Gesundheit

RSV-Infektion: Das sind die typischen Symptome bei Kindern

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Katharina Thümler

Foto: Tom Merton/iStockphoto / iStockphoto

Als Grippe getarnt, trifft die RSV-Infektion besonders Kinder. Kinderarztpraxen sind überlaufen. Das sind die Risiken und Symptome.

Berlin. Grippe und viele weitere Infektionen haben derzeit Hochkonjunktur. So auch die Infektion mit dem Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Ihr Anteil an den weltweiten Atemwegserkrankungen wurde lange unterschätzt und trifft besonders Kleinkinder und Säuglinge. Diese Symptome treten auf.

RSV-Infektion: Kinder besonders häufig infiziert

Das RSV, auch als RS-Virus bekannt, ist weltweit verbreitet und betrifft die oberen und unteren Atmenwege. Sie kann bei Menschen jeder Altersgruppe auftreten, besonders häufig jedoch bei Säuglingen und Kleinkindern. Übertragen wird das Virus über Tröpfchen.

Die RSV-Infektionen kommen in Mitteleuropa – wie auch die Grippe – vermehrt zwischen November und April vor. Die RSV-Inzidenz kann für Deutschland bislang nicht ermittelt werden, da es keine bundesweite Meldepflicht gibt, wie das RKI auf Anfrage bestätigt.

Im ersten Lebensjahr haben laut dem Robert Koch-Institut (RKI) 50 bis 70 Prozent der Kinder mindestens einmal eine RSV-Infektion durchgemacht und nach dem zweiten Lebensjahr beinahe alle.

Während die erste Infektion bei Kleinkindern meistens schwerer als eine Grippe verläuft, zeigen sich bei Erwachsenen meistens keine oder milde Symptome. Fieber und andere grippeähnliche Symptome treten hauptsächlich bei Erwachsenen auf, die mit RSV-infizierten Kindern Kontakt hatten.

RSV: Erneute Infektionen verlaufen weitestgehend folgenlos

Eine lebenslange Immunität wird durch eine Infektion nicht hergestellt. Aber "weitere Infektionen bleiben dank des Immunschutzes weitestgehend folgenlos", schreibt die RKI-Pressestelle auf Anfrage dieser Redaktion. Die Sterblichkeit liege bei Kindern ohne Vorerkrankungen bei 0,2 Prozent und bei Frühgeborenen bei 1,2 Prozent.

In den ersten vier bis sechs Lebenswochen können Kinder durch die von der Plazenta abgegebenen Antikörper geschützt sein. Frühgeborene können hingegen weniger Antikörper aufnehmen und bereits in den ersten Wochen (schwer) erkranken, schreibt das RKI auf seiner Webseite.

Infektionen mit dem RSV treten bei beiden Geschlechtern gleichermaßen auf, allerdings sind Jungen doppelt so oft von schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt betroffen.

RSV-Infektion: Das sind die Symptome

Eine RSV-Infektion tritt mit grippeähnlichen Symptomen (Influenza like illness (ILI)) auf, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert wurden.

Diese sind:

  • Erhöhte Temperatur bzw. Fieber von 38 Grad oder mehr
  • Husten
  • mit einer Dauer von 10 Tagen

Die Symptome können je nach Patient verschieden stark ausgeprägt sein: "Von einer einfachen Atemwegsinfektion bis zu einer schweren beatmungspflichtigen Erkrankung der unteren Atemwege", schreibt das RKI. Die Erkrankung könne auch asymptomatisch verlaufen.

Die Erkrankung dauert 3 bis 12 Tage, wobei der Husten durchaus über vier Wochen anhalten kann.

RS-Viren: Infektion der oberen und unteren Atemwege

Eine Infektion der oberen Atemwege zeigt sich als Schnupfen oder trockener Husten. Die Infektion kann nach wenigen Tagen zu den unteren Atemwegen führen und einen stärkeren Husten oder sogar Kurzatmigkeit oder Atemnot (Dyspnoe) verursachen.

Sie kann eine beschleunigte Atmung und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme (etwa Erbrechen und Trinkverweigerung) auslösen.

Das sind die Warnsignale für Eltern

Bei der Atmung können teilweise knisternde und giemende Geräusche wahrgenommen werden. Sie klingen trocken, pfeifend oder melodisch und sollten Eltern alarmieren. Im Falle einer Verengung der Atemwege und schlecht belüfteter Lungenregionen wird in manchen Fällen eine Beatmung notwendig.

Frühgeborene sind bei einer RSV-Infektion häufig von wiederkehrenden Atempausen (rezidivierenden Apnoen) betroffen. Die erste Infektion verläuft dabei für gewöhnlich schwerer als die folgenden.

Eine RSV-Infektion hat laut der Studie von 2019 nur bei Säuglingen unter einem Jahr sowie bei Kindern zwischen zwei und vier Jahren einen erheblichen Einfluss auf die Anzahl von ärztlich betreuten Atemwegsinfektionen. Im Median betrug die Anzahl der RSV-Infektionen auf alle betreuten Atemwegsinfektionen bei Kindern zwischen 0 und 1 7,5 Prozent und zwischen 2 und 4 Jahren 6,5 Prozent.

Dabei verläuft die RSV-Infektion laut der Studie bei Kindern unter einem Jahr schwerer als eine Influenza-Infektion.

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Ansteckung und Risikopatienten

Personen die sich mit dem RS-Virus infiziert haben, können bereits einen Tag vor den Symptomen ansteckend sein. Für gewöhnlich endet die Ansteckungsfähigkeit nach drei bis acht Tagen. Bei Frühgeborenen, Neugeborenen, immundefizienten oder immunsupprimierten Patienten kann die Ansteckungsfähigkeit mehrere Wochen oder in wenigen Fällen sogar Monate andauern.

Personen, die häufiger an einer schweren RSV-Infektion leiden, sind Frühgeborene, Kinder und Erwachsene mit Vorerkrankungen der Lunge oder Herzfehlern, die zu einer verstärkten Durchblutung der Lunge führen.

Besonders gefährdet sind Menschen mit Organtransplantaten und generell immunsupprimierte Personen. RSV ist zudem einer der wichtigsten Erreger von nosokomialen Infektionen (Infektionen, die im Krankenhaus oder in der Arztpraxis übertragen werden) und von Lungenentzündungen.

RS-Virus: Wann kommt es zur stationären Behandlung?

Die Infektion kann die Bronchiolen befallen und die Atmung erschweren und im schlimmsten Fall sogar aussetzen. Die Betroffenen brauchen dann oftmals mehr Sauerstoff und werden mit Inhalation behandelt.

In besonders schweren Fällen wird´ eine maschinelle Beatmung notwendig. Bei einer RSV-bedingten Bronchiolitiden wird der Patient deshalb stationär aufgenommen und beobachtet. Damit der Patient keine weiteren Patienten angesteckt, wird er für eine Woche im Krankenhaus isoliert. (kthm)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.