Morgenpost-Ratgeber

Wie kann ich sicherstellen, dass meine neue Partnerin und später meine Kinder das Haus erben?

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Damit es über das Erbe an einem selbst genutzten Haus keinen Streit gibt, ist vieles zu bedenken

Damit es über das Erbe an einem selbst genutzten Haus keinen Streit gibt, ist vieles zu bedenken

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Wer der Lebensgefährtin und erst danach den eigenen Kindern eine Immobilie vermachen möchte, muss mit erheblicher Erbschaftssteuer für alle Beteiligten rechnen.

ERBRECHT – Ich möchte in meinem Testament die Vererbung meines Hauses an meine Lebenspartnerin vorsehen. Sie wird in ihrem Testament dann meine zwei leiblichen Kinder und ihre zwei Kinder als Schlusserben einsetzen. Das Haus ist derzeit zu 80 Prozent mit einer Hypothek belastet. Was müssen wir bezüglich der Erbschaftssteuer beachten? Wird die Hypothek von der Berechnungsbasis der Erbschaftssteuer abgezogen? Müssen meine Kinder im Schlusserbfall auch Erbschaftsteuer zahlen?


Erbrechtsexperte Max Braeuer: Sie sprechen in Ihrer Frage von Ihrer Lebenspartnerin. Das lässt vermuten, dass Sie mit der Dame nicht verheiratet sind und dass jeder von Ihnen früher anderweitig verheiratet gewesen ist. Damit lässt sich Ihre letzte Frage nach dem optimalen Szenario leicht beantworten. Alle Probleme, die in Ihrem Fall auftreten können, entfallen, wenn Sie und Ihre Lebenspartnerin heiraten.

Sie erwarten offenbar, dass Sie früher sterben werden als Ihre Partnerin. Sie wollen erreichen, dass sie in diesem Falle Ihre Erbin wird und dass nach deren Tod alle vier Kinder gemeinsam erben. Diese Erbfolge können Sie allerdings durch Testament nicht sicher erreichen. Da Sie nicht verheiratet sind, können Sie mit Ihrer Partnerin kein gemeinschaftliches Testament errichten. Jeder von Ihnen muss ein eigenes Testament machen. Darin kann die Erbfolge so geregelt werden, wie Sie sich das vorstellen.

Unverheiratete sollten Erbvertrag machen

Anders als bei einem Ehegattentestament wird Ihre Partnerin, wenn sie Sie überlebt hat, an ihr eigenes Testament nicht gebunden sein. Sie kann es jederzeit ändern und etwa nur ihre beiden eigenen Kinder einsetzen. Die Kinder des verstorbenen Mannes gehen dann leer aus. Sie haben nicht einmal einen Pflichtteilsanspruch. Wenn Sie die Bindung Ihrer Partnerin auch nach Ihrem Tod erreichen wollen, dann bleibt nur der Gang zu einem Notar. Dort müsste ein Erbvertrag beurkundet werden. Nur durch den Erbvertrag kann erreicht werden, dass Ihre Partnerin nach Ihrem Tod das Testament nicht mehr ändert und etwa die eigenen Kinder bevorzugt.

Auch bei der Erbschaftssteuer macht es einen entscheidenden Unterschied, ob Sie verheiratet sind oder nicht. Zwischen Eheleuten gelten wesentlich günstigere Erbschaftsteuersätze als zwischen fremden Personen. Wenn Sie Ihrer Ehefrau das Haus vererben, in dem Sie bis dahin gemeinsam gewohnt haben, dann ist dieses Haus sogar ganz steuerfrei, gleichgültig welchen Wert es hat. Auf die Frage der Hypo­thekenbelastung kommt das für die Steuer in diesem Fall nicht an. Erbt die Partnerin hingegen, ohne dass sie mit Ihnen verheiratet war, ist alles zu versteuern, und es gelten die steuerlichen Freibeträge und Steuersätze, die für alle fremden Personen gelten. Die Freibeträge sind gering, und Ihre Partnerin wird erheblich Steuern zahlen müssen. Bei der Bewertung des Hauses wird dann die Hypothek abgezogen werden mit dem Betrag, der an Tage Ihres Todes noch offen ist.

Ungünstige Steuerklasse und geringer Freibetrag

Auch für Ihre Kinder ist es von erheblicher Bedeutung, ob Sie Ihre Partnerin geheiratet haben oder nicht. Ihre Kinder sollen von der Partnerin erben, wenn diese erst nach Ihnen verstirbt. Im Verhältnis zu Ihren Kindern ist die Partnerin ebenfalls eine fremde Person, so dass die Kinder die ungünstige Steuerklasse und einen geringen Freibetrag haben. Anders wenn Sie die Frau geheiratet haben. Die Kinder sind natürlich auch dann weiterhin nicht mit Ihrer Stiefmutter verwandt. Für die Erbschaftssteuer wird sie allerdings behandelt wie die leibliche Mutter, so dass jedes Kind im Erbfall einen Freibetrag von 400.000 Euro hat und auch nur den günstigeren Steuersatz zahlen muss.

Natürlich lässt sich die Erbfolge auch steuergünstiger gestalten, wenn Sie Ihre Partnerin nicht heiraten. In diesem Falle dürften Sie Ihre Partnerin allerdings nicht zur Erbin einsetzen, sondern die Kinder müssten das Haus gleich erben. Der Partnerin wäre dann nur ein Wohnrecht oder ein Nießbrauch auszusetzen.

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