Weihnachten

Weihnachtsbaum kaufen: Worauf man unbedingt achten sollte

| Lesedauer: 5 Minuten
Elisabeth Krafft
Dürre setzt Weihnachtsbaum-Produzenten zu - Preise für Tannen steigen

Dürre setzt Weihnachtsbaum-Produzenten zu - Preise für Tannen steigen

Weihnachtsbaum-Produzent Uwe Klug aus Franken blickt mit Schrecken auf seine im Frühjahr gepflanzten Tannen. Weil der Sommer so trocken war, sind fast alle Bäumchen verdorrt. Für ihn bedeutet das finanzielle Verluste - und für die Käufer von Weihnachtsbäumen Preissteigerungen.

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Die Deutschen kaufen am liebsten die Nordmanntanne als Weihnachtsbaum. Nachhaltig ist das nicht immer. Doch es gibt Alternativen.

Berlin. Es ist eine jahrhundertealte Tradition, die viele Familien an Weihnachten vor der Bescherung zusammenbringt. Gemeinsam stellen Großeltern, Eltern und Enkel den Weihnachtsbaum auf, um ihn anschließend mit Dekoration zu versehen. Bunte Girlanden, Lametta, Beleuchtung oder auch Kugeln verwandeln einen einfachen Nadelbaum in ein Symbol der Weihnacht. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Allerdings gibt es Trends und alte Klassiker, an denen man sich orientieren kann. Die Trends für die Weihnachtsdeko 2022 sind zum Beispiel ein Anhalspunkt.

Weihnachtsbäumen mit schlechter Ökobilanz: Umweltorganisation warnt vor diesen Bäumen

Zwischen 23 und 26 Millionen Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen jährlich. Das belegen Zahlen, die der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald vorliegen. Der Brauch hat allerdings oft eine schlechte Ökobilanz: Denn ein Großteil der in Deutschland verkauften Christbäume wuchs einst auf Plantagen, die stark gedüngt und mit Pestiziden besprüht werden, wie die Umweltorganisation Robin Wood erklärt. So würden nicht nur Böden und Grundwasser belastet, sondern auch Tiere. Ein weiteres Manko mancher Christbäume an Weihnachten: ihre weiten Transportwege.

Zugunsten ihres grünen Gewissens auf einen weihnachtlich geschmückten Nadelbaum verzichten muss allerdings kein Weihnachtsfan. Denn es gibt nachhaltige Alternativen für Weihnachtsbäume. Und die werden mittlerweile auch in vielen Baumärkten beworben und verkauft. Das gleiche gilt übrigens auch für einige andere Weihnachtspflanzen wie den Weihnachtsstern – mit richtiger Pflege können Besitzer auch einige Zeit nach Weihnachten noch Freunde an ihm haben.

Der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen ist die Nordmann-Tanne: Immerhin 75 Prozent machte ihr Anteil beim Weihnachtsbaumverkauf 2019 aus. Doch nicht jede Nordmann-Tanne, die in Deutschland an Weihnachten verkauft wird, ist auch hier gewachsen. Tatsächlich stammen insgesamt rund zehn Prozent der Weihnachtsbäume aus angrenzenden Ländern wie etwa Dänemark, Österreich, Polen oder Tschechien. Ihr weiter Anfahrtsweg verschlechtert ihren ökologischen Fußabdruck.

Weihnachtsbaum richtig auswählen: Diese Bäume sind laut NABU besonders umweltfreundlich

Experten raten deshalb dazu, Weihnachtsbaumarten zu kaufen, die in jedem Fall auch hierzulande gedeihen. Dazu gehören Fichten, Kiefern und auch Tannen. Wer sich dennoch unsicher ist, kann direkt bei einem Verkäufer nachfragen. Besonders umweltfreundlich sind Weihnachtsbäume, die auf Sonderflächen unter Strom- oder auf Leitungstrassen angepflanzt werden, erklärt der Naturschutzbund (NABU). Diese Flächen gehörten regionalen Forstbetrieben.

Interessierte könnten einfach beim zuständigen Forstamt nach potenziellen Weihnachtsbäumen fragen. Zusätzlich bieten auch viele Waldbesitzervereine Bäume aus heimischen Wäldern an – teilweise sogar zum selberfällen.

Forscher machten üble Entdeckung: 13 von 17 Weihnachtsbäumen mit Pestiziden belastet

13 von 17 Weihnachtsbäumen enthalten Rückstände von Pestiziden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). 2017 hatte dieser Baumnadeln auf Rückstände von knapp 140 Chemikalien hin prüfen lassen. Das Ergebnis: Die Experten fanden neun Pestizide, wobei fünf zu den gefährlichsten zählen, die in der EU eingesetzt werden. Darunter das Insektizid Lambda-Cyhalothrin, das Nervenzellen und Hormonsystem schädigen kann. Eine Gesundheitsgefahr, die Verbraucher vermeiden können.

Weihnachtsbäume mit Bio-Siegel versprechen Sicherheit: Auf diese Symbole achten

„Ähnlich wie im Lebensmittelbereich gibt es zertifizierte Bio-Siegel für Weihnachtsbäume“, erklärte Corinna Hölzel vom BUND. Sie bescheinigen, dass entsprechende Bäume unter kontrolliert ökologischen Bedingungen heranwachsen – ohne Pestizide, Mineraldünger und Wachstumsregulatoren. Dazu zählen unter anderem solche aus Kulturen in Öko-Landwirtschaftsbetrieben, deren Zertifizierungsverband dem „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW) angeschlossen ist, erklärt der Umweltverband Robin Wood. Darunter die Bio-Anbau-Verbände Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland.

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Weihnachtsbaum einfach Mieten: Wie der Service funktioniert – und was es kostet

Statt einen Weihnachtsbaum zu kaufen, der nach dem Fest entsorgt werden muss, mieten Verbraucher ihn. Diesen Service bieten nicht nur lokale Baumschulen und Förstereien an, „weihnachtsbaumfreun.de“ beispielsweise versendet Nordmann- und Fraser-Tannen deutschlandweit im Topf. Zwischen 60 und 90 Euro kosten die ein bis zwei Meter hohen Bäume des Mainzer Unternehmens, die es für knapp zwei Monate verleiht. Nach dem Weihnachtsfest holen Mitarbeiter die Bäume ab und pflanzen sie in der Regel wieder ein. Ein Nachteil: Der Transport der Weihnachtsbäume verursacht CO2.

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Weihnachtsbäume aus Plastik punkten mit Ökobilanz – unter einer Voraussetzung

Kunststoffbäume schneiden weit besser ab, als ihr Ruf vermuten lässt. So ergab die Untersuchung einer Schweizer Umweltberatungsfirma, dass aus Polyvinylchlorid (PVC) und Stahl gefertigte und aus China importierte Kunststoffbäume eine bessere Ökobilanz haben als Zuchttannen, Bio-Waldbäume oder Miettannen. Dafür müssten die Kunststoffbäume allerdings acht Jahre lang aufgestellt werden. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher, nachdem sie verschiedene Umweltfaktoren wie Produktionsbedingungen, Transport und Entsorgung miteinander verglichen hatten.

Im Ranking schlug die Plastiktanne die Miettanne. Der Bio-Baum wiederum landete auf Platz drei.

Der Artikel "Weihnachtsbaum kaufen: Worauf beim Einkauf geachtet werden sollte" ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.