Verbraucherschutz

Flug annulliert, muss die Airline Ausgleich zahlen?

Wenn eine Airline einen Flug annulliert und der Fluggast stattdessen einen anderen und teureren Flug buchen muss, ist das ärgerlich. Wann er Anspruch auf Schadensersatz hat, erklärt Expertin Eva Bell.

Lars M., Pankow: Am 26. Juni 2014 buchten wir bei Air One für vier Personen einen Flug von Tegel nach Pisa für den 4. September 2014. Am 17. Juli teilte uns die Airline mit, dass der Flug annulliert wurde und bot uns einen Flug für den 6. September an. Da wir am 4. September in Pisa sein mussten, war das nicht akzeptabel, was wir der Gesellschaft auch mitteilten. Nachdem diese darauf nicht reagierte, buchten wir auf eigene Kosten einen wesentlich teureren Flug für den 4. September. Air One hat uns lediglich den von uns gezahlten Preis erstattet. Wir sind der Ansicht, die Airline hat den mit uns geschlossenen Vertrag nicht erfüllt und ist gemäß EU-Verordnung VO Nr.261/2004 verpflichtet, die Mehrkosten für eine andere Beförderungsmöglichkeit zu tragen. Auf unsere mehrmaligen Aufforderung, die Restsumme zu überweisen, hat sie jedoch nicht reagiert. Was können wir nun tun?

Eva Bell: Die europäische Fluggastrechteverordnung, auf die Sie sich beziehen, greift in Ihrem Fall leider nicht. Denn wenn die Annullierung des Fluges mehr als zwei Wochen vor dem Abflug mitgeteilt wird, besteht kein Anspruch auf Ausgleichszahlung.

Dennoch: Mit dem Erwerb Ihres Flugtickets haben Sie einen gültigen Beförderungsvertrag abgeschlossen, der beide Seiten verpflichtet, ihrer Leistung aus dem Vertrag nachzukommen.

Airline muss zeitnahe, anderweitige Beförderung anbieten

Wenn die Fluggesellschaft den Flug annulliert und keine zeitnahe, anderweitige Beförderung anbietet, können Sie sowohl vom Vertrag zurücktreten als auch Schadensersatz fordern. Das bedeutet, dass Sie einen Anspruch auf den Ticketpreis und Schadensersatz in Höhe der Differenz eines angemessenen Ersatzfluges haben. Auch wenn Sie durch die Annullierung nachweisbar weitere zusätzliche Kosten gehabt hätten, etwa für eine nicht genutzte Übernachtung, könnten Sie diese in Rechnung stellen.

Wir haben in Erfahrung gebracht, dass die Fluggesellschaft Air One im Oktober 2014 den Flugbetrieb eingestellt hat. Es scheint daher leider fast aussichtslos, Ihren Schadenersatzanspruch durchzusetzen. Der Mutterkonzern, Alitalia, hat den Service von Air One mit der eigenen Marke Alitalia übernommen. Daher empfehlen wir Ihnen, Ihren Schadensersatzanspruch nochmals gegenüber der Fluggesellschaft Alitalia geltend zu machen. Fügen Sie dem Schreiben alle vertragsrelevanten Unterlagen in Kopie bei und senden Sie es per Einwurfeinschreiben – einen Versuch ist es wert.

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