Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Gibt es laktosefreie Milchprodukte?

Welche Mengen Milchzucker bei Betroffenen Unwohlsein auslösen, ist individuell verschieden. Geringe Mengen können sie meist gut vertragen.

Hart- und Schnittkäse enthalten keine Laktose mehr und auch auf Cremetorte muss man bei einer Laktoseintoleranz nicht unbedingt verzichten - wenn sie zum Beispiel mit einem Milchersatz aus Lupinen hergestellt wird

Hart- und Schnittkäse enthalten keine Laktose mehr und auch auf Cremetorte muss man bei einer Laktoseintoleranz nicht unbedingt verzichten - wenn sie zum Beispiel mit einem Milchersatz aus Lupinen hergestellt wird

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Büttner / picture alliance / ZB

Wir ernähren uns gesund, mit nicht zu viel Fleisch und essen auch gern Milchprodukte wie Joghurt mit frischen Früchten, Quark und Käse. Mein Sohn verträgt die nun leider nicht mehr so gut, er hat eine Laktoseintoleranz entwickelt. Darf er jetzt nur noch Produkte essen, die mit „laktosefrei“ gekennzeichnet sind oder gibt es noch andere Käse oder Joghurts, die er durchaus vertragen könnte?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin: Laktose bedeutet nichts anderes als Milchzucker und ist ein natürlicher Bestandteil der Milch. Etwa jeder Siebte in Deutschland kann den Milchzucker nicht oder, wie Ihr Sohn, nur schlecht verdauen.

Laktoseintoleranz ist keine Allergie. Vielmehr stellt der Körper zu wenig oder keine Laktase her – ein Enzym, das den Milchzucker im Dünndarm aufspaltet. Die Folge: Laktose gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dies verursacht Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Bauchgrimmen oder Durchfall.

Reifungsgrad maßgeblich für Laktosegehalt von Käse

Welche Menge Laktose Unwohlsein auslöst, ist individuell sehr unterschiedlich. In Milcherzeugnissen findet sich – je nach Herstellungsweise – unterschiedlich viel Laktose. Beim Käse hängt der Laktosegehalt von der Reifungszeit ab. Je länger ein Käse reift, umso niedriger ist sein Gehalt an Laktose. Hartkäse wie Allgäuer Emmentaler sowie Schnittkäse sind praktisch laktosefrei und werden daher von den meisten Menschen mit Laktoseintoleranz gut vertragen.

Obwohl Sauermilchprodukte wie Joghurt oder Dickmilch noch drei bis vier Gramm Laktose pro 100 Gramm enthalten, sind auch sie für viele Betroffene gut bekömmlich. Dies liegt vor allem daran, dass die enthaltenen Milchsäurebakterien die Arbeit der fehlenden Laktase verrichten und den Milchzucker spalten. Es empfiehlt sich daher, zunächst auszuprobieren, ob und in welchen Mengen die normalen Varianten vertragen werden.

Begriff „laktosefrei“ nicht gesetzlich geregelt

Übrigens: Für den Begriff „laktosefrei“ gibt es keine gesetzliche Regelung. Bei laktosefreier Milch findet sich in der Regel ein Restgehalt von weniger als 0,1 g Laktose pro 100 Gramm. Teilweise geben Hersteller einen Laktosegehalt an, zum Beispiel „unter 0,1 Prozent“. Verpflichtend ist die Angabe aber nicht.

Daher fordern die Verbraucherzentralen, dass gesetzlich geregelt wird, was „laktosefrei“ und „laktosearm“ bedeuten. Lebensmittel, auf die diese Definition ohnehin zutrifft, wie etwa Hart- oder Schnittkäse, sollten die Produzenten so nicht bewerben dürfen. Dagegen wäre ein Zusatz wie „von Natur aus laktosefrei“ für Verbraucher eine hilfreiche Information, die aber keinen höheren Preis rechtfertigt.

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