Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Wie checke ich den Pflegedienst?

Worauf Sie beim Abschluss eines Vertrags mit einem Pflegedienst achten sollten, empfiehlt Verbraucherschützerin Dörte Elß

Professionelle Pflege wird mit einem detaillierten Pflegevertrag geregelt.

Professionelle Pflege wird mit einem detaillierten Pflegevertrag geregelt.

Foto: Oliver Berg / dpa

Meine Mutter ist 78 Jahre alt und pflegebedürftig. Sie hat sich einen Pflegedienst ausgesucht. Die Pflegedienstleiterin erklärte meiner Mutter, welche Leistungen ihr aus der Pflegeversicherung zustehen. In dem Vertragsentwurf, den der Pflegedienst meiner Mutter später zugeschickt hat, steht aber nicht, welche Leistungen der Pflegedienst erbringen wird und wie viel meine Mutter dafür bezahlen muss. Der Pflegedienst macht einen guten Eindruck, wie soll ich mich verhalten?

Dörte Elß, Bereichsleiterin der Verbraucherschutzzentrale Berlin: Professionelle Pflege ist eine Dienstleistung, und Verbraucher schließen direkt mit Pflegediensten Verträge ab. Ein Pflegevertrag kann mündlich oder schriftlich geschlossen werden. Wenn Anbieter und Verbraucher den Vertrag zunächst nur mündlich abgeschlossen haben, weil schnell Hilfe benötigt wurde, ist der Anbieter verpflichtet, später unaufgefordert einen schriftlichen Vertrag vorzulegen.

Wie auch in anderen Verträgen sollten die Leistungen des Anbieters und die Kosten in einem Pflegevertrag möglichst genau aufgeführt werden. Leider ist dies häufig nicht der Fall. Manchmal verwenden Pflegedienste den Ausdruck „Leistungskomplexe“, um ihre Leistungen zu umschreiben.

Verbraucher haben Anspruch auf eine genaue Beschreibung der Leistungen

Verbraucher sollten genau nachfragen, welche Leistungen sich konkret dahinter verbergen. In manchen Verträgen sind vereinbarte Leistungen gar nicht enthalten. Verbraucher haben Anspruch auf eine genaue Beschreibung, welche Leistungen der Pflegedienst an welchem Tag der Woche erbringt.

Was können Sie tun? Zunächst einmal sollten Sie den Pflegedienst darum bitten, den Vertrag zu konkretisieren. Achten Sie darauf, nur die Leistungen zu vereinbaren, die Ihre Mutter wirklich braucht. Stellen Sie eine Liste der Aufgaben zusammen, die nicht von Angehörigen, Nachbarn oder sonstigen Helfern erbracht werden können. Dabei können Sie sich nicht nur vom Pflegedienst, sondern auch von einem Pflegestützpunkt beraten lassen.

Der Pfllegedienst muss die anfallenden Kosten genau auflisten

Auch die entstehenden Kosten muss der Pflegedienst genau auflisten. Dabei muss er unterscheiden zwischen den Kosten, die die Pflegekasse übernimmt, und denen, die Sie selbst zahlen müssen. So wissen Sie, welche Lasten am Monatsende auf sie zukommen.

Der Pflegedienst ist gesetzlich verpflichtet, einen Leistungsnachweis zu erstellen, den Sie quittieren müssen. Falls der Pflegedienst dies nicht tut, sollten Sie darauf bestehen. Quittieren Sie nur, was tatsächlich geleistet wurde, denn der Leistungsnachweis dient als Grundlage für die Rechnung des Pflegedienstes.

Die Verbraucherzentrale kann Ihnen bei Fragen zu Ihren ambulanten Pflegeverträgen helfen und Sie über Ihre Rechte als Pflegebedürftiger gegenüber Anbietern im ambulanten Pflegebereich informieren. Sie erreichen die Hotline unter 030 54 44 59 68.

Rechtshinweis: Wir bemühen uns, möglichst viele Fragen zu beantworten. Dennoch behalten die Experten sich vor, bestimmte Bereiche auszuklammern. Da es sich häufig um sensible Fragen handelt, werden diese anonymisiert. Einen Rechtsanspruch auf eine Antwort haben Sie nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

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