Verbraucherschutz

Soll ich zusätzliches Geld in meine Privatrente einzahlen?

Was tun, wenn man plötzlich eine unerwartete Summe erbt und anlegen will? Bestehende Verträge aufstocken oder das Geld anderweitig anlegen? Verbraucherschutz-Expertin Eva Bell beantwortet die Frage.

Christine S., Zehlendorf: Ich habe vor einiger Zeit für meine Tochter bei einer Lebensversicherung eine PrivatRente IndexSelect mit dem Ziel abgeschlossen, dass sie im Jahr 2026 entweder eine monatliche Rente oder ein einmaliges Kapital ausgezahlt bekommt. Dabei zahle ich monatlich 100 Euro ein und kann jährlich entscheiden, ob ich eine garantierte Verzinsung von 3,4 Prozent oder die Teilnahme an der Entwicklung des Euro Stoxx 50 wünsche.

Ich habe nun rund 10.000 Euro geerbt, die ich für meine Tochter anlegen will. Da Lebensversicherungen zurzeit keinen guten Ruf genießen, frage ich Sie, ob ich dieses Geld in diese Versicherung als Einmalzahlung einsetzen oder besser eine andere Geldanlage wählen soll.

Eva Bell: Unsere Empfehlung: Investieren Sie die 10.000 Euro nicht zusätzlich in Ihre Privatrente. Dies zum einen, um nicht alles Geld einer Anlage anzuvertrauen – Sie sparen ja bereits einen erheblichen Betrag in das besagte Produkt an. Zum anderen birgt das Modell Ihrer Rentenversicherung einige Nachteile: Die jährliche Wahlmöglichkeit bringt Ihnen wenig, da Sie im Normalfall nicht einschätzen können, welche Variante für das Folgejahr die sinnvollere ist.

Wählen Sie die Indexpartizipation – also in Ihrem Fall die Teilnahme an der Entwicklung der großen europäischen Aktien im Index Euro Stoxx 50 –, hat das den Nachteil, dass die Indexentwicklung in guten Aktienmonaten nur bis zu einer festgelegten Grenze berücksichtigt wird, in schlechten Monaten aber voll eingeht. Das kann dazu führen, dass Sie selbst in einem Jahr mit insgesamt guter Aktienentwicklung kaum einen Wertzuwachs erzielen. Wählen Sie die festgelegte Verzinsung, werden Ihre Beiträge überwiegend in Anleihen angelegt.

Sicherheitsorientierte Anleihen sind am Markt inzwischen sehr niedrig verzinst. Die derzeit ausgewiesene Verzinsung von 3,4 Prozent sieht zunächst attraktiv aus, verringert sich aber durch die einmaligen und laufenden Vertragskosten erheblich. Zudem wurde der Zinssatz in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt, und eine weitere Absenkung ist zu erwarten. Die Option der Auszahlung als lebenslange Rente ist für viele dadurch unattraktiv, dass die Versicherungen bei Berechnung der Rentenzahlung ein sehr langes Leben unterstellen, in der Regel weit über 90 Lebensjahre. Entsprechend gering fällt die monatliche Rente aus.

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