Ratgeber Recht

Vermögen vererben – Testament und gesetzliche Erbfolge

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei bei Raue LLP und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer

Rechtsanwalt Dr. Max Braeuer

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Meine Frau und ich sind Rentner. Aus unserer Ehe sind keine Kinder hervorgegangen. Meine Frau hat zwei Kinder aus erster Ehe. Keiner von uns hat Vermögen mit in die Ehe gebracht. Ich habe mir durch meine selbstständige Tätigkeit in den 80er-Jahren ein kleines Vermögen aufgebaut. Alle Konten laufen auf meinen Namen. Meine Frau hat jedoch Vollmacht für die Konten. Ich bin Alleineigentümer der Eigentumswohnung, in der wir wohnen. Sind die Kinder meiner Frau, falls sie vor mir sterben würde, erbberechtigt, obwohl meine Frau kein eigenes Konto hat? Wie sehen die Erbansprüche dann aus? Gibt es ein Pflichtteilsrecht für die Kinder?

Dr. Max Braeuer: Die Kinder Ihrer Frau sind erb- bzw. pflichtteilsberechtigt, wenn Ihre Frau vor Ihnen stirbt. Nach dem Gesetz beerben Sie Ihre Frau zu 1/2 und die Kinder erben die andere Hälfte, also jeweils ¼ von dem, was Ihre Frau hinterlässt. Diese gesetzliche Erbfolge kann durch ein Testament geändert werden. Ihre Frau könnte ein Testament errichten, mit dem sie Sie zum Alleinerben einsetzt. Damit wären die Kinder Ihrer Frau automatisch enterbt. Die Kinder hätten dann Anspruch auf den Pflichtteil. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, für die Kinder also jeweils 1/8 von dem, was Ihre Frau an Vermögen hinterlässt. Der Pflichtteilsanspruch ist ein Geldanspruch, den der Erbe erfüllen muss.

Sie und Ihre Frau können auch ein gemeinschaftliches Testament errichten. Sie könnten sich damit gegenseitig zu Erben einsetzen und bestimmen, wer nach dem Tod des letztversterbenden Ehegatten das erhalten soll, was vom Vermögen noch übrig ist. Möglicherweise haben Sie so ein Testament schon errichtet. Es hätte nach dem Tode Ihrer Frau dieselben Folgen wie ein Einzeltestament von ihr. Sie werden Alleinerbe. Die Kinder Ihrer Frau bekommen den Pflichtteil.

Vererben kann man nur, was man hat. Wenn Ihre Ehefrau kein eigenes Konto und auch sonst keinerlei Vermögen hat, also weder Bargeld noch Schmuck noch ein Auto noch sonstige Gegenstände von Wert, dann hat sie auch nichts zu vererben. Folglich gibt es für die Berechnung des Pflichtteils keine Grundlage. Sowohl Sie als Erbe als auch die pflichtteilsberechtigten Kinder gehen leer aus. Die Tatsache, dass Ihre Frau Vollmacht für Ihre Konten besitzt, ändert daran nichts. Die Guthaben auf den Konten stehen Ihnen alleine zu. Ihre Frau hat keinen Anteil daran und kann auch nichts davon vererben. Genauso verhält es sich mit der Eigentumswohnung. Wenn Sie als Alleineigentümer im Grundbuch eingetragen sind, gehört die Wohnung nicht zum Vermögen Ihrer Frau. Die erstehelichen Kinder haben keine Erb- oder Pflichtteilsrechte in Bezug auf die Wohnung.

Anders wäre es, wenn Ihre Frau Ihnen während der Ehe Geschenke gemacht hätte, die über die üblichen Geschenke zu Geburtstagen, Weihnachten oder sonstigen Anlässen hi­nausgehen. Bei der Berechnung des Pflichtteils wird dann so getan, als gehöre das außerordentliche Geschenk noch Ihrer Frau. Wenn Sie von Ihr also Geld bekommen hätten, das jetzt auf einem Ihrer Konten ist, könnten die Kinder jeweils 1/8 davon beanspruchen. Bei Schenkungen unter Ehegatten gibt es dafür keine Frist. Schenkungen an andere Personen werden nur während der ersten zehn Jahre nach dem Schenkungstag in die Pflichtteilsberechnung einbezogen und zwar im ersten Jahr nach der Schenkung zu 100 Prozent, im zweiten Jahr nach der Schenkung zu 90 Prozent und in den Folgejahren jeweils um 10 Prozent weniger.

Da Sie offenbar der Ehegatte sind, der etwas zu vererben hat, auch dazu noch kurz ein Wort. Wenn Sie kein Testament errichten, tritt auch nach Ihrem Tod die gesetzliche Erbfolge ein. Das heißt, Ihre Frau beerbt Sie allein, wenn Ihre Eltern nicht mehr leben und Sie auch keine Geschwister haben. Gibt es solche Verwandten, dann erben Ihre Frau zu 1/2 und die Verwandten zu 1/2. Auch Sie können die gesetzliche Erbfolge durch ein Einzeltestament oder durch ein gemeinschaftliches Testament mit Ihrer Ehefrau ändern. Pflichtteilsansprüche gäbe es für Ihre Frau und für Ihre Eltern, wenn sie bei Ihrem Tod noch leben würden und durch Ihr Testament enterbt worden wären. Die Kinder Ihrer Frau erben nach Ihrem Tode nichts und sind auch nicht pflichtteilsberechtigt, denn sie sind nicht mit Ihnen verwandt.

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