Gaming

Fifa 22 im Test: Spitzen-Optik nur auf neuen Konsolen

| Lesedauer: 5 Minuten
Maik Henschke
Hauptberuf Playstation spielen: FIFA-Profi Elias Nerlich

Hauptberuf Playstation spielen: FIFA-Profi Elias Nerlich

Den ganzen Tag zu Hause sitzen, zocken und Süßkram futtern? Von Wegen! Das Leben eines eSportlers ist harte Arbeit, lohnt sich aber für manche: Die Besten der Besten bekommen einen Vertrag bei einem Profi-Verein, hohe Preisgelder und viele Fans.

Beschreibung anzeigen

In Fifa 22 setzt die weltweit erfolgreichste Fußballsimulation auf mehr Realismus. Was ist neu und für wen lohnt sich die Neuauflage?

Berlin. Wer bei Tippspielen den FC Bayern als Deutschen Meister tippt, kann nur auf mickrigen Gewinn hoffen. Genauso niedrig dürfte die Quote bei der Voraussage liegen, welcher Spieletitel das Jahr über am häufigsten verkauft werden wird: Fifa heißt der Titelverteidiger und Fifa 22 ist erneut der Favorit. Seit Freitag ist der neueste Serienableger der Fußballsimulation für Konsolen und PC regulär erhältlich.

Und pünktlich zum Anstoß stellt sich die jährliche Frage: Spürt man am Controller vor dem Bildschirm echten Fortschritt – oder kickt man angesichts der je nach Plattform rund 60 bis 75 Euro Kaufpreis lieber noch ein Jahr mit dem Vorgänger?

Fifa 22 im Test: Wie spielt sich die Konsolenversion dieses Jahr?

Damit Fans der Serie am Ball bleiben, hat Entwickler Electronic Arts (EA) zwei Dinge besonders vorangetrieben:

Das Spielerlebnis am Controller – im Test auf einer Playstation 5 – geht spürbar weg vom actionreichen Gekicke hin zu einer Prise mehr Realismus auf dem Rasen. Das Spieltempo nimmt etwas ab, neue Fähigkeiten sind auch bei Routiniers gefragt.

Heißt etwa: Laufpässe zum schnellen Starstürmer oder mit bloßem Sprinten den Abwehrspieler überlaufen: Das gelingt kaum noch. Zudem parieren die Torhüter selbst gut platzierte Schüsse häufiger. Auch Keeper unterhalb der Weltklasse wirken insgesamt deutlich stärker. Aber solche Feinheiten in der Balance bessert EA gern noch nach dem Verkaufsstart mit Updates in der Spielmechanik nach.

Zum Torerfolg führen dieses Jahr eher durchdachte Passkombinationen bis zum Strafraum. Selbst Erfahrene müssen ihren Spielstil anpassen und am Anfang selbst ein paar Stunden auf den Trainingsplatz, bis alle Tastenkombinationen sitzen. Spielerwechsel lassen sich etwa mit dem rechten Stick jetzt genauer steuern, neue Dribblings und Varianten beim Antritt sind ebenfalls verfügbar – man muss nur wissen wie.

Hypermotion-Technologie: Fifa 22 verstärkt Zweiklassen-Gesellschaft

Die zweite größere Neuerung betrifft die grafische Darstellung – wenn auch nicht für alle Spielerinnen und Spieler gleichermaßen:

Der Hersteller selbst lenkt bei Fifa 22 sein Flutlicht auf die neue sogenannte Hypermotion-Technologie. Dafür sind erstmals zwei komplette menschliche Teams beim Spiel gegeneinander mittels Körpersensoren erfasst worden. Ihre Bewegungen wurden dank maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz in realistische Spielerbewegungen am Bildschirm umgewandelt.

Die Unterschiede sieht man: Dribblings und Ballannahmen wirken glaubhafter, Fouls und Flugeinlagen ebenso. Gesichter und Haare sind zumindest bei prominenten virtuellen Kickern nochmals bis ins Detail lebensechter animiert.

Das große Aber: All das genießt man nur, wenn man Fifa 22 auf einer aktuellen Playstation 5 oder Xbox Series X/S sowie auf der Streamingplattform Google Stadia spielen kann. Besitzer älterer Konsolen und PC-Spieler erleben die wichtigste Neuerung nicht.

Und das, wo die neuen Konsolen selbst für Kaufwillige immer noch schwer im Handel zu bekommen sind. Bis zum Weihnachtsgeschäft könnte sich die Lage entspannt haben. Und es ist grundsätzlich zu befürworten, dass Hersteller die Next-Gen-Konsolen ausreizen. Aber bis dahin warten einige Konsolenspieler vielleicht noch ab.

Enormer Umfang bleibt – kleine Neuerungen sorgen für Abwechslung

Und sonst? Die Menüs sind aufgeräumter, Statistiken und Analysen nach Spielen detaillierter, Karriere-Spieler können nun wie zuletzt vor wenigen Jahren wieder einen eigenen Verein ins Leben rufen und komplett vom Trikot bis zum Stadion individuell gestalten und seine Neugründung zum Erfolg führen.

Der Kleinfeld-Modus Volta wird um spaßige Mini-Spielchen wie Fußball-Tennis oder Völkerball erweitert. Volta bleibt somit eine willkommen Zwischendurch-Abwechslung, wobei der Story-Modus aus dem Vorgänger ersatzlos gestrichen wurde. Bis auf eine nett gemachte Einführung mit kurzer Story beim ersten Spielstart scheint dieses Kapitel für EA abgeschlossen.

Der wohl beliebteste Modus Fifa Ultimate Team (FUT), bei dem man nach dem Sammelkarten-Prinzip sein Team verstärkt, erhält kleine Neuerungen, funktioniert aber weiterhin nach dem für den Hersteller lukrativen Prinzip: Wer am meisten investiert, gewinnt. Für Spieler bedeutet das: Entweder viel Zeit und Tauschgeschick mitbringen – oder echtes Geld für die Abkürzung zum Erfolg.

Für wen lohnt sich Fifa 22 schon jetzt?

Die TV-reife Präsentation bleibt dank üppigem Lizenzpaket weiter konkurrenzlos. Neben den neuen Trikots und frischen Team-Kadern kommen neue Stadien dazu, darunter die Bielefelder Alm. In der Bundesliga sind somit 16 von 18 Stadien originalgetreu enthalten.

Auch interessant:E-Sport – Warum die Branche in Deutschland weiter boomt

Fazit: EAs neuester Streich wird weiter die Gemüter spalten: Je nachdem, welchen Modus man bevorzugt und worauf man Wert legt, werden Spielerinnen und Spieler vom neuen Teil angetan oder enttäuscht sein. Die Änderungen beim Gameplay gehen in die richtige Richtung. Auch Routiniers werden neu gefordert. Wer eine Konsole der neuesten Generation besitzt oder sich mehr Realismus wünscht, sollte bei Fifa 22 zugreifen.