Kartenzahlung

Giro- und Debitkarte: Unterschiede und neue Funktionen

| Lesedauer: 6 Minuten
Hans Peter Seitel
Mit Debitkarten kann man nicht nur im Geschäft einkaufen. Sie eignen sich auch für das Online-Shopping.

Mit Debitkarten kann man nicht nur im Geschäft einkaufen. Sie eignen sich auch für das Online-Shopping.

Foto: istock

Die Debitkarte löst bei Banken die Girokarte ab. Was sie kann und warum sie nicht mit einer Kreditkarte verwechselt werden sollte.

Berlin.  Mit einer neuartigen Variante bringen Banken derzeit Bewegung in den Markt der Bezahlkarten: Die sogenannten Debitkarten kommen von Mastercard oder von Visa, den beiden bekannten Kreditkartengesellschaften. Es wird deshalb auch von „Debit-Kreditkarten“ gesprochen. Der Begriff ist zweideutig und dürfte Kundinnen und Kunden verwirren.

Hauptvorteil des neuen Kartentyps ist, dass der Verbraucher ihn – außer zum Geldabheben und zum Bezahlen im Geschäft – auch fürs Online-Shopping verwenden kann. Die Namen Mastercard und Visa auf den Plastikkarten bürgen zudem für hohe Akzeptanz im Ausland. Aber Vorsicht: Kredit bekommen Kunden mit der Karte nicht.

Die Stiftung Warentest stellte in ihrem jüngsten Girokontenvergleich fest, dass immer mehr Banken die neuen Debit-Kreditkarten anbieten. Die Institute geben die Karte meist noch zusätzlich zur üblichen Girocard (früher EC-Karte) aus, teils aber auch schon als Ersatz. „Die Kunden sollten sich immer fragen, welche Art von Karte ist das eigentlich, die sie von der Bank bekommen, das wird jetzt noch wichtiger durch die neue Debitkarte“, sagt Heike Nicodemus, Projektleiterin bei der Stiftung Warentest.

Unterschiede Giro-, Kredit- und Debitkarte

Debit ist ein anderes Wort für Lastschrift. Das bedeutet, dass das Girokonto unmittelbar nach dem Karteneinsatz mit dem getätigten Umsatz belastet wird. Das ist so wie bei der Girocard, die ebenfalls eine Debitkarte ist. Bei einer „klassischen“ beziehungsweise „richtigen“ Kreditkarte räumt die Bank dem Kunden hingegen einen Verfügungsrahmen ein und zieht das Geld erst zeitversetzt zum Monatsende ein. Der Fachbegriff dafür lautet „Charge“-Kreditkarte.

„Die neue Debitkarte hat den Vorteil, dass der Kunde durch die sofortige Belastung des Kontos eine bessere Kostenkontrolle hat, er weiß immer, wie er finanziell steht“, sagt David Riechmann, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Er sieht aber auch eine Gefahr bei mangelnder Zahlungsfähigkeit: „Bekommt der Kunde die Karte ohne zusätzliche Bonitätsprüfung ausgestellt, kann die bequeme Zahlungsweise dazu führen, dass er seine finanziellen Möglichkeiten überschätzt.“

Online-Shopping mit Debitkarte

Laut Stiftung Warentest funktioniert das Online-Shopping mit den neuen Karten wie mit einer richtigen Kreditkarte: Der Käufer gibt die Kartendaten ein und bestätigt die Überweisung mit den gewohnten Sicherheitsverfahren, also etwa „Verified by Visa“ oder „Mastercard Identity Check“.

Tipp: Die 16-stellige Kartennummer steht bei den neuen Karten nicht immer wie gewohnt auf der Vorderseite, sondern häufig auf der Rückseite. Bei der Visa-Debitkarte des Anbieters Comdirect sind die 16 Ziffern auf der Rückseite sogar in vier untereinanderstehende Blöcke mit je vier Ziffern aufgeteilt. Auf die Debit-Kreditkarten sind außerdem die dreistellige Prüfziffer, das Ablaufdatum und das Wort „Debit“ aufgedruckt.

Was kostet die Debitkarte?

Anders als für Charge-Kreditkarten verlangen die Banken für die neuen Debitkarten in der Regel entweder keine oder nur eine geringe Jahresgebühr, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat. Es gibt aber Ausnahmen. So kostet die Karte bei der BBBank 18 Euro im Jahr. Dafür kann die Karte 36-mal pro Jahr zum Geldabheben genommen werden, jede weitere Verfügung kostet 1,50 Euro.

Die Comdirect verlangt keine Jahresgebühr für ihre Visa-Debitkarte. Pro Monat sind drei Abhebungen am Automaten kostenfrei. Ab der vierten Transaktion sind 4,90 Euro fällig – so viel wie ab der ersten Abhebung mit der echten Kreditkarte.

ING, DKB und Co. –viele Banken haben Debitkarte

Außer bei der BBBank und der Comdirect gibt es Debit-Kreditkarten – zu unterschiedlichen Konditionen – beispielsweise bei der Commerzbank, Consorsbank, Deutschen Bank, DKB, Fidorbank, ING, Klarna Bank, Netbank, Norisbank, N26 und Volksbank Braunschweig-Wolfsburg. Bei einigen der Institute trägt die Karte den Namen DirectCard. Wichtig ist, sich das Preisverzeichnis nicht nur für die Debit-Kreditkarte, sondern auch für die anderen Karten im Portfolio der jeweiligen Bank anzusehen.

Beispiel DKB: Die Bank hat vor wenigen Tagen angekündigt, die – gebührenfreie – Visa-Debitkarte zur Hauptkarte zu machen. Neukunden, die eine Girocard haben möchten, müssen sie für knapp ein Euro dazubuchen. Für eine „richtige“ Visa-Kreditkarte zahlen Neu- und Bestandskunden künftig rund 2,50 Euro pro Monat.

Brauche ich eine Debitkarte?

Wer seine Charge-Kreditkarte bisher allein für den Online-Einkauf nutzte, kann überlegen, sie zu kündigen, wenn ihm seine Bank eine neue Debit-Kreditkarte unentgeltlich oder preisgünstiger zur Verfügung stellt. Die Verbraucherzentrale rät jedoch zur Vorsicht. „Im Alltag zu Hause dürften die Girocard und die Debit-Kreditkarte für die meisten Kunden ausreichend sein, aber im Urlaub kann es zu Problemen kommen“, sagt Verbraucherschützer Riechmann.

Insbesondere beim Buchen eines Mietwagens oder einer Unterkunft sieht er Besitzer nur einer Debitkarte im Nachteil. „Die Karte wird zur Hinterlegung einer Kaution nicht akzeptiert werden, dafür benötigt man eine richtige Kreditkarte“, erläutert der Experte. Bei einem Aufenthalt im Ausland könne man sich mit einer „richtigen“ Karte ebenfalls sicherer sein, dass sie akzeptiert wird. „Allein auf die Debitkarte würde ich mich dort nicht verlassen“, so Riechmann.

Revolving- und Prepaidkarten

Neben den Charge- und Debit-Kreditkarten bieten die Banken noch zwei weitere Varianten an. Sogenannte Revolving-Kreditkarten erlauben dem Kunden eine Teilzahlung. Der Kartenanbieter bucht immer nur einen bestimmten Prozentsatz des Kartenumsatzes aus dem Vormonat oder eine fixe Summe vom Konto ab.

Der Rest läuft als Kredit weiter – bei hoher Zinsbelastung von jährlich 12 bis 20 Prozent, wie die Stiftung Warentest ermittelte. Problematisch: Die Teilzahlung ist oft voreingestellt und manche Kunden bemerken die hohen Zinsen nicht gleich.

Prepaid-Kreditkarten werden mit Guthaben aufgeladen. Der Kunde kann nur so viel Geld ausgeben, wie er zuvor eingezahlt hat. Der Vorteil: Eine Bonitätsprüfung entfällt. Damit ist die Prepaid-Kreditkarte auch für Minderjährige geeignet, etwa beim Schüleraustausch im Ausland.