Morgenpost-Ratgeber

Recht: Muss ich für meinen Sohn Unterhalt zahlen?

Dem Sohn wurden Haus und eine Wohnung geschenkt. Seine Frau bekommt das vierte Kind. Muss die Großmutter dem Sohn Unterhalt zahlen?

Foto: Jens Wolf / dpa

Mein Sohn hat drei Kinder (drei Jahre und Zwillinge, fast zwei Jahre). Er verdient 1.700 €, seine Frau arbeitet nicht. Vor zehn Jahren haben sie von mir ein Haus, wo sie mietfrei wohnen, und eine Wohnung, die vermietet ist (Miete 400 €) als Geschenk bekommen. Meine Schwiegertochter ist erneut schwanger. Meine Frage: Reicht das Einkommen meines Sohnes plus Mieteinnahme/Kindergeld oder muss ich Unterhalt zahlen? Mein Einkommen: (Mieteinnahme/Rente) beträgt 2.100 € brutto.

Dr. Max Braeuer, Fachanwalt für Erb- und Familienrecht: Es kann vorkommen, dass eine Großmutter für ihre erwachsenen Kinder und für die Enkel Unterhalt zahlen muss, wenn sie sonst inNot geraten würden. In Ihrem Fall besteht kein Grund zur Sorge. Das Vermögen, dass Sie noch nicht an Ihre Kinder verschenkt haben und alle Ihre Einnahmen können Sie für sich behalten. Für die Frage, ob Sie Unterhalt zahlen müssen, muss jede einzelne Person gesondert betrachtet werden.

Verwandtschaftlich ist Ihnen Ihr Sohn am nächsten. Er könnte am ehesten eigene Unterhaltsansprüche gegenüber seiner Mutter haben. Dafür sind seine eigenen Einkommensverhältnisse aber zu günstig. Zusammen mit der Miete bezieht er Einkünfte von 2.100 € monatlich, so wie Sie auch. Außerdem wohnt er umsonst. Sein Mindestbedarf ist mit etwa 880 € monatlich anzunehmen. Da er diesen Betrag selbst verdient, sind Sie als seine Mutter zu Unterhalt nicht verpflichtet.

Ihre Besorgnis, Unterhalt zahlen zu müssen, beruht vermutlich auf der Überlegung, dass das Einkommen Ihres Sohnes für die sechsköpfige Familie nicht reichen könnte. Es ist richtig, dass die Lebensverhältnisse einer so großen Familie mit dem kleinen Einkommen sehr beengt sein würden. Sie sind als Mutter Ihres Sohnes aber nicht für seine sonstigen Verpflichtungen verantwortlich, sondern nur für seinen eigenen Bedarf. Was er für den eigenen Bedarf notwendig braucht, muss er auch nicht an seine Frau und seine Kinder abgeben, so dass daraus kein Unterhaltsanspruch gegenüber seiner Mutter entstehen kann.

Am ehesten bedürftig wird Ihre Schwiegertochter sein. Sie kann wegen der Geburt des vierten Kindes nicht erwerbstätig sein, und ihr Mann kann nur geringfügig zu ihrem Bedarf beitragen. Gegenüber Ihrer Schwiegertochter sind Sie nicht zu Unterhalt verpflichtet. Sie ist mit Ihnen nicht verwandt und hat deshalb keine Ansprüche.

Am ehesten fraglich ist, ob Sie etwas an Ihre Enkelkinder zahlen müssen. Die Enkelkinder sind mit Ihnen verwandt, sie sind Abkömmlinge. Die Verwandtschaft ist aber ferner liegend als die zu Ihrem Sohn. Die Unterhaltsansprüche der Enkel sind deshalb schwächer. In erster Linie müssen sie sich an die Eltern halten. Solange die Eltern für den Mindestbedarf ihrer Kinder sorgen können, ist die Großmutter außer Pflicht. Nur wenn die Eltern das nicht aufbringen können, kommt ein Rückgriff auf die Großmutter in Betracht.

Allerdings müssen beide Eltern zur Versorgung ihrer minderjährigen Kinder alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen. Der Vater müsste etwa neben seinem Beruf noch einen Zweitjob annehmen, um seine Kinder zu ernähren. Es ist unwahrscheinlich, dass die Großmutter noch in Anspruch genommen wird. Eine Unterhaltslast gegenüber den Enkelkindern wäre Ihnen nicht zuzumuten. Der Betrag, den Sie von Ihrem Einkommen selbst behalten dürfen, ist im Verhältnis zu Enkelkindern wesentlich höher als zu den eigenen Kindern. Mindestens 1.800 € monatlich müssen Ihnen bleiben. Da Sie der Familie aber schon erhebliche Geschenke für ihren Unterhalt gemacht haben, ist der Selbstbehalt vermutlich höher, so dass an Ihre Einkünfte niemand herangehen wird.

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