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Fünf Olivenöle im Test: Dieses Marken-Öl ist mangelhaft

| Lesedauer: 6 Minuten
Jan Bruns
Olivenöle im großen Test // IMTEST

Olivenöle im großen Test // IMTEST

Seit über 8000 Jahren wird Olivenöl gewonnen. Aber wann ist ein Olivenöl „gut“? Und wie gut ist „gut genug“? Bei Rewe, Aldi & Co. kostet ein Liter „nur“ etwa 5 bis 10 Euro. Aber ist das Öl deswegen schlecht? IMTEST, das Verbrauchermagazin der Funke Mediengruppe, hat fünf Olivenöle ins Labor geschickt, die in fast jedem Supermarkt- und Discounterregal stehen.

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Das Olivenöl aus dem Supermarkt oder Discounter kostet pro Liter 5 bis 10 Euro. Doch gerade eines der teureren Öle fiel im Test durch.

Berlin. 
  • Nicht jedes Olivenöl ist gleich ein gutes Olivenöl
  • Auch in unserem Test überzeugten längst nicht alle Olivenöle
  • Wir zeigen, welcher Supermarkt das beste Olivenöl im Angebot hat

Seit über 8000 Jahren wird Olivenöl gewonnen und ist auch in Deutschlands Küchen kaum noch wegzudenken. Zugegeben: Das liegt auch daran, dass sich die mediterrane Lebensart hierzulande großer Beliebtheit erfreut, und dort kommt das Öl ursprünglich her. Ob Spaghetti, Caprese oder Bruschetta – ohne gutes Olivenöl sind Spezialitäten wie diese nicht vorstellbar. Aber wann ist ein Olivenöl „gut“? Und wie gut ist „gut genug“?

Beim Einkauf im Supermarkt trifft man nur selten auf die absoluten Spitzenerzeugnisse, die 30 Euro pro Liter oder mehr kosten. Bei Rewe, Aldi und Co. kostet ein Liter „nur“ etwa 5 bis 10 Euro. Aber ist das Öl deswegen schlecht? IMTEST, das Verbrauchermagazin der FUNKE Mediengruppe, hat fünf Olivenöle ins Labor geschickt, die in fast jedem Supermarkt- und Discounterregal stehen. Ein Markenprodukt fiel dabei durch. Lesen Sie hier: Jedes zweite Olivenöl verunreinigt.

Olivenöl schmeckt vielfältig: Fruchtig, bitter oder scharf

Wer selbst schon einmal verschiedene Olivenölsorten pur probiert hat, weiß: Die geschmacklichen Unterschiede können enorm sein. Experten unterscheiden bei der aromatischen Einschätzung zwischen den Zuschreibungen „fruchtig“, „bitter“ und „scharf“.

Die normierte Grundlage für eine solche Einschätzung ist die sogenannte NIR-Analytik, eine labortechnische Methodik, die ähnliche Resultate hervorbringt wie eine Verköstigung durch Experten, die sogenannte sensorische Prüfung. Zusätzlich wurde im Laufe der Forschung ein Parameter namens „Harmonie“ entwickelt, der die aromatische Güte von Olivenöl quasi auf den Punkt bringt.

Olivenöl-Test vom Experten

IMTEST hat das Labor Maxfry des Olivenöl-Experten Christian Gertz in Hagen mit der Untersuchung der Testkandidaten beauftragt. Neben der Aromaprüfung standen weitere Analysen auf dem Programm, etwa um festzustellen, ob das Öl verfälscht, also mit anderen Ölen vermischt, oder für die Bezeichnung „Extra nativ“ unzulässigerweise erhitzt wurde.

Zudem können die Experten in Hagen feststellen, ob die auf der Flasche deklarierte Herkunft wirklich stimmt, also ob das italienische Olivenöl auch aus italienischen Oliven hergestellt wurde. Zusätzlich wurde auch der Anteil an Fettsäuren ermittelt, um sie mit den Angaben auf dem Etikett abzugleichen.

Viele Öle sind nur maximales Mittelmaß

Wer als interessierter Laie eine spontane Qualitätseinschätzung von Olivenöl aus dem Supermarkt oder vom Discounter wagen soll, erwartet vermutlich eine Platzierung im Mittelfeld. Die IMTEST-Prüfung konnte diese Einschätzung weitestgehend bestätigen: Keiner der Testkandidaten war aus der Perspektive eines anspruchsvollen Olivenöl-Gourmets herausragend, und nur bei zwei Kandidaten lautete das Urteil am Ende „gut“.

Überraschend dürfte für einige sein, dass ausgerechnet die beiden Eigenmarken von Edeka und Rewe dieses Urteil erhielten. Das Standard-Öl von Aldi, aber auch das bekannte Öl von Bertolli konnten da nicht ganz mithalten.

Ein Olivenöl ist ein Totalausfall – dieses Mal

Das Olivenöl von Livio konnte im Test gar nicht überzeugen und wurde auf die Endnote „mangelhaft“ abgewertet, weil es im Labor nicht als „Natives Olivenöl Extra“ klassifiziert werden konnte – entgegen der Bezeichnung auf der Flasche. Der neutrale Fachausdruck für den Totalausfall bei Livio nennt sich „sensorischer Defekt“.

Übersetzt bedeutet das hier: Das Livio-Öl ist alt und schmeckt tendenziell muffig bis ranzig. Insgesamt wurde festgestellt, dass das Öl der untersuchten Charge eine Mischung aus den Ernten 2019/20 und 2020/21 war und dass bei der Herstellung zumindest teilweise offensichtlich gefrorene Oliven verwendet wurden. Darüber hinaus stellten die Experten fest, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verfälschung – also die Beimischung anderer Öle – bei 98 Prozent liegt.

Damit hat sich zumindest die von IMTEST untersuchte Charge des aktuellen Livio-Öls als Totalausfall entpuppt. Da Oliven jedes Jahr neu geerntet und zu Öl verarbeitet werden, könnte das Ergebnis nächstes Jahr auch für Livio ganz anders aussehen. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Praxis der Beimischung anderer Öle sowie der Rückgriff auf (gefrorene) Oliven alter Ernten bei Livio eine Ausnahme darstellt – und nicht etwa die Regel.

Fazit des Tests

Olivenöl vom Supermarkt ist in der Regel ein guter Standard – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Eigenmarke von Edeka überraschte mit guten Ergebnissen vor allem bei der sensorischen Prüfung, dicht gefolgt von Rewes Hausmarke. Das Olivenöl von Aldi konnte diese Werte zwar nicht erreichen, schaffte aber noch den Preis-Leistungs-Sieg. Das Öl von Livio erhielt die Note „mangelhaft“.

Die Olivenöle im Überblick

1. Platz: Natives Olivenöl Extra – Edeka / Siegel: IMTEST Testsieger Ausgabe 9-2021

  • Preis pro Liter: 9,98 Euro
  • Herkunft: Italien
  • Die Eigenmarke von Edeka besticht durch ausgewogene Harmonie und Fruchtigkeit. Im Labor keine Hinweise auf Fremdbeimischungen.
  • + Ausgewogne Harmonie, sehr fruchtig, keine Beimischungen.
  • - relativ hoher Fettsäureanteil, vergleichsweise teuer.
  • Ergebnis: gut 2,4

2. Platz: Nat. Olivenöl Extra – REWE Beste Wahl

  • Preis pro Liter: 7,98 Euro
  • Herkunft: Italien
  • Die Beste Wahl von Rewe ist ein gutes, harmonisches und fruchtiges Öl zu einem günstigen Preis.
  • + Harmonisch, intensiv fruchtig, keine Beimischungen.
  • - keine Detailinfos zur Fettsäureverteilung auf dem Etikett.
  • Ergebnis: gut 2,5

3. Platz: Natives Olivenöl Extra – Cantinelle / Siegel: IMTEST Preis-/Leistungssieger Ausgabe 9-2021

  • Preis pro Liter: 5,32 Euro
  • Herkunft: Europäische Union
  • Günstiges Olivenöl mit durchschnittlicher Harmonie und leichter Fruchtigkeit, Anzeichen von Beimischungen gibt es nicht.
  • + Noch ausgeglichenes Aroma bei mittlerer Fruchtigkeit.
  • - Fettsäureanteile sind zum Teil höher als angegeben.
  • Ergebnis: befriedigend 2,6

4. Platz: Natives Olivenöl Extra – Bertolli

  • Preis pro Liter: 10,98 Euro
  • Herkunft: Europäische Union
  • Die Harmonie stimmt – trotz leichter Unausgewogenheit des Aromaprofils und erhöhter Wahrscheinlichkeit sensorischer Defekte.
  • + Durchschnittlich harmonisches Aroma, keine Beimischungen.
  • - Etwas erhöhte Wahrscheinlichkeit sensorischer Defekte.
  • Ergebnis: befriedigend 2,7

5. Platz: Natives Olivenöl Extra - Livio

  • Preis pro Liter: 10,78 Euro
  • Herkunft: Griechenland
  • Beim Livio-Öl traten sensorische Defekte auf, durch Fremdeinmischungen und Verwendung älterer und tiefgefrorener Oliven.
  • + Aufgrund der Laborergebnisse keine Klassifizierung möglich.
  • - Sensorischer Defekte, keine Harmonie, abgewertet.
  • Ergebnis: mangelhaft 5,0