Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Soll ich meine private Krankenversicherung wechseln?

Private Versicherer haben für das Jahr 2017 drastische Preiserhöhungen angekündigt. Aber auch scheinbar günstige Online-Angebote sind meist keine Alternative.

Wer als Privatpatient Geld sparen möchte, kann auch auf Basistarife zurückgreifen

Wer als Privatpatient Geld sparen möchte, kann auch auf Basistarife zurückgreifen

Foto: Adam Berry / Getty Images

Ich habe im Radio gehört, dass die privaten Krankenversicherungen die Beiträge im kommenden Jahr drastisch erhöhen wollen. Das macht mir Angst. Sollte man jetzt 2016 noch schnell die Versicherung wechseln, um einem Preisschock zu entgehen oder kann man günstigere Tarife aushandeln? Gibt es auch günstigere Direktversicherungen im Internet?

Dörte Elß: In der Tat ist absehbar, dass die Privaten Krankenversicherungen ihre Beiträge insgesamt deutlich anheben werden. Sie sollten allerdings nicht wechseln, bevor Ihre Versicherung Ihnen eine Beitragserhöhung mitgeteilt hat, denn diese werden von Anbieter zu Anbieter und auch von Tarif zu Tarif sehr unterschiedlich ausfallen.

Sollte Ihr Beitrag tatsächlich stark steigen, haben Sie innerhalb der Privaten Krankenversicherung verschiedene Möglichkeiten: Den Anbieter zu wechseln, ist eine Option. Das ist aber meist nicht die beste Lösung, da Sie die bei Ihrer jetzigen Versicherung gebildeten Altersrückstellungen teilweise oder sogar vollständig verlieren würden. Zudem ist Ihr Gesundheitszustand möglicherweise nicht mehr so gut wie bei der damaligen Antragstellung. Deshalb müssten Sie beim neuen Versicherer mit Risikozuschlägen rechnen oder würden ganz abgelehnt. Diese Nachteile gelten auch für – auf den ersten Blick – günstige Online-Direktversicherungen.

Es besteht Anspruch auf Tarifwechsel

In der Regel ist die beste Lösung, bei Ihrem derzeitigen Anbieter in einen günstigeren, meist neueren Tarif zu wechseln. Manche Versicherungsgesellschaften haben in der Vergangenheit alte Tarife geschlossen und junge Leute in neu geschaffene Tarife aufgenommen. Das bedeutet jedoch, dass sich nach einer Zeit in den geschlossen Tarifen nur noch ältere Menschen befinden und als Folge die Beitragssätze dort überproportional steigen. Auf den Wechsel in einen anderen Tarif mit gleichen Leistungsbereichen haben Sie gesetzlich Anspruch. Die gebildeten Altersrückstellungen bleiben dabei gänzlich erhalten.

Auch muss Ihr Anbieter Sie bei vergleichbaren Leistungen unabhängig von Ihrer jetzigen Gesundheit in den Tarif aufnehmen. Die Versicherer sind verpflichtet, bei einem solchen Wechsel zu beraten. Mit dem Musterbrief der Verbraucherzentrale, den Sie auf unserer Webseite finden, können Sie bei Ihrer Versicherung mehrere Varianten von Angeboten anfordern. Holen Sie vor einem Tarifwechsel auf jeden Fall unabhängigen Rat ein, z.B. in der Verbraucherzentrale Berlin.

Über höhere Selbstbeteiligung nachdenken

Sollte ein Tarifwechsel allein Ihre Beiträge nicht ausreichend senken, können Sie die versicherten Leistungen reduzieren und zum Beispiel statt eines Krankenhaus-Einzelzimmers das Mehrbettzimmer versichern. Weitere Option kann sein, eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren oder zu erhöhen. Sie müssen aber bedenken, dass Sie später unter Umständen nicht wieder zum Einbettzimmer oder der niedrigen Selbstbeteiligung zurückwechseln können.

Wenn das alles nicht ausreicht, steht Ihnen noch der Wechsel in den Standard- bzw.. den Basistarif offen. Den Standardtarif können Sie nutzen, wenn Sie bereits vor 2009 privat versichert waren und bestimmte Voraussetzungen, z.B. hinsichtlich Alter und Versicherungsdauer, erfüllen. Der Beitrag ist in der Regel günstig, das Leistungsniveau liegt jedoch zum Teil unter dem der gesetzlichen Krankenversicherung.

Basistarif kann teuer sein

Ein Wechsel in den Basistarif hilft nur dann, wenn Ihr jetziger Beitrag sehr hoch ist; der Tarif kostet nämlich soviel wie der Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung, in 2016 sind das 665 Euro im Monat. Wer durch den Beitrag etwa auf Grundsicherung angewiesen wäre, kann die Halbierung des Beitrags beantragen. Wenn auch bei halbem Beitrag staatliche Hilfe nötig bleibt, übernimmt das Amt auf Antrag entsprechend den Beitrag. Behandlungskosten beim Arzt erstattet der Basistarif nur zu einem sehr niedrigen Satz, und insgesamt entsprechen die Leistungen denen der gesetzlichen Krankenversicherung.

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