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RS-Virus: So gefährlich ist eine Infektion für Kleinkinder

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Viele Kleinkinder erkranken derzeit am RS-Virus. Der Erreger ist besonders gefährlich im ersten Lebensjahr. Alle Fragen und Antworten.

Berlin. Derzeit stecken sich viele Kinder mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV, an. Die Atemwegsinfektion kann als milde Erkältung verlaufen, aber auch im Krankenhaus enden. Die Kinderkliniken in Deutschland melden sehr viele schwere Krankheitsverläufe und warnen vor einem Zusammenbruch der Versorgung. Was macht eine RSV-Infektion für Kleinkinder so gefährlich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist das RS-Virus für ein Virus?

„Das Respiratorische Synzytial-Virus ist ein Virus aus der Familie der Pneumoviridae“, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Das bedeutet, dass die Vermehrung des Virus in den Schleimhäuten der Atemwege stattfindet. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen.

Wie häufig kommt RSV vor?

Das RS-Virus ist ein weltweit verbreiteter Erreger und löst akute Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege aus. Betroffen sind Menschen in jedem Lebensalter. „RS-Viren sind einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere bei Frühgeborenen und Kleinkindern“, so das RKI.

Innerhalb des ersten Lebensjahres haben 50 bis 70 Prozent und bis zum Ende des zweiten Lebensjahres nahezu alle Kinder mindestens eine Infektion mit RSV durchgemacht. Nach aktuellen Schätzungen verlaufen 5,6 Fälle pro 1000 Kindern im ersten Lebensjahr schwer.

Schwere, mit Krankenhausaufenthalt verbundene RSV-bedingte Erkrankungen bei Kindern betreffen etwa doppelt so oft Jungen wie Mädchen. RS-Viren kommen meist ähnlich saisonal vor wie Grippe-Viren, also etwa von November bis April.

Wie sind die Symptome?

Asymptomatisch, einfacher Atemwegsinfekt, schwere, beatmungspflichtige Erkrankung der unteren Atemwege: Das Spektrum der Symptome einer RSV-Infektion ist breit. „Fieber ist häufig, wobei von seiner Höhe und Dauer nicht die Krankheitsschwere ableitbar ist“, so das RKI.

Im Krankheitsverlauf werden den Angaben zufolge meist zuerst Symptome einer Erkrankung der oberen Atemwege – Schnupfen, trockener Husten – beobachtet, die innerhalb von ein bis drei Tagen zu Symptomen unterer Atemwegserkrankungen fortschreiten können. Eine RSV-Infektion kann auch zu einer Lungenentzündung und zu einer Entzündung der kleinen Bronchien führen, teilt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit.

Bei Erwachsenen sind RSV-Infektionen vermutlich unterdiagnostiziert, weil sie oft asymptomatisch oder als unkomplizierte Infektion der oberen Atemwege verlaufen. Zu einer ausgeprägten grippeähnlichen Symptomatik mit Müdigkeit, Schnupfen, Husten und eventuell einer Bronchitis kommt es laut RKI insbesondere bei Erwachsenen, die engen Kontakt zu RSV-infizierten Kleinkindern haben.

Welche Alarmzeichen sollten Eltern kennen?

„Wenn ein kleines Kind offensichtlich Schwierigkeiten beim Atmen hat, schnell atmet und insbesondere beim Ausatmen giemende Atemgeräusche hat, sind das Alarmsignale“, sagt der Kinderarzt Ulrich Fegeler vom BVKJ. Giemen heißt: Beim Atmen zeigt sich ein pfeifendes, knisterndes oder zischendes Geräusch. Neben Fieber und Husten ist laut dem Kinderarzt ein weiteres Anzeichen, wenn das Kind müder wirkt, als man es sonst kennt.

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Auch Probleme beim Füttern sollten Eltern ernstnehmen. So kann es laut RKI sein, dass das Kind Nahrung oder Trinken verweigert oder erbricht. All diese Anzeichen sind Anlass genug, sie vom Kinderarzt oder der Kinderärztin oder gegebenenfalls auch in der Notfallambulanz abklären zu lassen, so der BVKJ.

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit, also die Zeit, die zwischen Ansteckung und Auftreten von Symptomen vergeht, beträgt zwei bis acht Tage.

Wie lang sind Betroffene infektiös?

„RSV-infizierte Personen können schon einen Tag nach der Ansteckung und noch vor Beginn der Symptome infektiös sein. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt in der Regel drei bis acht Tage und klingt bei immunkompetenten Patienten meist innerhalb einer Woche ab“, so das RKI. Frühgeborene, Neugeborene oder immungeschwächte Patienten können das Virus über mehrere Wochen, im Einzelfall über Monate ausscheiden.

Wie wird eine RSV-Infektion behandelt?

Eine wirksame Behandlung der Ursachen der RSV-Infektion gibt es nicht. Die Therapie ist symptomatisch. Erkrankte sollten viel trinken und die Nase freihalten, etwa mit Spray oder Tropfen, so das RKI.

Je nach Krankheitsverlauf kann das Geben von Sauerstoff oder sogar eine Beatmung erforderlich werden. Als antivirale Therapie steht den Angaben zufolge nur die kaum noch durchgeführte inhalative Ribavirin-Behandlung zur Verfügung. Eine Gabe von Antibiotika hilft nicht. Sie beeinflusst weder den klinischen Verlauf einer Virusinfektion noch die Dauer der Ansteckungsfähigkeit.

Gibt auf eine vorbeugende Hilfe?

Seit 1998 gibt es für Hochrisiko-Kinder, bei denen RSV-Infektionen tödlich verlaufen können, eine Immunprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern. „Diese ist gut wirksam, muss aber alle vier Wochen verabreicht werden und steht nur für einem kleinen Teil der gefährdeten Säuglinge zur Verfügung“, sagt Prof. Markus Rose, Ärztlicher Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie am Olgahospital, dem Kinderkrankenhaus des Klinikums Stuttgart. RSV-Aktivimpfungen bei jungen Säuglingen waren bisher nur schwach wirksam und wurden teilweise auch schlecht vertragen.

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Der US-Pharmakonzern Pfizer hat zuletzt einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffs vermeldet. Eine Studie mit rund 7400 Schwangeren in 18 Ländern hat den Angaben zufolge gezeigt, dass die Impfung von werdenden Müttern schwere RSV-Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen in den ersten 90 Lebenstagen zu etwa 82 Prozent verhindern konnte. Im Alter von sechs Monaten habe sich der Impfstoff zu 69 Prozent gegen schwere Verläufe wirksam gezeigt.

Bei der nun entwickelten RSV-Impfung erhielten Frauen während des späten zweiten bis dritten Drittels ihrer Schwangerschaft eine Einzeldosis. Bei einer während der Schwangerschaft verabreichten Impfung handelt es sich um eine maternale Immunisierung: Die durch den Impfstoff erzeugten Antikörper werden im Mutterleib und später über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben. Der Impfstoff könnte zunächst in den USA zugelassen werden. (kai/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.