Morgenpost-Ratgeber

Verbraucher: Hat Kombucha wirklich eine Heilwirkung?

Vielen Tees werden Heilwirkungen zugeschrieben. Bei Kombucha entfalten sich einige Wirkungen jedoch nur unter bestimmten Bedingungen.

Durstlöscher: Kombucha gibt es auch als stylische Erfrischungsgetränke

Durstlöscher: Kombucha gibt es auch als stylische Erfrischungsgetränke

Foto: Carpe Diem

Charlotte S., Schöneberg: Im Handel gibt es immer mehr „gesunde“ Teegetränke. Zum Beispiel Kombucha, dessen vielseitige Heilwirkung gepriesen wird. Ist dieser Tee wirklich gesund und wogegen hilft er?

Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin, antwortet: Kombucha wird mit dem sogenannten Tee- oder Kombuchapilz hergestellt, einer gallertartigen Masse, die ein Gemisch verschiedener Bakterien und Hefen enthält. Diese vergären gezuckerten Tee zu einem mostartigen, kohlensäurehaltigen Getränk. Kombucha war ursprünglich Bestandteil der asiatischen Volksmedizin. Bei uns ist der Teepilz vor allem in Naturkostläden und Reformhäusern erhältlich, wird aber auch von Hand zu Hand weitergegeben.

Wirkungen nicht wissenschaftlich nachgewiesen

Als Fertiggetränk ist Kombucha im Lebensmittel- und Getränkehandel zu finden. Der Tee soll die Darmfunktion verbessern, das Immunsystem aktivieren und den Stoffwechsel anregen wie auch das Blut reinigen. Empfohlen wird es bei zahlreichen Krankheiten: etwa bei Gicht, Rheuma, unreiner Haut und außerdem als Schutz vor Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Wissenschaftlich nachgewiesen sind die vielfach angepriesenen Wirkungen jedoch nicht.

Kombucha ist bei sachgemäßer Herstellung ein unbedenkliches Erfrischungsgetränk, wobei der Gehalt an Alkohol, Koffein und Zucker beachtet werden muss. Seine gesundheitlichen Wirkungen sind mit denen anderer fermentierter Lebensmittel, wie Sauermilchprodukten vergleichbar. Deren Mikroorganismen können positiv auf die Darmflora wirken.

Der Umfang dieser probiotischen Wirkung ist bei Kombucha jedoch unbekannt. Wissenschaftlich nachgewiesen sind lediglich leicht abführende und schwach antibakterielle Wirkungen, die auf den Gehalt an Essig- und Milchsäure zurückzuführen sind.

Industrielle Fertigung tötet Mikroorganismen ab

Kombucha wird aus gezuckertem Kräutertee oder schwarzem Tee hergestellt. Je nach Zubereitung und Gärdauer enthält Kombucha teilweise so viel Zucker wie Limonade (bis zu zehn Prozent). Bei der Gärung entstehen außerdem Kohlendioxid, verschiedene Säuren, vor allem Essigsäure, Milchsäure und Gluconsäure, sowie Alkohol (0,1 – 2 Prozent).

Selbst hergestellter Kombucha enthält lebende Mikroorganismen. Industriell hergestellter Kombucha wird aus Gründen der Haltbarkeit pasteurisiert. Dies tötet die Mikroorganismen im Gärgetränk ab – sie werden unwirksam. Wer auf zusätzliche Wirkungen hofft, sollte nur Produkte mit lebenden Kulturen kaufen.

Teegetränk und kalorienarme Durstlöscher

Als „Lebenselixier“ und Heilmittel für nahezu alle Krankheiten, wie Kombucha angepriesen wird, taugt das Teegetränk nicht. Einige im Handel befindlichen Produkte eignen sich als kalorienarme Durstlöscher, je nach Zucker-, Alkohol- und Koffeingehalt. Dem stolzen Verkaufspreis von bis zu vier Euro und mehr pro Liter steht jedoch ein fragwürdiger Nutzen gegenüber.

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