Corona-Impfung

Biontech und Co.: Wie viel Abstand bis zur zweiten Impfung?

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Stärkere Nebenwirkungen nach zweiter Impfung mit Moderna und Biontech

Stärkere Nebenwirkungen nach zweiter Impfung mit Moderna und Biontech

Bei mRNA-Impfstoffen fällt die Impfreaktion nach der zweiten Impfung meist stärker aus. Bei Astrazeneca ist es umgekehrt. Forschende haben nun eine mögliche Erklärung dafür gefunden.

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Zwischen der ersten und der zweiten mRNA-Impfung von Biontech und Moderna sollen künftig sechs Wochen liegen. Welche Folgen hat das?

Berlin. 
  • Bei den mRNA-Impfstoffen Biontech und Moderna sind zwei Dosen für den vollen Impfschutz nötig
  • Bei diesen Corona-Vakzinen ist der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis geringer als bei Astrazeneca
  • Aber wie lang sollte der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung sein?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, den Impfabstand bei mRNA-Impfstoffe auszureizen und die Zweitimpfung künftig immer erst nach sechs Wochen zu spritzen. Zwei Wochen nach der Impfung ist dann der volle Impfschutz gegeben. Das geht aus ihrer neuen Covid-19-Impfempfehlung hervor. Diese hat das unabhängige Expertengremium nun zum vierten Mal aktualisiert und einen entsprechenden Entwurf vorgelegt.

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Darin heißt es: „Unter Berücksichtigung der Zulassungen und der vorliegenden Wirksamkeitsdaten empfiehlt die Stiko für die mRNA-Impfstoffe einen Abstand zwischen den beiden Impfungen von 6 Wochen“.

Der Grund: Dadurch sei sowohl eine sehr gute individuelle Schutzwirkung als auch ein größerer Effekt der Impfung auf Bevölkerungsebene zu erzielen. Im Klartext: Dehnt man den Abstand zwischen den Impfungen aus, können mit den zur Verfügung stehenden Dosen kurzfristig mehr Menschen geimpft und schon mit der ersten Spritze effektiv vor Ansteckung sowie vor schweren Corona-Verläufen geschützt werden. Lesen Sie hier: So viel beträgt der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung bei Astrazeneca.

Corona: Bislang zwei mRNA-Impfstoffe ín Deutschland zugelassen

In Deutschland sind bislang zwei mRNA-Impfstoffe zugelassen – die Mittel von Biontech und Moderna, Curevac soll bald folgen. Bislang wurde die zweite Dosis des Impfstoffs Comirnaty von Biontech/Pfizer in einem Zeitfenster von drei bis sechs Wochen nach der ersten Dosis gespritzt, beim Impfstoff Covid-19 Vaccine Moderna waren es vier bis sechs Wochen. Die Stiko passt ihre Empfehlung jedoch an, sobald dies wegen neuer Erkenntnisse aus ihrer Sicht sinnvoll erscheint.

Dies gilt auch bezüglich neuer Impfstoffe und Indikationsgruppen. So rücken in der angepassten vierten COVID-19-Impfempfehlung des Expertengremiums dialysepflichtige chronisch Nierenkranke in der Impfpriorisierung eine Stufe vor. Auch der neue Vektorimpfstoff Janssen von Johnson und Johnson wurde in die Liste der empfohlenen Impfstoffe mit aufgenommen, die Empfehlungen zu Astrazeneca angepasst. Lesen Sie dazu: Alle wichtigen Informationen zur Astrazeneca-Impfung

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Lauterbach: Kurswechsel brächte 60 Millionen Erstgeimpfte bis Juli

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte indes sogar einen Kurswechsel in der Corona-Impfstrategie hin zu möglichst vielen kurzfristigen Erstimpfungen. Er empfiehlt den Abstand zur Zweitimpfung bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna nicht nur auf sechs Wochen zu dehnen, sondern auf zwölf Wochen zu verlängern.

Mehr zum Thema: Corona-Impfung mit Astrazeneca – Welcher Abstand zur Zweitimpfung ist richtig?

Durch diese Verlängerung könnten bis Juli über 60 Millionen Menschen in Deutschland erstgeimpft und so gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt sein, sagte er Anfang April der „Augsburger Allgemeinen“. „Wenn wir jetzt unsere Strategie wechseln und auf möglichst viele Erstimpfungen ausrichten, wird kein vierter Lockdown mehr nötig sein.“ Lesen Sie hier: Corona-Impfung beim Hausarzt starten - Alles zu Anmeldung und Reihenfolge

Lauterbach verwies auf Erfahrungen aus Großbritannien sowie Modellrechnungen unter seiner Beteiligung, wonach so „weit über 10.000“ Todesfälle verhindert werden könnten. „Studienergebnisse aus Australien weisen darauf hin, dass der Schutz der mRNA-Impfstoffe auch zwischen der sechsten und der zwölften Woche nach der Impfung so stark ausgeprägt ist, dass bei einer Corona-Infektion das Risiko schwerer Verläufe mit Klinikaufenthalten oder tödlichem Ausgang extrem gering ist.“ Lesen Sie hier: Biontech, Moderna, Astrazeneca: Die Impfstoffe im Vergleich

Die Stiko schließt sich der Forderung Lauterbachs, den Impfabstand weiter zu strecken, bewusst nicht an. Auf Anfrage des Tagesspiegels hat sich das das Expertengremium klar positioniert. Die Stiko beziehe sich „explizit“ auf die von der Zulassung der Impfstoffe abgedeckten Zeiträume, so eine RKI-Sprecherin.

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(aknv/dpa)