Jury-Preis

Spiel des Jahres: Die sechs Nominierten im Kurz-Check

| Lesedauer: 7 Minuten
Tanja Liebmann
"Speedy Roll" ist das Kinderspiel des Jahres 2020

Speedy Roll ist das Kinderspiel des Jahres 2020

Das Spiel setzte sich gegen "Foto Fish" und "Wir sind die Roboter" durch. Der Jury gefiel besonders die Geschichte und die verwendeten Materialien.

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Welche Brett- oder Kartenspiele werden Spiel und Kennerspiel des Jahres 2021? Eine Fachjury wählt heute - aus diesen sechs Titeln.

Berlin. Die Jury des Vereins „Spiel des Jahres“ hat sich mal wieder durch eine Flut an Spielen gearbeitet und sich nach zahlreichen Testrunden auf einige wenige Perlen beschränkt. Am heutigen Montag um 10.30 Uhr fällt nun die Entscheidung - sie wird live auf dem Youtube-Kanal des Vereins verkündet. Diese Titel haben Chancen auf die begehrten Preise in zwei Kategorien.

„Spiel des Jahres“: 3 Favoriten im Kurz-Check

Für Erkundungsfreudige: Bei „Die Abenteuer des Robin Hood“ gibt es keine vorgegebenen Wege. Die Spieler können ihre Figuren frei bewegen. Was sich beim Wenden der in den Spielplan eingelassenen Plättchen ändert? Antworten liefert ein Buch, das durch das kooperative Spiel führt, Ziele vorgibt und Regeln erklärt. Um zu gewinnen, gilt es, unter anderem Glück beim Ziehen von Gegenständen aus einem Beutel zu haben.

Wichtig ist es aber auch, sich gut untereinander abzusprechen. Scheitern die Spieler, wird die Partie wiederholt. Zum Teil gilt es, dann andere Abschnitte vorzulesen. So entsteht eine fortlaufende Geschichte – spannend und voller ungeahnter Möglichkeiten und Gefahren. Fazit: Fesselnd, intensiv und faszinierend.

Für Detektive: „MicroMacro: Crime City“ ist eine Neuheit, bei der man gute Augen braucht. Tatsächlich geht es nämlich darum, auf einem riesigen Wimmelbild-Stadtplan bestimmte Personen und Dinge zu finden. Da das Gesuchte an verschiedenen Stellen auftaucht, lassen sich gewisse Vorgänge in eine zeitliche Reihenfolge bringen.

Wo war Person X, bevor sie die Wurst gegessen hat? Wieso liegt sie kurz danach auf dem Boden? Frage um Frage – vorgegeben auf Karten – versuchen die Spieler, gemeinsam verschiedene Kriminalfälle zu lösen. Kommen sie nicht weiter, finden sich auf den Rückseiten der Karten Hinweise. Auch eine Lupe kann dabei helfen, den Verbrechen in der Stadt nachzuspüren. Fazit: Innovativ und originell. Und es gibt weder Gewinner noch Verlierer.

„MicroMacro: Crime City“ von Johannes Sich, erschienen bei Edition Spielwiese/Pegasus Spiele. 1 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 30 Min., ca. 25 Euro.

Für Zombie-Jäger: Was steckt in den nächsten Umschlägen? Ändern sich die Regeln? Und kommen vielleicht neue Karten oder Figuren hinzu? Keine Frage: „Zombie Teenz Evolution“ macht neugierig und reizt zu immer weiteren Partien. Da es sich um ein Team- und Entwicklungsspiel handelt, sind Absprachen wichtig. Wer macht welche Aktionen in welcher Reihenfolge? Wie können es die Spieler gemeinsam schaffen, die lustig illustrierten Gruselgestalten aus der Stadt zu vertreiben?

Während es im Vorgängerspiel „Zombie Kidz Evolution“ darum ging, die vier Eingänge der Schule zu verriegeln, gilt es jetzt, vier Kisten in die Schule zu bringen. Wenn es gelingt, kommen neue Sticker ins Regelheft – und ein Comic wird fortgesetzt. Fazit: Überraschend, cool und spannend.

„Zombie Teenz Evolution“ von Annick Lobet, erschienen bei Le Scorpion masqué/Asmodee. 2 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren, ca. 20 Minuten, ca. 25 Euro.

„Kennerspiel des Jahres“: Die 3 Nominierten im Überblick

Für Taktiker: „Die verlorenen Ruinen von Arnak“ bietet ein Füllhorn an Möglichkeiten. Viele Wege führen zum Sieg. Nutze ich meine Karten, Figuren und Ressourcen zum Beispiel dazu, um mein Kartendeck wertvoller zu machen, zu forschen oder neue Orte zu entdecken? Wer Aktionen geschickt aneinanderreiht, kann tolle Kettenreaktionen nutzen und mehrere Ziele in nur einer Runde schaffen. Da sich durch das Tun der Mitspieler die Gegebenheiten ändern, sind flexible Entscheidungen und der stete Blick auf die Gesamtsituation sinnvoll – vor allem, je mehr Spieler mitmachen. Fazit: Reizvoll, packend, hochwertig ausgestattet.

„Die verlorenen Ruinen von Arnak“ von Michaela „Mín“ Štachová und ­Michal „Elwen“ Štach, erschienen bei Czech Games Edition/HeidelBÄR Games. 1 bis 4 Spieler, ab 12 Jahren, ca. 30 Minuten, ca. 60 Euro.

Für Optimierer: Wer schafft die beste Kombination aus sieben oder acht Karten? Um diese Frage geht es bei „Fantastische Reiche“, einem Spiel mit einfachen Regeln und 53 Karten. Diese haben einen Basiswert, je nach Kartenkombination können aber auch Boni abgegriffen werden oder Strafen und Blockaden drohen. Da anfangs Karten ausgeteilt beziehungsweise gezogen werden, ist nichts planbar.

Das liegt auch an der Auslage, die sich mal mehr und mal weniger vorteilhaft präsentieren kann. Fraglich ist: Wer schafft es, mit Glück, Flexibilität und taktischen Tauschaktionen am besten seine Kartenhand zu optimieren? Fazit: Das Zusammenstellen der Karten mit Blick auf den Punkterekord macht süchtig, und eine kostenlose App erleichtert die Endabrechnung. Klasse!

„Fantastische Reiche“ von Bruce Glassco, erschienen bei Strohmann Games. 2 bis 6 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 20 Minuten, ca. 20 Euro.

Für Teamspieler: ­„Paleo“ ist ein Teamspiel par excellence. Nur gemeinsam sind die Spieler stark. Nur durch das Zusammenziehen der Fähigkeiten ihrer Menschen wird es ihnen gelingen, Tiere erfolgreich anzugreifen, Nahrung zu besorgen und eine Höhlenmalerei zu vollenden, bevor der fünfte Totenkopfschädel aufs Tableau kommt. Die Herausforderung ist groß, Niederlagen sind gängig, und erst mit der Zeit werden die Absprachen effizienter. Doch Achtung: Obwohl die Karten auf ihrer Rückseite grob anzeigen, welche Aktionen damit möglich sind, warten auf die Spieler immer wieder Überraschungen. Fazit: Unvorhersehbar, mitreißend und mit steigendem Schwierigkeitsgrad spielbar. Das Gruppengefühl ist erstklassig.

„Paleo“ von Peter Rustemeyer, erschienen bei Hans im Glück/Asmodee. 2 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren, ca. 45 Minuten, ca. 45 Euro.

Für Kleine: Das ist das Kinderspiel des Jahres 2021

Der Preis in der Kategorie ­„Kinderspiel des Jahres“ ist von der Jury bereits Mitte Juni verliehen worden: Gewonnen hat das bei Pegasus Spiele erschienene Spiel „Dragomino“ von Bruno ­Cathala sowie Marie und Wilfried Fort. Es ist geeignet für Kinder ab 5 Jahren und kostet im Handel etwa 25 Euro.

Dabei müssen 2 bis 4 Spieler Dominoplättchen so aneinanderlegen, dass eine zusammenhängende Landschaft entsteht. Zur Belohnung gibt es Eier, in denen sich Drachenbabys oder auch Nieten verstecken können. Fazit: Ein Glücksspiel, bei dem es turbulent zugehen kann. Der Wiederholungsreiz ist enorm.

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(fmg/dpa)