Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Welcher Preis ist an der Kasse bindend?

Wenn der Scanner an der Kasse einen anderen Preis auswirft als für die Ware am Regal ausgewiesen war, ist das ärgerlich. Doch der Händler darf den Kassenpreis verlangen.

Die  Preise am Regal sind nicht unbedingt verbindlich. Ein Vertrag kommt erst an der Kasse zustande

Die Preise am Regal sind nicht unbedingt verbindlich. Ein Vertrag kommt erst an der Kasse zustande

Foto: dpa Picture-Alliance / Marius Becker / picture alliance / dpa

Als ich letztens an der Kasse bezahlen wollte, stellte ich fest, dass das Produkt an der Kasse per Scan teurer war, als im Laden auf dem Preisschild stand. Ich machte die Verkäuferin darauf aufmerksam, erhielt jedoch die Antwort, dass es sich um einen Fehler handele und sie mir nur die Ware zu dem aktuellen Kassenpreis verkaufen könne. Der Preis im Laden sei nicht mehr aktuell. Alternativ könnte ich das Produkt da lassen und nicht kaufen. Ich empfand das als Unverschämtheit und Täuschung, konnte dem aber auch nichts entgegensetzen. Welche Rechte habe ich, und was kann ich tun, sollte das noch einmal vorkommen?


Dörte Elß: So verwirrend und ärgerlich es für Sie als Kundin auch sein mag: Die Verkäuferin hatte Recht. Juristen sehen in den Preisangaben in Läden, Supermärkten und auch in Katalogen und Werbeprospekten lediglich eine „Einladung“ an den Verbraucher, dem Verkäufer ein Vertragsangebot zu unterbreiten. Diesen rechtlichen Umstand bezeichnen sie mit dem lateinischen Begriff „invitatio ad offerendum“.

Der Verkäufer kann sich irren

In dem Moment, in dem Sie die Ware auf das Kassenband legen, gehen Sie also auf die „Einladung“ ein und bieten dem Verkäufer an, das Produkt zu dem Preis auf dem Preisschild zu kaufen. Hat sich der Verkäufer bei der Preisauszeichnung geirrt, kann er wiederum diese „Einladung“ ablehnen und Ihnen den Verkauf der Ware zu diesem Preis verweigern.

Abmahnung bei bewusster Täuschung

Etwas anderes wäre es, wenn man hinter der niedrigen Preisauszeichnung am Regal ein System vermuten könnte: Würde der Verkäufer beispielsweise häufiger einen großen Teil seiner Waren falsch auszeichnen, dann könnte man unterstellen, dass er Kunden bewusst täuschen wolle. Die Verbraucherzentralen können in solchen Fällen Händler wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht abmahnen.

Zu Fragen des Verbrauchersrechts finden Sie weitere Informationen und Musterbriefe auf der Webseite der Verbraucherzentrale Berlin (www.verbraucherzentrale-berlin.de).

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