Morgenpost-Ratgeber

Familienrecht: Kann ich das Haus auch alleine verkaufen?

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Ein Paar interessiert sich für den Kauf eines Hauses

Ein Paar interessiert sich für den Kauf eines Hauses

Foto: Getty Images

Ehepaare, die keinen Ehevertrag abgeschlossen haben, leben in einer Zugewinngemeinschaft. Diese wird erst bei einer Scheidung wichtig.

Ich habe vor Jahren ein Haus mit Grundstück gekauft, eine Anzahlung geleistet und stehe allein im Grundbuch. Noch im selben Jahr heirateten mein heutiger Mann und ich und leben bis zum heutigen Tage im Stand der Ehegemeinschaft. Vor sieben Jahren verkauften wir das Haus, bezahlten die noch offenen Kreditschulden und kauften vom restlichen Geld wieder ein Haus mit Grundstück. Ich stehe allein mit dieser Immobilie im Grundbuch. Da unsere Ehe inzwischen auf sehr „wackligen Beinen“ steht, habe ich zwei Fragen: Kann ich das Haus mit Grundstück verkaufen, ohne meinen Mann zu fragen? Und muss ich bei einem Verkauf den Erlös mit meinem Mann teilen, obwohl ich allein im Grundbuch stehe und das erste Haus mit in die Ehe gebracht habe?

Erbrechtsexperte Max Braeuer: Was Sie in Ihrer Anfrage als „Ehegemeinschaft“ bezeichnen, ist der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das ist der Güterstand, in dem alle Ehepaare in Deutschland leben, solange sie keinen Ehevertrag abgeschlossen haben. Der Begriff der Zugewinngemeinschaft ist etwas irreführend. Gemeinschaftliches Vermögen haben die Eheleute dadurch nämlich nicht. Solange Sie verheiratet sind, haben Sie und Ihr Mann getrenntes Vermögen. Erst bei einer Scheidung findet der Zugewinnausgleich statt.

Während der Ehe ist der Grundbucheintrag maßgeblich

Das bedeutet für Ihr Haus, dass die Eintragung im Grundbuch maßgeblich ist. Sie sind dort als Alleineigentümerin eingetragen, also gehört das Haus Ihnen auch allein. Sie entscheiden alleine darüber, ob es verkauft wird oder nicht. Dabei spielt es keine Rolle, dass Sie das jetzige Haus nicht schon mit in die Ehe gebracht, sondern während der Ehe gekauft haben. Es spielt auch keine Rolle, dass Sie die Finanzierung gemeinsam mit Ihrem Mann unterschrieben haben.

Allerdings gibt es beim Verkauf des Hauses doch eine Einschränkung. Wenn das Haus Ihr einziger Vermögensgegenstand ist oder Sie daneben nur noch wenig weiteres Vermögen haben, dann dürfen Sie das Haus nicht verkaufen, ohne dass Ihr Mann zugestimmt hat. Ihr Mann hat dadurch zwar keine Eigentumsrechte an dem Haus. Er kann aber seine Zustimmung zum Verkauf verweigern.

Ein Ausgleichsanspruch wird erst bei Scheidung berechnet

Tut er das, dann können Sie dazu einen Antrag beim Familiengericht stellen, wodurch die Genehmigung Ihres Mannes voraussichtlich ersetzt werden wird. Wenn es zum Verkauf des Hauses kommt, müssen Sie den Erlös mit Sicherheit nicht mit Ihrem Mann teilen. So wie Ihnen das Haus jetzt alleine gehört, steht Ihnen beim Verkauf auch der Kaufpreis alleine zu.

Was Sie mit dem Kaufpreis machen, entscheiden Sie auch allein. Einen Ausgleichsanspruch hat Ihr Mann allenfalls dann, wenn die Ehe eines Tages geschieden werden sollte. Dann muss der Zugewinn berechnet und ausgeglichen werden. In die Berechnung fließt aber das ganze Vermögen ein, nicht nur das Haus oder der Kaufpreis. Beim Zugewinn wird vor allem von Bedeutung sein, wieviel Vermögen Sie schon in die Ehe mitgebracht haben. Das alles spielt aber, solange es ein Scheidungsverfahren nicht gibt, noch keine Rolle.

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