Morgenpost-Ratgeber

Familienrecht: Müssen Großeltern Unterhalt zahlen?

Der Kindsvater geht nicht arbeiten und zahlt deshalb nicht. Unser Familienrechtsexperte erläutert, wann die Großeltern zahlen müssen

Sie haben einen guten Draht: Der Großvater spielt mit seinem kleinen Enkel

Sie haben einen guten Draht: Der Großvater spielt mit seinem kleinen Enkel

Foto: Media for Medical / picture alliance

Ich lebe mit meinen drei Kindern (10, 11, 15) alleine und bekomme keinen Unterhalt vom Vater der Kinder, da er nicht arbeitet. Ich verdiene etwa 1700 Euro netto. Habe ich einen Anspruch auf Großelternunterhalt von den Eltern des Kindesvaters oder muss mein Einkommen reichen, um den Bedarf meiner Kinder zu decken? Wenn ja, muss der Großvater den ganzen Unterhalt zahlen, oder nur einen Teil davon? Die Mutter des Vaters ist Rentnerin. Ihr Einkommen liegt unter ihrem Selbstbehalt. Meine Eltern leben nicht mehr.

Familienrechtsexperte Max Braeuer: Ihre Kinder haben einen Unterhaltsanspruch gegenüber allen Personen, mit denen sie in gerader Linie verwandt sind. Die Kinder können deshalb Unterhalt verlangen von beiden Eltern, von den Großeltern und notfalls auch von den Urgroßeltern. Allerdings muss zunächst einmal der nähere Verwandte herangezogen werden, also der Vater oder die Mutter. Die entfernteren Verwandten, also die Großeltern, kommen nur ersatzweise für den Unterhalt in Betracht, wenn die Eltern nicht leistungsfähig sind. Danach ist es durchaus denkbar, dass der Großvater, also der Vater des Erzeugers Ihrer Kinder, zum Unterhalt herangezogen wird. Auf die Höhe Ihres eigenen Einkommens, kommt es dabei nicht an.

„Die Betreuung ist Ihr Anteil am Unterhalt“

Sie müssen von Ihrem Einkommen für die Kinder nichts aufwenden, denn Sie leisten Ihren Unterhalt bereits auf andere Weise. Sie betreuen die Kinder und versorgen sie. Die Betreuung ist Ihr Anteil am Unterhalt der Kinder. Für den Bargeldbedarf der Kinder muss der andere Elternteil aufkommen. Das ist deren Vater. An seiner Stelle sind dessen Eltern nur dann verpflichtet, wenn der Vater wirklich nicht in der Lage ist, Unterhalt zu zahlen. Dass er nicht arbeiten geht, reicht dafür nicht aus. Gegenüber seinen minderjährigen Kindern ist er gesetzlich verpflichtet, Geld zu verdienen, um ihnen Unterhalt zu zahlen. Wenn er das nicht macht, obwohl er arbeiten könnte, macht er sich sogar strafbar. In einem solchen Falle können Sie sich nicht ersatzweise an den Großvater wenden. Die Großeltern sind für den Unterhalt nur dann zuständig, wenn der Vater kein Geld verdient und auch keine Möglichkeit hat, erwerbstätig zu werden.

Die richtige Unterhaltspflicht wird anteilig errechnet

Von den Großeltern Kindesunterhalt zu verlangen, ist zumeist deshalb schwierig, weil ein Kind vier Großeltern hat und jeder Großelternteil nur für seinen Anteil aufkommen muss. Diese Anteile sind auch nicht bei allen vier Großeltern gleich, so dass es in der Regel sehr schwierig ist, die richtige Unterhaltspflicht eines Großelternteils, den man in Anspruch nehmen möchte, auszurechnen. In Ihrem Falle wird es diese Schwierigkeit aber nicht geben. Ihre Kinder haben nur noch zwei Großeltern, weil die anderen beiden Großeltern verstorben sind und es in dieser Linie sicher auch keine Urgroßeltern gibt. In diesem Falle müssen die Eltern des Vaters den Kindesunterhalt alleine decken. Wenn die Großmutter kein Einkommen hat, wird der Großvater anstelle seines Sohnes den ganzen Kindesunterhalt zu bezahlen haben

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