Gesellschaftsspiele

Zum Messestart: Das sind die neuen Spielehits des Jahres

| Lesedauer: 6 Minuten
Tanja Liebmann
Französin besitzt 16.000 Gesellschaftsspiele

Französin besitzt 16.000 Gesellschaftsspiele

Brigitte Thomas hat ein skurriles Hobby: Sie kauft gebrauchte Gesellschaftsspiele, bessert sie aus und verkauft sie anschließend im Internet. Die Geschäfte laufen derzeit wegen der Vorweihnachstzeit und der Pandemie sehr gut.

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Die weltgrößte Spielemesse findet wieder in Essen statt. Welche Spiele könnten sich zum Hit entwickeln? Wir geben einen Überblick.

Essen. 718 Millionen Euro haben die Deutschen 2020 für Brett- und Kartenspiele sowie Puzzles ausgegeben. So viel wie nie. Nun bekommen die Fans neues „Futter“. Ab Donnerstag (14. Oktober) präsentieren rund 600 Aussteller aus 42 Nationen bei der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele in Essen ihre Neuheiten. Ein Überblick:

Für Strategen

Bei „Die Rote Kathedrale“ führen viele Wege zum Sieg – mit schönem Spielmaterial und einem originellen Würfelmechanismus. Zentral ist ein Rondell, auf dem die Würfel liegen. Zeigt ein Würfel etwa die Zahl Drei, kann dieser drei Bereiche vorwärtswandern. Liegt dort bereits ein Würfel, bekommt man die dort gezeigte Ressource doppelt.

Fraglich ist: Welchen Würfel bewegen, wo an der Kathedrale die Ressourcen verbauen und lohnt es sich, Geld für Vorteilsplättchen auszugeben? Immer wieder gilt es schwierige Entscheidungen zu treffen und darauf zu hoffen, dass gerade dann, wenn man dran ist, die Würfel strategisch geschickt liegen.

  • Fazit: Ein herausforderndes Spiel für clevere Baumeister. Sehr gelungen!
  • >> Die Rote Kathedrale von Israel Cendrero und Sheila Santos, erschienen bei Kosmos. 1 bis 4 Spieler, ab 12 Jahren, ca. 60 Minuten, ca. 30 Euro.

Für Spieleeinsteiger

„Go away monster!“ ist ein prima Einsteigerspiel für Kleinkinder. Wer mitmacht, bekommt einen Spielplan, der ein Zimmer mit leeren Stellen zeigt – zum Beispiel für ein Bett, ein Bild oder eine Nachttischlampe. Gefüllt werden können die Stellen mit Papp-Teilen, die es aus einem Stoffbeutel zu ziehen gilt.

Kniffelig ist, dass sich in dem Beutel auch Monster verstecken, die eine ähnliche Form wie die gesuchten Gegenstände haben. Lustig ist zwar, dass gezogene Papp-Monster quer durch den Raum geworfen werden dürfen. Sieger wird allerdings, wer sein Zimmer möglichst schnell bestückt – in einer Variante sogar mit Teilen gleicher Farbe.

  • Fazit: Kinder können hier ganz viel lernen – etwa feinmotorisches Geschick sowie die Zuordnung von Gegenständen und Farben.
  • >> Go away monster! Gamewright, erschienen bei HUCH. 2 bis 4 Spieler, ab 3 Jahren, ca. 15 Minuten, ca. 20 Euro.

Für Tüftler

Wohin platziere ich das nächste Plättchen? Wie schaffe ich möglichst große Tierherden, die genügend Wasser und ausreichend Abstand zu Waldbränden haben? Diese Fragen sind bei dem Spiel „Savannah Park“ bedeutsam. Habe ich zum Beispiel acht Zebraplättchen um zwei Wasserstellen gruppiert, ergibt das 16 Punkte – acht mal zwei. Ist die Herde nah am Feuer, kann es sein, dass Tiere verbrannt und die Punkte weniger werden.

Kompliziert ist, dass die Spieler den gleichen Plättchensatz bekommen und abwechselnd bestimmen, welches Plättchen gesetzt werden soll. Hinzu kommt, dass der Platz auf dem Plan begrenzt und das Optimum schwer zu erreichen ist.

  • Fazit: Ein reizvolles Familienspiel mit einfachen Regeln und mehreren Varianten.
  • >> Savannah Park von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, erschienen bei Deep Print Games/Pegasus. 1 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 30 Minuten, ca. 30 Euro.

Für Zeichenfreunde

Finde und verbinde: Ganz nach diesem Motto geht es bei „Imagenius“ darum, durch genaues Hinschauen und Vorstellungsvermögen die meisten Punkte einzufahren. Wer mitmacht, bekommt ein Tableau mit bunten, zauberhaften Dingen. Diese lassen sich mit einem abwischbaren Stift so verbinden oder einkreisen, dass man einen Gegenstand erkennen kann – etwa ein Auto. Welche Zauberdinge es zu finden gilt, geben Karten vor. Und wer seine Zeichnung richtig errät, bekommt Punkte. Kniffelig ist, dass das Ganze auf Zeit geht und diejenigen, die die meisten Punkte kassieren, in der nächsten Runde mit der Rückseite des Tableaus spielen müssen – und dort werden die Zauberdinge in Schwarz-Weiß gezeigt.

  • Fazit: Fordernd, lustig, spannend.
  • >> Imagenius von Olivier Mahy, erschienen bei Blam!/Piatnik. 2 bis vier Spieler ab 7, 20 Minuten, ca. 26 Euro.

Für Kombinierer

„Echoes“ ist eine neue Rätselreihe, bei der es darauf ankommt, genau hinzuhören. Hauptelement des Spiels sind verschiedene Objekte, gezeigt auf sechs dicken Papptafeln und 18 Karten. Wichtig in der Vorbereitung ist es, sich die kostenlose App zum Spiel herunterzuladen, um via Karten-Scan die Audiosequenzen zu den jeweiligen Objekten anhören zu können.

Gemeinsam als Team versuchen die Spieler durch konzentriertes Zuhören und schlaues Kombinieren die Karten und Audiosequenzen – etwa knirschende Schritte im Kies, Schallplattenmusik und Stimmen – in eine sinnvolle zeitliche Reihenfolge zu bringen, um dann weitere Hinweise zu erhalten.

  • Fazit: Mal was ganz anderes und hochwertig produziert. Hinhörenswert!
  • >> Echoes – Die Tänzerin von Dave Neale und Matthew Dunstan, erschienen bei Ravensburger. 1 bis 6 Spieler, ab 14 Jahren, ca. 60 Minuten, ca. 10 Euro.

Für Glückspilze

Wer schafft es zuerst, eine Reihe aus acht Karten auf nur eine Karte zu verkürzen? Um diese Frage geht es bei dem Spiel „Fröschis“. Am Ende jeder Runde dürfen diejenigen Spieler, die ihre Karten sortiert haben, in die nächste Runde mit einer Karte weniger starten.

Zentrales Element des Spiels ist es, eine offen oder verdeckt gezogene Karte – etwa eine Drei – an die entsprechende Position der eigenen Kartenreihe zu setzen. Die verdeckt liegende Karte darf gesichtet und ebenfalls platziert werden. Karten, die Frösche zeigen, kommen als Joker an beliebig freie Stellen. Karten mit Abfall müssen als Nieten auf den offenen Ablagestapel.

  • Fazit: Ein kurzweiliges Spiel für Glückspilze – nicht nur im Kindergartenalter.
  • >> Fröschis von Haim Shafir, erschienen bei Amigo. 2 bis 4 Spieler, ab 5 Jahren, ca. 20 Minuten, ca. 8 Euro.