Ratgeber Recht

Wie das eigene Erbe zu dem gelangt, der es bekommen soll

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Anwalt Max Braeuer.

Anwalt Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Ich (kinderlos und „verwandschaftsgeplagt“) bin jetzt 71 Jahre, meine Lebensgefährtin seit fast 20 Jahren immerhin – schon 75 Jahre alt. Zum Glück habe ich etwas Vermögen, aber niemanden, den/die ich (außer ihr) als Erben akzeptieren wollen würde. Heiraten (etwa aus steuerlichen Gründen) kommt für mich nicht in Betracht. Im Falle meines vorzeitigen Ablebens würde ich zwar gerne meine Lebensgefährtin etwa per monatlicher Zuwendung finanziell absichern. Was ich allerdings nicht wollen würde, wäre, dass ihre beiden Kinder dann als Erben letztlich von mir profitieren.

Was mir vorschwebt: Nach meinem Tod bekommt meine Lebensgefährtin monatlich so lange eine finanziell fixe Zuwendung (Schenkungsteuer egal!), bis sie selbst verstirbt oder bis (ziemlich unwahrscheinlich) mein Vermögen aufgebraucht ist. Ein vor ihrem Ableben noch vorhandenes Restvermögen würde ich z. B. gerne Greenpeace vermachen.

Dr. Max Braeuer: Sie sind natürlich in der Verfügung über Ihr Vermögen völlig frei. Sie können ein Testament machen, mit dem Sie Ihr Vermögen völlig beliebigen Personen oder Institutionen vermachen. Sie können das Vermögen auch aufteilen. Mit Ihrem vorzeitigen Ableben meinen Sie vermutlich den Fall, in dem Sie früher sterben als Ihre Lebensgefährtin. Es ist natürlich möglich, ein Testament zu machen, das Ihrer Lebensgefährtin eine Versorgung auf Lebenszeit sichert und gleichzeitig ihre Kinder von der weiteren Erbfolge ausschließt.

Die möglichen Erbfolgeregelungen unterscheiden sich danach, welche Freiheit Sie Ihrer Lebensgefährtin im Umgang mit dem Vermögen einräumen wollen. Sie können Ihrer Lebensgefährtin das gesamte Vermögen hinterlassen mit der Einschränkung, dass sie es zwar für sich selbst verbrauchen kann, dass das nicht Verbrauchte nach ihrem Tod dann aber an Greenpeace fällt. Sie können sie aber auch stärker einschränken, indem Sie ihr eine Art monatliche Rente aussetzen und sie im Übrigen aber keinerlei Zugriff auf den Nachlass hat.

Wenn es Ihnen nur darum geht, die Kinder Ihrer Lebensgefährtin von der weiteren Erbfolge auszuschließen, dann sollten Sie den Weg über Vor- und Nacherbschaft wählen. Ihre Partnerin erhält dann das ganze Vermögen und kann nach eigenem Ermessen entscheiden, wann sie welche Beträge entnimmt und verbraucht. Bei ihrem Tode geht der gesamte Rest an Greenpeace – oder vielleicht auch an eine andere Organisation –, ohne dass die Kinder Ihrer Partnerin damit in Berührung kommen.

Wenn Sie Ihre Partnerin stärker einschränken wollen, ihr also nur eine Art Rentenzahlung zukommen lassen, dann könnte die gemeinnützige Organisation bei Ihrem Tode gleich als Erbe eingesetzt werden. Ihrer Partnerin würden Sie die Rente als Vermächtnis aussetzen. Um sicher zu sein, dass sie die Rente auch tatsächlich erhält, ist es aber sinnvoll, in diesem Falle einen Testamentsvollstrecker einzusetzen. Dessen Aufgabe wird es sein, das Vermögen zusammenzuhalten und die monatliche Rentenzahlung zu veranlassen. Erst beim Tode Ihrer Partnerin würde die Testamentsvollstreckung enden und das Vermögen dann zur freien Verfügung des gemeinnützigen Vereines stehen.

Keinen dieser Wege kann man von vorneherein als den besseren bezeichnen. Welchen Sie wählen, hängt davon ab, was Sie tatsächlich erreichen wollen.

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