Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Was tun, wenn der Reiseanbieter pleite geht?

Auf der sicheren Seite sind nur Kunden, die Pauschalreisen gebucht haben. Bei Airlines und Hotelvermittlern gelten andere Regeln.

Wer für den Urlaub nur Einzelleistungen gebucht hat, hat im Falle einer Insolven meist das Nachsehen. Es sei denn er hat mit Kreditkartebezahlt und bucht sein Geldrechtzeitig zurück

Wer für den Urlaub nur Einzelleistungen gebucht hat, hat im Falle einer Insolven meist das Nachsehen. Es sei denn er hat mit Kreditkartebezahlt und bucht sein Geldrechtzeitig zurück

Foto: Jens Kalaene / dpa-tmn

In letzter Zeit sind einige Reiseveranstalter pleite gegangen. Ich möchte demnächst eine Reise buchen. Wie kann ich mich gegen eine Insolvenz des Unternehmens absichern?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin: In den vergangenen Wochen machten tatsächlich Insolvenzen einiger Unternehmen in der Reisebranche Schlagzeilen: so etwa die des Reiseveranstalters Urlaubstours GmbH, einer Gesellschaft der Unister Unternehmensgruppe, der belgischen Fluggesellschaft VLM Airlines oder der Lowcost Group, die Buchungsplattformen betrieben hat. Viele Verbraucher fragen sich daher, was sie tun können, wenn sie bereits für die Reise bezahlt haben und ihr Veranstalter danach Insolvenz anmeldet.

Sicherungsschein verlangen und gut aufbewahren

Generell muss man unterscheiden zwischen Pauschalreisen und als Einzelleistung gebuchte Flüge oder Hotelübernachtungen. Pauschalreisende haben bei Insolvenz des Anbieters relativ gute Karten, denn diese sind verpflichtet, sich für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit abzusichern.

Das erfolgt überwiegend bei einer Versicherung. Als Nachweis darüber muss dem Reisenden der sogenannte Sicherungsschein ausgehändigt werden – und zwar bevor die Reise bezahlt wird. Daher sollten Sie als Verbraucher unbedingt darauf achten, dass Sie im Besitz des Sicherungsscheins sind, bevor Sie eine Pauschalreise bezahlen, und diesen gut aufbewahren.

Etwas anders stellt sich die Situation für Kunden von insolventen Airlines oder Hotelvermittlern dar. Einen wie im Pauschalreiserecht gesetzlichen Schutz des gezahlten Geldes gibt es bei diesen Verträgen nicht.

Kunden bei Rückforderungsansprüchen ganz hinten

Hinzu kommt, dass Kunden in einem möglichen Insolvenzverfahren mit Rückforderungsansprüchen in der Rangfolge ganz weit hinten stehen, und daher – wenn überhaupt – nur eine anteilige Rückerstattung bekommen. Im Vorteil sind hier Kunden, die mit Kreditkarte gezahlt haben: Sie sollten sich sofort an ihre Bank wenden, die Transaktion wegen nicht erbrachter Leistung beanstanden und den Betrag zurückbuchen lassen. Innerhalb von acht Wochen ab dem Zeitpunkt der Belastung sind die Chancen, das Geld zu retten, gut.

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