Ratgeber Recht

Habe ich Anspruch auf die Rente meines Ex-Ehemannes?

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Max Braeuer
Anwalt Dr. Max Braeuer

Anwalt Dr. Max Braeuer

Foto: Amin Akhtar

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Experte für Familien- und Erbrecht. An dieser Stelle beantwortet er Leserfragen

Leserfrage: Ich bin Philippinin und war mit einem deutschen Mann verheiratet. Wir haben uns 2015 nach 30 Jahren Ehe scheiden lassen. Wir haben drei erwachsene Kinder. Mein Ex-Mann hat schon eine neue Freundin auf den Philippinen. Sie leben dort zusammen und haben ein gemeinsames Kind, sind aber nicht verheiratet. Ich arbeite seit zwölf Jahren Teilzeit in einem Seniorenheim und habe nicht mehr geheiratet. Wenn mein Ex-Mann verstirbt: Habe ich Anrecht auf seine Rente?

Weitere Frage: Eine Bekannte bezieht Rente von ihrem verstorbenen Ex-Ehemann. Nach meiner Scheidung 1987 ist mein Ex-Ehemann nun verstorben. Bestehen für mich Rentenansprüche?

Dr. Max Braeuer: In beiden Fällen können die Frauen nicht mehr mit Rentenzahlungen rechnen. Das ist die Folge des Versorgungsausgleiches, der bei den Scheidungen durchgeführt worden ist. Der Versorgungsausgleich ist eine der Errungenschaften der Familienrechtsreform von 1977. Vor dieser Reform musste noch festgestellt werden, welcher der Eheleute an der Scheidung schuldig ist. Damals gab es auch noch Witwenrentenansprüche für geschiedene Frauen. Aufgrund der Reform ist die Selbständigkeit beider Eheleute nach der Scheidung gestärkt worden. Hierzu gehört insbesondere der damals neugeschaffene Versorgungsausgleich. Eine Ehepartner, meistens die Frau, bekommt schon bei der Scheidung eigene Rentenansprüche von dem anderen. Damit sind beide aber auch auseinander, und Witwenrenten gibt es nicht mehr.

Für den Versorgungsausgleich werden alle Rentenansprüche zusammengerechnet, die die Eheleute während der Ehezeit angesammelt haben. Diese Versorgungsanrechte werden dann gleichmäßig zwischen beiden verteilt. In vielen Fällen, in denen der Ehemann während der Ehe ein höheres Einkommen hatte , bekommt die Frau schon zu Lebzeiten des Mannes von diesem ein Teil seiner Rentenansprüche. Das wird auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben. Sie hat dann einen eigenen Rentenanspruch aus der Ehezeit, der genauso hoch ist wie der des Ehemannes.

Trotz des Ausgleichs ist die Rente des geschiedenen Mannes häufig höher als die der geschiedenen Frau. Das liegt daran, dass auch vor und nach der Ehezeit Rentenansprüche gesammelt werden. Wenn der Mann nach der Scheidung ein besseres Einkommen hat als seine geschiedene Frau, dann steigt sein Rentenanspruch stärker als der ihre. Um das auszugleichen, gibt es den Anspruch auf Vorsorgeunterhalt.

Viele Frauen haben nach der Scheidung gegenüber ihrem geschiedenen Mann noch einen Unterhaltsanspruch. Dieser hat nicht nur den Zweck, den Lebensbedarf der Frau zu decken. Als Teil des Unterhalts gibt es auch den Anspruch auf Vorsorgeunterhalt. Dieser ist dafür bestimmt, dass die Frau Beträge in ihre Altersversorgung einzahlt und so höhere Rentenansprüche erwirbt. Diese neuen Rentenanrechte der Frau gehen dann nicht mehr zu Lasten der Anrechte ihres geschiedenen Mannes, sondern werden aus den aktuellen Unterhaltszahlungen gebildet.

Diese durchaus etwas komplizierten Regelungen führen dazu, dass die geschiedene Ehefrau im Normalfall nicht darauf angewiesen ist, nach dem Tode ihres geschiedenen Mannes noch etwas von seiner Rente zu bekommen. Das gilt allerdings nur für geschiedene Frauen. Wenn die Eheleute getrennt gelebt haben, ohne sich scheiden zu lassen, dann steht der Frau beim Tod des Mannes unverändert eine Witwenrente zu. Diese Witwenrente kann auch deutlich höher sein als die Rente, die bei einer Scheidung durch den Versorgungsausgleich übertragen worden wäre. Wenn eine Ehe auseinandergeht, deren Partner schon älter sind, sollten sich die Eheleute fragen, ob die Ehe auch wirklich geschieden werden muss. Gerade wegen der Witwenrente verzichten manche Eheleute darauf, ihre gescheiterte Ehe formell scheiden zu lassen. Sie bleiben verheiratet, auch wenn sie dauerhaft getrennt leben. Das ist keine besondere Belastung, wenn keiner von beiden einen anderen Partner heiraten möchte. Es bleibt aber die Aussicht auf die Witwenversorgung, die zumeist sehr viel besser ist als der Versorgungsaugleich im Falle einer Scheidung.

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