Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Flug verpasst – bekommen wir Geld zurück?

Wer wegen einer langen Schlange am Check-in seinen Flug zu verpassen droht, muss die Airline-Mitarbeiter darauf aufmerksam machen.

Erst mit einem späteren Flug nach Hause: Wer sich um einen rechtzeitiges Einchecken bemüht hat, bekommt Geld zurück

Erst mit einem späteren Flug nach Hause: Wer sich um einen rechtzeitiges Einchecken bemüht hat, bekommt Geld zurück

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / ZB

Wir haben einen Flug von Berlin nach Barcelona gebucht. Als wir etwa 90 Minuten vor dem Flug am Flughafen ankamen, mussten wir uns zum Check-in in eine sehr lange Warteschlange einreihen. Immer wieder wiesen wir Mitarbeiter der Fluggesellschaft darauf hin, dass es eng wird, unseren Flug noch zu erreichen. Es interessierte niemanden. Als wir dann endlich dran waren, sagte man uns, dass der Check-in für unseren Flug bereits abgeschlossen sei und wir nicht mehr mitfliegen könnten. Zu keinem Zeitpunkt hatte uns die Fluggesellschaft geholfen oder ausgerufen. Wir wurden zwar auf den nächsten Flug umgebucht, den mussten wir allerdings neu bezahlen. Können wir diese Kosten zurückfordern?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin: Ein Anspruch auf Erstattung der Umbuchungskosten für den Ersatzflug kommt dann in Betracht, wenn die Fluggesellschaft die Beförderung pflichtwidrig verweigert hat. Nach Ihren Angaben haben Sie den Abfertigungsbereich am Flughafen 90 Minuten vor dem Abflug erreicht. Das ist in jedem Fall rechtzeitig.

Die Gerichtsurteile zu solchen Fällen gingen unterschiedlich aus

In der Rechtsprechung ist es jedoch nach wie vor umstritten, ob die Fluggesellschaft Passagiere ausrufen muss, die nicht rechtzeitig zur Abfertigung am Schalter erscheinen. So urteilte beispielsweise das Amtsgericht Bad Homburg im Jahr 2003, dass die Fluggesellschaft nicht verpflichtet ist, Passagiere vor dem Schließen der Abfertigungsterminals nochmals auszurufen. Demgegenüber entschied das Amtsgericht Charlottenburg in einem jüngeren Urteil aus 2009, dass die Fluggesellschaft hierzu verpflichtet sei.

Nicht unerheblich für eine juristische Beurteilung, ob Fluggäste Anspruch auf Kostenerstattung haben, ist das Verhalten des Fluggastes. So stellte das Amtsgericht Düsseldorf in seinem Urteil aus dem Jahr 2014 die Mitwirkung des Fluggastes nochmals besonders heraus. Demnach müssen Passagiere aktiv werden und die Fluggesellschaft auf die zeitliche Dringlichkeit einer Abfertigung aufmerksam machen, sobald absehbar ist, dass der Abflug verpasst werden könnte. Die Fluggesellschaft hat eine Sorgfaltspflicht also vor allem dann, wenn sich der Flugreisende bereits bemerkbar gemacht und auf den zeitnahen Abflug verwiesen hat.

Die Fluggesellschaft muss auch eine zusätzliche Ausgleichszahlung leisten

Mit Ihrem Hinweis gegenüber der Fluggesellschaft sind Sie Ihrer Mitwirkungspflicht nachgekommen. Aus diesem Grund sind wir der Auffassung, dass die Fluggesellschaft sie hätte ausrufen müssen. Wir halten den Anspruch auf Erstattung der Umbuchungskosten für gerechtfertigt. Wegen der Nichtbeförderung besteht darüber hinaus – gemäß der Europäischen Fluggastrechteverordnung – auch ein berechtigter Anspruch auf Ausgleichszahlung in Höhe von 250 Euro pro Person.

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