Verbraucherschutz

Wucherrechnung: Wie bekomme ich mein Geld zurück?

Eine Waschmaschinenreparatur am Wochenende entwickelte sich zum Albtraum für den Eigentümer der Maschine. Am Ende sollte er für einen eigentlich unkomplizierten Eingriff mehr als 400 Euro bezahlen.

Jürgen S., Lichtenberg: An einem Freitagnachmittag ließ sich nach dem Waschen die Fülltür unserer Waschmaschine nicht öffnen. Einen Monteur zu bekommen, war schwierig. Aber ein Unternehmen, das sich im Internet als Meisterbetrieb mit 24-Stunden-Service präsentiert, schickte uns Sonnabendabend einen Mitarbeiter. Dieser kannte sich nicht aus und erklärte, ein Miele-Gerät müsse in der Werkstatt repariert werden, er werde es nach drei Stunden zurückbringen. Kosten 59 Euro pro Stunde. Er kassierte 100 Euro Anzahlung und 15 Euro für die Anfahrt. Das Gerät bekamen wir am Mittwoch zurück. Transportkosten 39 Euro.

Als ich den Mitarbeiter aufforderte, das reparierte Gerät vorzuführen, bekam er es erst nach 15 Minuten in Gang. Wir wollten die Rechnung erst nach einer Überprüfung der geforderten Summe begleichen. Die Mitarbeiter bestanden auf sofortiger Bezahlung und drohten, die Maschine sonst wieder mitzunehmen. Wie wir später feststellten, handelt es sich bei der Firma lediglich um ein Unternehmen, das Reparaturen vermittelt und dann auf die Reparaturkosten Beträge in beliebiger Höhe aufschlägt. Wie wir inzwischen von Fachleuten erfuhren, war der Defekt aus technischer Sicht vergleichsweise unkompliziert und hätte von einem Profi mit wenigen Handgriffen behoben werden können. Nur in Ausnahmefällen müsse eine Maschine zur Reparatur abtransportiert werden. Für die Reparatur haben wir 418,14 Euro bezahlt. Wir möchten die über die Reparaturkosten hinausgehende Summe erstattet bekommen. Welche Chancen haben wir?

Verdacht auf sittenwidriges Geschäft

Eva Bell: In Ihrem Fall liegt der Verdacht nahe, dass die Rechnung für die Reparatur der Waschmaschine „ungebührlich“ überhöht ist und sie unter den sogenannten Wucherparagrafen fällt. Ein solches Rechtsgeschäft gilt als sittenwidrig und ist nichtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vergütung fest vereinbart war, Sie die Rechnung bereits beglichen haben oder eine arglistige Täuschung vorliegt.

Damit ein Geschäft als sittenwidrig gilt, müssen zwar noch weitere Umstände wie eine „verwerfliche Gesinnung“ des Verkäufers vorliegen, aber auch davon kann man ausgehen, wenn – wie in Ihrem Fall – der Wert der Leistung den der Gegenleistung um mehr als 100 Prozent übersteigt.

Sie könnten den Vertrag auch wegen arglistiger Täuschung anfechten. Denn Sie haben ja bereits beim Servicecenter des Herstellers erfahren, dass der Defekt aus technischer Sicht vergleichsweise unkompliziert war und man ihn mit wenigen Handgriffen hätte beheben können.

Differenzbetrag vom Service zurückfordern

Auch wenn wir davon ausgehen, dass der eingegangene Reparaturvertrag nichtig ist – was können Sie noch tun, bevor Sie ein langwieriges Gerichtsverfahren einleiten? Zunächst einmal sollten Sie sich bei dem Hersteller der Maschine oder einem seriösen Handwerker erkundigen, ob die beiden Ersatzteile überhaupt nötig gewesen wären und was eine Reparatur üblicherweise kosten würde.

Den Differenzbetrag sollten Sie von dem Reparaturservice zurückfordern. Verwenden Sie dazu ein Einschreiben mit Rückschein und setzen Sie für die Rückzahlung eine Frist. Sollte die Firma sich weigern, bleibt Ihnen für diesen Differenzbetrag nur der Klageweg – aus unserer Sicht mit guten Erfolgsaussichten.

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