Morgenpost-Ratgeber

Reise ausgefallen, wie bekomme ich meine Anzahlung zurück?

Verbraucher: Wenn ein Reiseveranstalter eine Reise streicht, muss er gute Gründe haben, andernfalls steht den Kunden Schadensersatz zu.

Urlaubsreisen mit einem Kreuzfahrtschiff sind zunehmend beliebt

Urlaubsreisen mit einem Kreuzfahrtschiff sind zunehmend beliebt

Foto: JOE KAFKA / AP

Ich hatte bereits 2015 eine Reise für den September 2016 gebucht und eine Anzahlung geleistet. Der Restreisepreis sollte Anfang August 2016 gezahlt werden. Da acht Wochen vor Reisebeginn die Vorgangsnummer erfragt werden sollte, rief ich am 22.07.2016 beim Reiseveranstalter an. Mir wurde völlig überraschend mitgeteilt, dass die Reise nicht stattfindet, weil die Mindestteilnehmerzahl nicht erreicht wurde. Man hat mir eine neue Reise angeboten, die ich ablehnte. Ich sollte die Anzahlung zurückerhalten, was bis heute, trotz einer Mahnung von mir, nicht erfolgt ist. Was kann ich nun tun?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin: Wenn Sie eine Reise erfolgreich gebucht haben, kommt mit Erhalt der Reisebestätigung ein wirksamer Vertrag zustande. Beide Seiten sind verpflichtet, ihrer Leistung aus dem Vertrag nachzukommen. Der Reisende zahlt den Reisepreis und der Reiseveranstalter erbringt die vertraglich vereinbarte Reiseleistung.

Sagt der Reiseveranstalter die Reise ohne triftigen Grund ab, haben Reisende nicht nur einen Anspruch auf Rückzahlung des bereits geleisteten Reisepreises, sondern auch auf Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. Die Höhe des Schadensersatzes ist im Einzelfall zu prüfen.

Mindesteilnehmerzahl muss in Ausschreibung stehen

Ein Anspruch auf Schadensersatz entfällt, wenn die Gründe der Absage nicht vom Reiseveranstalter zu vertreten sind, wie bei Vorliegen höherer Gewalt. Er entfällt auch dann, wenn sich der Reiseveranstalter ein Rücktrittsrecht wegen nicht erreichter Mindestteilnehmerzahl vorbehalten hat.

Voraussetzung dafür ist aber, dass der Veranstalter die konkrete Mindestteilnehmerzahl bereits in der Ausschreibung genannt hat. Ebenso, bis wann dem Reisenden eine Absageerklärung zugegangen sein muss. Dass diese Voraussetzungen in Ihrem Fall vorlagen, kann man bezweifeln. Schließlich haben Sie von der Absage bereits 49 Tage vor Reisebeginn erfahren und dies nur durch eigene Nachfrage.

Wir empfehlen Ihnen, die Rechtslage und einen eventuellen Schadensersatzanspruch in unserer Reiserechtsberatung prüfen zu lassen.

Rechtshinweis: Wir bemühen uns, möglichst viele Fragen zu beantworten. Dennoch behalten die Experten sich vor, bestimmte Bereiche auszuklammern. Da es sich häufig um sensible Fragen handelt, werden diese anonymisiert. Einen Rechtsanspruch auf eine Antwort haben Sie nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

Wenn Sie Fragen an unsere Experten haben, können Sie diese per E-Mail schicken an ratgeber@morgenpost.de oder per Post an Berliner Morgenpost, Stichwort Ratgeber, Kurfürstendamm 22, 10719 Berlin