Ratgeber

Ist der Vertrag des Fitness-Clubs rechtens?

In Fitness-Clubs gibt es neben dem Nutzungsvertrag häufig Startpakete mit Anmelde- und Ausweisgebühren sowie diversen Gutscheinen. Diese Bindung ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale zulässig.

Ralf W., Pankow: Meine Frau und ich sind einem Fitness-Club beigetreten. Wir haben uns für den Premiumvertrag entschieden, der die Nutzung aller Geräte und des Saunabereichs, sowie die Teilnahme an allen Kursangeboten für einen Jahresbeitrag umfasst. Beim Abschluss des Vertrages mussten wir ein Startpaket dazubuchen. Ohne dieses Paket hätte der Club mit uns keinen Vertrag abgeschlossen. Das Startpaket umfasst: Anmeldegebühr, Ausweisgebühr, Gutscheine für die Erstellung eines persönlichen Trainingsplans (mit Selbstbehalt) und diverse andere Gutscheine. Das Kursangebot und die Saunanutzung sind Bestandteil unseres Vertrages und an den anderen Angeboten hatten wir kein Interesse. Ist so eine Kopplung an einen Nutzungsvertrag rechtens? Beim ersten Training an den Geräten stellte ich später fest, dass an diesen nur englischsprachige Anleitungen stehen. Die Studioleitung erklärte mir, dass die Geräte so erworben wurden und sie nicht verpflichtet seien, deutsche Anleitungen anzubringen. Ist der Betreiber dazu nicht verpflichtet?

Eva Bell: In Deutschland gilt der Grundsatz „pacta sunt servanda“. Das bedeutet, dass einmal geschlossene Verträge einzuhalten sind. Die Änderung im Nachhinein ist meist nicht mehr oder nur schwer möglich und setzt das Einverständnis des Vertragspartners voraus. Daher sollte man vor Vertragsschluss immer das Kleingedruckte genau lesen und Verträge, mit denen man nicht einverstanden ist, nicht unterschreiben.

Die Bindung Ihres Premiumvertrages an das Startpaket halten wir grundsätzlich für rechtlich zulässig. Die Anmelde- und die Ausweisgebühr fallen wohl einmalig beim Eintritt in das Fitnessstudio an. Dies scheint nicht unüblich zu sein und auch nicht als Teil eines sogenannten Kopplungsgeschäftes zu werten.

Voraussetzung für ein Kopplungsgeschäft wäre die Verpflichtung, zusätzlich zum gewollten Vertrag einen weiteren Vertrag zu schließen, der sachlich nicht zum gewünschten Vertrag gehört und meist auch nicht gewollt ist. Ein solcher Vertrag wäre ungültig.

Englischsprachige Anleitungen an Fitness-Geräten

Zu Ihrer weiteren Frage: Ein Sportstudiobetreiber hat unter anderem die Pflicht, ein sicheres Training zu ermöglichen und die Geräte in benutzbarem Zustand zu erhalten. Wenn Sie neben der englischsprachigen Bedienungsanleitung der Geräte die Möglichkeit haben, sich deren Anwendung durch Fachpersonal erläutern zu lassen oder zusätzlich Anleitungen in Form von Bildern auf den Geräten angebracht sind, so erfüllt der Studiobetreiber nach unserem Dafürhalten seine vertragliche Pflicht.

Aus unserer Sicht bleibt Ihnen daher, wenn Sie mit dem Studio unzufrieden sind, nur die Möglichkeit, zu dem in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen angegebenen nächstmöglichen Termin Ihren Vertrag zu kündigen.

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