Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Wie gehe ich gegen die zu hohe Rechnung vor?

Wenn der Mobilfunkanbieter eine nicht nachvollziehbar hohe Rechnung schickt, muss er auf Nachfrage Einzelnachweise herausgeben.

Drittanbieter können die  Handyrechnung gefährlich in die Höhe treiben

Drittanbieter können die Handyrechnung gefährlich in die Höhe treiben

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture-alliance / Sven Simon

Ich habe von meinem Mobilfunkanbieter eine Rechnung von fast 500 Euro bekommen. Über die Hotline bat ich daraufhin um eine detaillierte Rechnung. Dort sagte man mir, dass das nicht ginge, weil meine Daten gelöscht wurden. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich nicht so viel telefoniert habe. Jetzt möchte ich dem Anbieter einen Brief schicken, in dem ich erkläre, dass ich erst nach Erhalt einer detaillierten Rechnung zahlen möchte. Ist das das richtige Vorgehen?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin: Es kommt immer wieder vor, dass Mobilfunkanbieter Rechnungen stellen, die für den Kunden nicht nachvollziehbar sind. Sind darin Posten abgerechnet, die Sie sich nicht erklären können oder von denen Sie sogar sicher wissen, dass Sie sie nicht verursacht haben, können und sollten Sie der Rechnung innerhalb von acht Wochen widersprechen und einen sogenannten qualifizierten Verbindungsnachweis anfordern.

Einen Musterbrief für ein solches Schreiben finden Sie auf der Website der Verbraucherzentrale unter www.verbraucherzentrale-berlin.de. Laut Gesetz muss der Anbieter dann die Verbindungen einzeln aufschlüsseln, eine technische Prüfung durchführen und Ihnen das Ergebnis vorlegen. Den Widerspruch versenden Sie am besten als Brief per Einschreiben mit Rückschein.

Berechtigte Summe immer begleichen

Auch wenn Sie die Rechnung beanstandet haben, sollten Sie sie begleichen – und zwar bis zu der Höhe, in der die Forderungen des Mobilfunkunternehmens auf jeden Fall berechtigt sind. Bezahlen Sie nichts, laufen Sie Gefahr, in Verzug zu geraten, mit möglichen Folgen wie Zinsen, Mahnkosten oder Schadensersatz.

Weitere Beträge sollten Sie erst zahlen, wenn Ihnen ein entsprechender Nachweis durch das Unternehmen vorliegt. Ein gewisses Risiko besteht allerdings: Stellt sich später heraus, dass die Rechnung doch berechtigt war, so könnten von Ihnen neben dem zunächst streitigen Betrag auch noch Verzugskosten verlangt werden.

Nicht selten stecken hinter hohen Handyrechnungen Forderungen eines sogenannten Drittanbieters – etwa durch Apps oder Abos, die Kunden vielleicht unabsichtlich heruntergeladen haben. Um sich vor solchen Forderungen zu schützen, können Sie bei Ihrem Mobilfunkanbieter eine Drittanbietersperre einrichten lassen. Einen Musterbrief finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Rechtshinweis: Wir bemühen uns, möglichst viele Fragen zu beantworten. Dennoch behalten die Experten sich vor, bestimmte Bereiche auszuklammern. Da es sich häufig um sensible Fragen handelt, werden diese anonymisiert. Einen Rechtsanspruch auf eine Antwort haben Sie nicht. Eine Haftung ist ausgeschlossen.

Wenn Sie Fragen an unsere Experten haben, können Sie diese per E-Mail schicken an ratgeber@morgenpost.de oder per Post an Berliner Morgenpost, Stichwort Ratgeber, Kurfürstendamm 22, 10719 Berlin