Corona-Pandemie

Report: Heimbewohner während der Pandemie schlecht versorgt

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Pflegefall – Wichtige Fakten für Angehörige und Betroffene

Pflegefall – Wichtige Fakten für Angehörige und Betroffene

Viele Familien trifft es unvorbereitet, wenn auf einmal Angehörige pflegebedürftig werden. Antworten auf die wichtigsten Fragen, die im Pflegefall auf Angehörige und Betroffene zukommen.

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Ein Charité-Report zeigt: Während der ersten Corona-Welle hatten viele Ärzte nur eingeschränkten oder keinen Zugang zu Pflegeheimen.

Berlin. Die erste und zweite Pandemiewelle hat vor allem die Alten in Pflegeeinrichtungen getroffen. Monatelang lebten sie zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus abgeschottet von Angehörigen und Außenwelt.

Das hatte nicht nur Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Menschen – auch die Versorgung der hochbetagten Heimbewohner hat darunter gelitten, wie ein aktueller Report des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Berliner Charité zeigt.

Ärzte hatten in vielen Heimen keinen Zugang

So hatten etwa Fach- und Hausärzte, Therapeutinnen oder Logopäden in vielen Einrichtungen keinen Zugang oder nur in Notfällen. „Die Folgen dieser Situation sind heute noch gar nicht abzusehen“, sagt Institutsdirektorin und Studienleiterin Adelheid Kuhlmey.

Für den Report hatten die Forscherinnen und Forscher mehr als 1000 Fragebögen ausgewertet, die von Heimleitungen zwischen November 2020 und Februar 2021 ausgefüllt worden waren. Betrachtet wurde die erste Pandemiewelle zwischen März und Juni 2020.

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Defizite bei der Versorgung durch Fachärzte

Es zeigte sich, dass es in jedem fünften Pflegeheim mit mindestens einem Covid-19-Fall Defizite bei der Versorgung durch Hausärzte gab. Traten in Einrichtungen mehr als 20 Corona-Fälle auf, war sogar jedes dritte Heim von einem Defizit betroffen.

Noch schlechter sah es bei der fachärztlichen Versorgung aus: In mehr als 30 Prozent der Pflegeheime mit mindestens einem Covid-19-Fall gab es ein Versorgungsdefizit. Selbst ohne Corona-Fall wurde in mehr als einem Viertel der Heime der Zugang für Fachärzte beschränkt.

Für Psychotherapeutinnen und -therapeuten galten sogar in deutlich mehr als der Hälfte der Einrichtungen Zugangsbeschränkungen, in rund 20 Prozent der Heime war ihnen der Zutritt komplett verwehrt. In einigen wenigen Heimen hatten auch Sterbebegleiter keinen Zugang.

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In der Corona-Krise wird bekanntes Problem sichtbar

Laut Studienleiterin Kuhlmey wird hier ein längst bekanntes Pro­blem deutlich sichtbar: „Seit vielen Jahren wird die haus- vor allem aber fachärztliche Versorgung in den Heimen kritisiert.“

Die fehlende medizinische Expertise vor Ort führe dann nicht selten zu Einweisungen in Krankenhäuser oder dem Besuch der Notfallambulanzen. „Diese ärztliche Unterversorgung wird nun in der Corona-Krise besonders virulent“, so Kuhlmey.

Der Report ist Teil des Projekts „Covid-Heim“, das sich mehreren Themen rund um die Heimsituation während der Pandemie widmet. (lary)