zumal ich noch zur Schule gehe“, sagt er. Doch allein dadurch, dass der Cup dann in seinem Lebenslauf stehe, wecke er viel Aufmerksamkeit. Außerdem: „Ich hoffe, vor Ort mit der ein oder anderen Segellegende ins Gespräch kommen zu können.“ Eichhorst war ein Jahr lang auf Platz eins der deutschen Optimisten-Rangliste oder Dritter bei den Isaf Youth World Championships vor drei Jahren im 420er.

Gesegelt wird auf extrem schnellen Katamaranen der AC45F-Klasse mit Foiling-Technologie. Diese sogenannten High-Performance-Katamarane erreichen Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometer. Segelkönnen, Athletik und schnelle Entscheidungsprozesse sind die Voraussetzungen, um in dieser Bootsklasse erfolgreich zu sein. Das Team will mit seiner Teilnahme zudem einen Schritt tun, damit Deutschland wieder Anschluss findet an die Topsegelnationen, die sich regelmäßig im „America’s Cup“, beim „Volvo Ocean Race“ oder in der „Extreme Sailing Series“ messen – große Ziele, denn bei diesen drei Segel-Weltereignissen war Deutschland in den vergangenen Jahren nicht vertreten. Das Ziel des SVB Team Germany ist daher klar: Sie wollen ins Finale.

Phillip Kasüske ergänzt: „Das größte Plus an der ganzen Sache ist die Erweiterung des Horizontes.“ Allein dabei zu sein, ist ein Meilenstein, da das Team alles selbst organisiert hat. Mehr noch: Die Möglichkeit ein Team zu leiten, letztendlich die ganzen Sponsoren zu akquirieren, hätte es ohne den Cup nicht gegeben. „Man lernt professionelles Arbeiten auf höchstem Niveau aus erster Hand“, sagt er. Per Crowdfunding-Kampagne haben die jungen Segler rund 18.000 Euro gesammelt, denn bezahlen müssen sie Teilnahme und Flüge zum Teil selbst, ein Großteil kommt eben von Sponsoren. Die Segler selbst verdienen kein Geld mit dieser Teilnahme – für sie ist es ein reines Zukunftsinvestment. Gesegelt ist das Team auf einem Katamaran der AC45F-Klasse bislang noch nicht. Etwa 25 Tage haben sie auf ähnlichen Katamaranen vom Typ GC32 trainieren und an Regatten teilnehmen können, vor allem die Regatta im Oman hat die Mannschaft auf das Kommende vorbereitet.

„Seit der letzten Trainingseinheit auf Mallorca im März probiere ich, mich physisch 100 Prozent fit zu machen, dazu zählen mindestens eineinhalb Stunden Sport pro Tag. Auch meine Ernährung habe ich so angepasst, damit ich mein Idealgewicht von 62 Kilogramm erreiche“, sagt Eichhorst. „Ich bin mit hoher Wahrscheinlichkeit der jüngste, der mit dabei ist, und bin daher noch relativ unbelastet, und es gibt keinen großen Druck, der von außen auf mich wirkt. Allerdings setzt man sich ja immer selbst ein wenig unter Druck, da man das bestmöglichste Ergebnis erreichen möchte.“

Und Kasüske fügt an: „Als Berliner Segler möchte ich auch ein Vorbild für die nächste Generation Segler sein. Berlin ist eine der erfolgreichsten Segelstädte Deutschlands, und ich möchte, dass das so bleibt.“

Nächste Woche: „America’s Cup“, Teil II: Die Teams, die Historie, die Technik