Gesundheit

Vollnarkose: Worte wirken bei Operation wie Medizin

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Geräusche und Gespräche aus dem Operationssaal dringen ins Unterbewusstsein der Patienten ein.

Geräusche und Gespräche aus dem Operationssaal dringen ins Unterbewusstsein der Patienten ein.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Wer unter Vollnarkose positive Worte und Musik hört, hat laut einer Studie hinterher seltener Schmerzen und braucht weniger Medikamente.

Regensburg. Positive Worte während einer Operation können Schmerzen lindern und die Gabe von Medikamenten nach dem Aufwachen reduzieren.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt im „British Medical Journal“ veröffentlicht worden ist und auf die das Universitätsklinikum Regensburg hinweist.

Für viele Menschen ist allein der Gedanke an eine Operation unter Vollnarkose unangenehm. Sie haben das Gefühl, den Ärzten hilflos ausgeliefert zu sein. Sie bekommen nicht mit, was im Operationssaal gesagt und getan wird.

Unterbewusstsein speichert auch in der Narkose vieles ab

Dabei kann es durchaus von Bedeutung sein, was während eines operativen Eingriffes um den Patienten herum gesprochen wird. Denn das Unterbewusstsein speichert auch in der Narkose vieles ab.

Zusammen mit Dr. Nina Zech, Fachärztin der Klinik für Anästhesiologie in Regensburg, entwickelte der pensionierte Professor für Anästhesiologie und Hypnoseexperte Ernil Hansen einen Text für eine Tonaufnahme, der auf hypnotherapeutischen Prinzipien basiert und die wesentlichen psychologischen Grundbedürfnisse des Menschen ansprechen soll.

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Patienten trugen während der OP unter Vollnarkose Kopfhörer

In einer multizentrischen Studie – Hauptstudienort war Bochum – wurde diese Aufnahme den Angaben zufolge 385 Patientinnen und Patienten unter Narkose vorgespielt, um die Wirkung auf den Genesungsverlauf nach der Operation zu untersuchen.

Einer Gruppe wurden kurz nach Narkoseeinleitung Kopfhörer mit seinem positiv-hypnotischen Text und beruhigender Musik aufgesetzt und vor Ende der Narkose wieder entfernt. Die Kontrollgruppe erhielt nur Kopfhörer ohne Ton. Weder OP-Team noch Patienten wussten, wer welcher Gruppe angehörte.

34 Prozent niedrigerer Schmerzmittelbedarf

Die Ergebnisse der Untersuchung seien überraschend, erklärt die Uniklinik Regensburg. Nach der OP sei das Schmerzempfinden in der Text-Musik-Gruppe im Schnitt um 25 Prozent geringer ausgefallen als in der Kontrollgruppe; der Schmerzmittelbedarf zeigte sich um 34 Prozent niedriger.

„Das ist ein Erfolg schließlich geht es um den Einsatz von Opioiden“, sagt Erin Hansen laut Mitteilung der Klinik. Opioide sind sehr starke, potenziell süchtigmachende Medikamente. Darüber hinaus wurde seltener Übelkeit und ein rascheres Aufwachen beobachtet.

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Keine negativen Unterhaltungen im OP-Saal

Der Nachweis, dass nicht nur einzelne, sondern ein erheblicher Teil der Patienten auch in kontrolliert tiefer Narkose auf die Tonaufnahme reagiert hat, ruft für Hansen zu einem veränderten Verhalten im Operationssaal auf – mit einer reduzierten Geräuschkulisse und der Vermeidung unbedacht negativer Unterhaltungen.