Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Muss mir der Online-Händler eine mangelhafte Matratze ersetzen?

Sechs Monate nach dem Kauf muss der Verkäufer einer fehlerhaften Ware beweisen, dass das Produkt bei der Übergabe einwandfrei war. Im Streitfall helfen manchmal Schlichter.

Beim Matratzenkauf im Internet haftet der Händler genauso wie der Verkäufer im Laden

Beim Matratzenkauf im Internet haftet der Händler genauso wie der Verkäufer im Laden

Foto: dpa Picture-Alliance / Armin Wei / picture-alliance/ dpa

Vor zehn Monaten habe ich bei einem Naturprodukte-Handel online eine Naturlatex-Matratze gekauft, die jetzt deutliche Muldenbildung aufweist. Auf Nachfrage bei dem Matratzenverkäufer aus Berlin verweigerte er die Rücknahme gemäß der gesetzlichen Gewährleistungspflicht, außerdem weigert er sich, mir den Namen des Matratzenherstellers zu benennen; dieser steht auch nicht auf der Matratze. Stattdessen bot mir der Verkäufer noch zusätzliche Auflagen für die Matratze zum Kauf an. Wie kann ich außergerichtlich und ohne immense Kostenvorleistung bei ungewissem Prozessausgang meinen Rechtsanspruch gegen den Händler durchsetzen in Bezug auf die Rücknahme sowie die Bekanntgabe des Herstellers?

Dörte Elß: Lässt sich Ihr Verkäufer nicht darauf ein, Ihre Gewährleistungsansprüche zu erfüllen, so können Sie leider nur versuchen, sie gerichtlich durchzusetzen. Die gesetzliche Gewährleistung für Neuprodukte beträgt 24 Monate und bezieht sich auf Fehler, die schon bei Übergabe des Produkts an den Kunden vorhanden waren.

Reklamationen immer an den Händler richten

Mängel müssen immer beim Händler reklamiert werden, nicht beim Hersteller. In den ersten sechs Monaten der Gewährleistungszeit gilt die Vermutung, dass der Fehler schon bei Übergabe der Ware an den Kunden vorhanden gewesen ist. Das bedeutet, der Verkäufer müsste im Streitfall das Gegenteil beweisen. Nach Ablauf der sechs Monate dreht sich die Beweislast um, und der Kunde ist beweispflichtig. In der Praxis ist es dann sehr viel schwieriger, Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer durchzusetzen. Die Gefahr, einen Gerichtsprozess zu verlieren und damit die Prozess- und Rechtsanwaltskosten sowie eventuelle Gutachterkosten tragen zu müssen, steigt für den Kunden erheblich.

Manchmal hilft nur der Gang zum Gericht

Eine Möglichkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung könnte es für Sie noch geben: Händler müssen nämlich seit dem 1. Februar 2017 ihre Kunden auf Schlichtungsstellen hinweisen. Auch müssen sie zum Beispiel im Impressum ihrer Webseite oder in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen darüber informieren, ob sie grundsätzlich bereit sind, an einem Schlichtungsverfahren teilzunehmen. Eine Verpflichtung zur Teilnahme besteht aber bis auf Ausnahmen für die Unternehmen nicht. Ist Ihr Händler einverstanden und kommt ein solches Schlichtungsverfahren zustande, trägt er die Kosten des Verfahrens. Sind Sie als Kunde mit dem Ergebnis der Schlichtung nicht zufrieden oder kommt es zu keiner Einigung, können Sie im Anschluss immer noch eine Klage vor Gericht erwägen.

Zu Fragen des Gewährleistungsrechts finden Sie weitere Informationen und Musterbriefe auf der Webseite der Verbraucherzentrale Berlin (www.verbraucherzentrale-berlin.de).

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