Verbraucherschutz

Lebenslange Rente oder Kapitalauszahlung?

Sollte man sich seine Lebensversicherung auf einmal auszahlen lassen - oder in Raten? Das ist von mehreren Faktoren abhängig, so Expertin Eva Bell.

Anne H., Berlin: Welchen Rat können Sie in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase für die Auszahlungsart einer Lebensversicherung empfehlen, Kapitalauszahlung oder lebenslange Rente?

Eva Bell: Diese Frage stellt sich vielen Verbrauchern bei Ablauf ihrer Versicherung. Denn die meisten haben wie Sie die Wahl, sich das angesammelte Kapital einmalig auszahlen zu lassen oder eine lebenslange Rente in Anspruch zu nehmen. Welches die bessere Lösung ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Vor allem ist maßgeblich, wie gesund Sie zu Rentenbeginn sind und wie wichtig Ihnen die Sicherheit ist, dass das Geld lebenslang reicht. Die Versicherungen gehen bei der Kalkulation der Rentenhöhe davon aus, dass Sie über 90 Jahre alt werden. Gehen Sie selbst hingegen davon aus, dass Sie deutlich älter werden und dass Sie keine Flexibilität bei der Auszahlung brauchen, macht die Wahl der lebenslangen Rente Sinn.

Wählen Sie hingegen die Kapitalauszahlung, müssen Sie selbst entscheiden, welches Lebensalter sie sich maximal „zugestehen“, und das Geld selbst entsprechend verteilen. Auch steuerlich gibt es Unterschiede. Bei der lebenslangen Rente muss auf einen kleinen Teil Steuer bezahlt werden, dessen genaue Höhe vom Rentenbeginnalter abhängt. Die Kapitalauszahlung ist bei vor 2005 abgeschlossenen Verträgen steuerfrei, bei neueren Verträgen muss bei Auszahlung die Hälfte der Erträge versteuert werden.

Eine Inflationsanpassung im engeren Sinne gibt es bei einer Rentenversicherung nicht automatisch. Sie können aber bei Rentenbeginn entscheiden, dass die erwirtschafteten Überschüsse der Versicherung zur jährlichen Rentensteigerung verwendet werden sollen. So können Sie einen gewissen Inflationsausgleich bewirken. Viele ältere Verträge erzielen über den damals noch hohen Garantiezins hinaus allerdings gar keine Überschüsse mehr. Hier wirkt die im Verhältnis zu heutigen Verträgen höhere Rente wertstabilisierend.

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