Ratgeber Recht

Welche Erbansprüche haben Adoptivkinder?

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt, Notar bei RAUE PartmbB und Experte für Familien- und Erbrecht. Hier beantwortet er Leserfragen.

Anwalt Max Braeuer.

Anwalt Max Braeuer.

Foto: Amin Akhtar

Leserfrage: Meine leibliche Tochter (59 Jahre) wurde 1965 unter DDR-Recht vom späteren Ehemann meiner von mir 1964 geschiedenen Ehefrau adoptiert. Diese ehemalige Ehefrau ist mittlerweile 80 Jahre alt und schwer erkrankt. Sie hat mit dem genannten Ehemann ein gemeinsames Konto und kein Testament. Welche Ansprüche (Erbanteil) hat meine Tochter gegenüber ihrem Adoptivvater nach dem Ableben ihrer Mutter?

Dr. Max Braeuer: Nach Ihrer Scheidung lebte Ihre Tochter offenbar bei ihrer Mutter in deren neuer Familie. Sie ist dann von dem neuen Mann ihrer Mutter adoptiert worden, möglicherweise auch deshalb, weil das Kind denselben Nachnamen führen sollte wie die Mutter und ihr Mann. Solche Adoptionen als Scheidungsfolge waren und sind nicht selten. Eine solche Adoption ist nur zulässig, wenn der leibliche Vater zustimmt. Das war auch nach dem Recht der DDR so. Durch die Adoption haben Sie Ihre rechtliche Stellung als Vater Ihrer Tochter verloren. Auch wenn Ihre Tochter natürlich biologisch von Ihnen abstammt, sind Sie seit der Adoption rechtlich nicht mehr Ihr Vater. Die Stelle hat der Mann der Mutter eingenommen. Er wird häufig als Adoptivvater bezeichnet. In rechtlicher Hinsicht ist er jedoch ein ganz vollwertiger Vater dessen Rechte und Pflichten gegenüber seiner neuen Tochter sich von der eines leiblichen Vaters nicht unterscheiden. Die in der DDR vollzogene Adoption ist auch über die deutsche Wiedervereinigung hinaus unverändert wirksam. Für das Verhältnis zwischen Tochter und Adoptivvater macht es keinen Unterschied, ob die Adoption in der DDR oder in der Bundesrepublik Deutschland vollzogen worden ist.

Wenn die Mutter Ihrer Tochter demnächst sterben sollte, noch vor ihrem jetzigen Ehemann, dann spielt bei der Erbfolge allerdings die Adoption überhaupt keine Rolle. Sofern die Mutter kein Testament hinterlässt, wird sie nach dem Gesetz beerbt von ihrem Witwer und ihrer Tochter. Beide erben jeweils ein Halb. Erst wenn auch der Witwer stirbt, wirkt sich das Adoptionsverhältnis aus. Dann wird Ihre Tochter erben wie eine leibliche Tochter. Sollte der Mann keine weiteren Kinder haben, so beerbt sie ihn allein.

Ihre Tochter wird vollwertige Erbin werden, gleichberechtigt mit ihrem Adoptivvater. Insoweit ist sie auf Ansprüche gegen ihn nicht angewiesen. Wenn es allerdings beim Tode der Mutter noch das gemeinschaftliche Konto mit deren Mann gibt, dann ist die Frage zu beantworten, was nach dem Tode mit diesem Konto zu geschehen hat. Das Konto hat einen Kontostand, einen Saldo. Dieser Kontostand gehört zu Lebzeiten beiden Eheleuten gemeinsam, beiden je zur Hälfte. Das wird auch nach dem Tode der Mutter noch so sein. Anstelle der Mutter wird dann aber die Erbengemeinschaft, die aus dem Witwer und der Tochter besteht, an die Stelle der Mutter treten. Das Konto gehört dann in Zukunft einerseits dem Witwer und zum anderen der Erbengemeinschaft, die aus dem Witwer und der Tochter besteht. Die Tochter wird also einen Anspruch auf ein Viertel des Guthabens haben, dass das Konto am Todestage aufweist. Darüber muss sie sich mit ihrem Vater auseinandersetzen.

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