Premiere

Prunkvoll in die Pampa – Rolls-Royce stellt SUV vor

Mit dem Rolls-Royce über holprige Pisten – das macht der Cullinan nun möglich. Die Nobelmarke bringt einen bulligen Geländewagen raus.

Rolls-Royce hat sein erstes SUV vorgestellt.

Rolls-Royce hat sein erstes SUV vorgestellt.

Foto: -- / Werk

Westhampnett.  Sie steht vor den teuersten Hotels der Welt, vor den schillerndsten Opernhäusern, den ehrwürdigsten Theatern und vor den reichsten Palästen, doch bald wird man sie auch in der Wildnis sehen: Die Spirit of Ecstasy, die berühmteste Kühlerfigur der Welt, steigt von ihren elitären Luxuslimousinen herab und macht sich demnächst auf dem imposanten Grill des Cullinan ihre zarten Füße schmutzig.

Denn als einer der letzten Luxushersteller beugt sich nun auch Rolls-Royce dem Diktat der Mode und baut nach über 100 Jahren das mittlerweile offenbar unvermeidliche SUV.

Bruch eines letzten Tabus

„Das wird eine der wichtigsten Neuheiten dieses Jahres und vielleicht der am sehnlichsten erwartete Rolls-Royce aller Zeiten“, sagt Markenchef Torsten Müller-Ötvös. „Denn seit Jahren werden wir von unseren Kunden nach einem Auto gefragt, mit dem man wie schon mit den Rolls-Royce aus den Kindertagen der Marke mühelos überall hinkommt“, rechtfertigt er den Bruch mit dem letzten Tabu in der Modellplanung.

Der nach dem größten jemals gefunden Diamanten benannte Rolls-Royce Cullinan ist natürlich kein gewöhnlicher Geländewagen: Wo Bentley für seinen Bentayga den Audi Q7 einfach nur neu eingekleidete, hat die BMW-Tochter eben keinen X7 in einen Smoking gesteckt, sondern das Auto mit der typischen britischen Verschrobenheit neu entwickelt.

Natürlich sind die vier Türen gegenläufig angeschlagen

Deshalb trägt der gut fünf Meter lange Cullinan nicht nur den charakteristischen Kühlergrill mit der Präsenz eines griechischen Tempels, sondern natürlich sind die vier Türen wie bei Phantom & Co. gegenläufig angeschlagen. Und um sich gar vollends von der Konkurrenz abzusetzen, haben die Briten dem dicken Brocken noch ein kleines Stufenheck geschneidert.

Das ist zwar nicht ganz so konsequent und augenfällig wie bei der gerade präsentierten Maybach-Studie aus Peking, dafür aber in ein paar Wochen in Serie und nicht auf ein chancenloses Einzelstück beschränkt.

Innen ­Lederausstattung samt vertrauten Polstersessel

Während der Cullinan außen ziemlich überraschend wirkt, dürfte sich die Hautevolee innen gewohnt geborgen fühlen. Denn es gibt in der für die Marke üblichen ­Lederausstattung die sattsam vertrauten Polstersessel und die riesige Chaiselonge für die zweite Reihe. Nur wenn man hinter den Wagen tritt, sieht man etwas Neues.

Zum ersten Mal in der Firmengeschichte hat Rolls-Royce eine echte Heckklappe konstruiert und sich ernsthaft Gedanken über den Laderaum gemacht: 555 Liter fasst der Kofferraum hinter einem elektrischen Raumteiler; wenn man die noch nie dagewesene Gepäckraumabdeckung entfernt, sind es 600 Liter, und wenn man die – Achtung, ebenfalls eine Premiere – Rückbank umlegt, gehen 1930 Liter hinter die elektrische Klappe. Dann bietet der Cullinan mehr Platz als ein Volvo V90 oder das T-Modell der Mercedes E-Klasse, rühmen sich die Briten.

Offiziell gibt es noch keine Preis für das neue Modell

Die technische Basis für den Cullinan bildet die „Architecture of Luxury“, die Rolls-Royce im letzten Jahr mit dem neuen Phantom eingeführt hat. Von ihm übernimmt das SUV auch die Allradlenkung und vor allem den opulenten V12-Motor mit seinen sündigen 6,75 Litern Hubraum, der bei 571 PS und 850 Nm allemal genügend Kraft für den gut und gern 2,5 Tonnen schweren Koloss haben wird.

Zumal es Rolls-Royce traditionell ja nie um das höchste Tempo, sondern um den maximalen Komfort geht: „Wie auf dem fliegenden Teppich“ lautet das Motto der Entwickler, und zwar nicht nur auf der Straße, sondern, einer Luftfederung und einem speziellen Wankausgleich sei Dank, auch über Stock und Stein.

Wie viel soll er kosten?

Offiziell gibt es für den Cullinan noch keinen Preis. Doch Rolls-Royce wäre nicht Rolls-Royce, wenn die Briten sich nicht an Bentley Bentayga und Lamborghini Urus orientierten – und deren Preise stolz um ein stattliches Sümmchen übertreffen würden.

Unter 300.000 Euro dürfte also zumindest am Anfang nichts gehen für ein Auto, das die Briten selbstbewusst das praktischste, familienfreundlichste und am besten zu fahrende Luxus-SUV am Markt nennen. Schließlich sollen sich der Bruch des Tabus und die schmut­zigen Füße der Spirit Of Ecstasy wenigstens lohnen.

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