Auto

Zusammen stark bei Wind und Welle

Beim Opti-Team-Cup führt nur eine gemeinsame Taktik zum Sieg. Daraus lernen die Kinder viel für ihr künftiges Seglerleben

Es ist mittlerweile so kalt, dass ein junger Segler zwischen zwei Rennen ans Trainerboot herankommt, sich die Hände reibt und jammert: „Ich bin schon ganz durchgefroren. Ich kann bald nicht mehr.“ Martin Schlaaff, Landestrainer beim Berliner Segler-Verband, beugt sich hinunter zu seinem Schützling im Optimisten und sagt: „Ich weiß, es ist kalt. Es dauert aber nicht mehr lange. Das hältst Du noch durch.“ Es sind in der Tat nur noch wenige Rennen, dann ist das Joersfelder Opti-Quartett 2015 des Joersfelder Segel-Clubs zum Ende der diesjährigen Segelsaison vorbei. Zwei Rennen noch an diesem Sonntag, dann geht es schon in die Finalläufe.

Insgesamt 15 Teams, vornehmlich aus Berlin, kämpfen mit jeweils vier jungen Seglern seit Stunden verbissen auf dem Tegeler See gegeneinander, immer umsorgt von ihren Trainern, die zwischen den einzelnen Rennen Taktiktipps geben, mal über den Kopf streicheln, mal mit aufmunternden Worten neuen Kampfgeist wecken. Denn das Opti-Quartett ist anders als andere Regatten. Bei diesem Wettbewerb stellen immer vier Optimisten-Segler ein Team und treten dann gegen ein anderes Team an. Sind Segler sonst vor allem Einzelkämpfer, so gilt es hier, zusammenzuarbeiten, sich abzustimmen und einander auszuhelfen.

Dann müssen die vier jungen Segler von Martin Schlaaff, Kadersegler des Berliner Segler-Verbandes, auch schon zurück zur Startlinie – es folgt das nächste Rennen. Nach dem Startschuss wird ordentlich über den See gebrüllt und gestikuliert. „Deck ihn ab, luv ihn hoch“, ruft einer plötzlich und meint damit seinen Teamkameraden, der einem gegnerischen Segler den Wind aus den Segeln nehmen soll. Einerseits wird zwar penibel auf geltende Segelregeln geachtet, andererseits ist Rücksichtnahme zweitrangig.

Gelungene Zusammenarbeit auf engstem Raum

Martin Schlaaff erklärt, dass man bei solchen Regatten sehr viel lernt. „Zusammenarbeit ist in unserem Sport immer wichtig, auch wenn man bei vielen Regatten sonst in direkter Konkurrenz steht“, erklärt er. Mehr noch: Weil gerade der Segelsport, spätestens beim Umstieg auf den 420er als Jugendlicher, auf dem dann zwei Segler an Bord sind, für die gesamte weitere Segelvita vom Teamgedanken lebt, legt solch ein Cup den Grundstein für eine gelungene Zusammenarbeit auf engstem Raum.

Der Berliner Optimisten-Segler Albert Paschen, die Zwillinge Pascal und Patrick Freund vom Verein Seglerhaus am Wannsee sowie Vincent Bahr und Niklas Klimke vom Yachtclub Berlin-Grünau bilden eine Mannschaft. Vier segeln immer gleichzeitig, einer setzt aus. Dabei kennen sich die fünf Jungen nicht nur von ihrem Sport, die vier Letztgenannten gehen auch gemeinsam in eine achte Klasse der Flatow-Oberschule, der Berliner Elite-Schule des Sports in Köpenick. Dreimal pro Woche gehen sie als Trainingsgruppe hinaus auf die Gewässer Berlins.

Plötzlich brüllt auch Schlaaff über den See, alles andere als böswillig, aber um überhaupt durchzudringen zu seinen Seglern, die mehrere hunderte Meter entfernt sind, und bei denen an Bord laut und unablässig die kleinen Segel knattern. Einer der Zwillinge hat nicht gemacht, was zuvor abgesprochen war. Den Trainer ärgert, dass die Kinder immer wieder Fehler machen, die sie eigentlich nicht mehr machen dürften. Ruhiger erklärt Schlaaff anschließend: „Im Training können sie das alles, unter Stress funktioniert manches nicht mehr.“ Während der Mittagspause sagt Patrick Freund: „Es funktioniert ganz gut mit dem Teamsegeln, obwohl wir ja normalerweise alle gegeneinander antreten.“ Sein Trainer ergänzt: „Für die Kinder ist es insgesamt herausfordernd. Sie müssen viel Regelkunde können, viele verschiedene Manöver beherrschen.“ Letztlich ist es fast ein wenig so wie beim großen „America’s Cup“: Team tritt gegen Team an, ohne Zusammenhalt geht nichts.

Mit auf dem Tegeler See ist auch Max-Leopold Käther vom Joersfelder Segel-Club, der die Regatta als Schiedsrichter begleitet – er saust mit seinem Schiedsrichterboot zwischen den kleinen Seglern umher, plötzlich greift er zu einer roten Flagge: Ein Optimist hat eine Wendetonne berührt und muss zweimal einen so genannten Kringel fahren, also zwei Mal um sich selbst. „Proteste werden bei dem Opti-Team-Race gleich während der Regatta verhandelt, Fehler sofort geahndet“, erklärt er. Normalerweise findet das sonst später an Land statt.

Käther erläutert, wie das Team-Race funktioniert: „Jedes Team fährt gegen jedes Team eine Runde auf einem Dreieckskurs. Je nach den Plätzen, auf denen die einzelnen Teammitglieder schließlich über die Ziellinie fahren, gibt es Punkte, wobei gilt: Platz gleich Punkt. Je weniger Punkte also am Ende zusammenkommen, umso besser.“ Das aber bedeutet: Schon während der Wettfahrten wird pausenlos gerechnet und addiert, hieraus ergeben sich dann taktische Segelmanöver, die von jetzt auf gleich umgesetzt werden müssen.

Dabei ist das Joersfelder Opti-Quartett ein Vorentscheid auf eine große Regatta, die ebenfalls auf diese Weise durchgeführt wird, auch noch in diesem Jahr – der „Opti Team Cup“ beim Potsdamer Yacht Club in zwei Wochen. Insgesamt 80 junge Segler aus verschiedenen Ländern treffen sich dann mit ihren kleinen, schwimmenden Nussschalen auf dem Wannsee. Es ist eine Segelveranstaltung der Extraklasse zum Saisonausgang. Die Segler sind alle zwischen 10 und 15 Jahre alt – gebärden sich teilweise aber schon wie alte Hasen.