Pandemie

Fehldiagnose: Doch keine Coronafälle auf „Mein Schiff 6“

Auf einem Kreuzfahrtschiff von Tui waren zwölf Crewmitglieder positiv auf Corona getestet worden. Nun darf das Schiff weiterfahren.

Corona-Infektionen auf TUI-Kreuzfahrtschiff offenbar Fehlalarm

Bei den angeblichen Corona-Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 6" handelt es sich nach Angaben der deutschen Reederei TUI Cruises möglicherweise um Fehlalarm. Ein Test der griechischen Behörden stehe noch aus.

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Berlin. 
  • Auf dem Tui-Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 6“ wurden mehrere Besatzungsmitglieder fälschlicherweise positiv auf das Coronavirus getestet
  • Der Kapitän unterbrach die Fahrt und legte in Piräus an
  • 922 Urlauber und 666 Besatzungsmitglieder sind an Bord

An Bord des Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 6“ herrscht kollektives Aufatmen. Nachdem ein Dutzend Besatzungsmitglieder noch am Montag positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden waren, gab es nach einer erneuten Testung am Dienstag Entwarnung: Kein einziges Crew-Mitglied ist tatsächlich infiziert. Offenbar handelte es sich bei den ersten Testergebnissen um eine Fehldiagnose des zuständigen Labors.

„Montagfrüh haben wir von einem externen Labor positive Testergebnisse von zwölf Crew-Mitgliedern der „Mein Schiff 6“ erhalten“, hatte Tui Cruises in Hamburg erklärt. Dabei habe es sich um einen planmäßigen Test unter 150 der insgesamt 666 Crew-Mitglieder gehandelt. Die Tests waren im Auftrag von Tui Cruises von einem griechischen Labor auf Kreta durchgeführt worden.

Erleichterung und Irritation nach zweiten und dritten Testergebnissen

Nach der vermeintlichen Infizierung der Seeleute hatte der Kapitän die Kreuzfahrt abgebrochen und am frühen Dienstagmorgen im Hafen von Piräus angelegt. Die 922 Urlaubern durften zunächst nicht von Bord. Die Crew wurde isoliert und noch dreimal getestet. Einmal von der Reederei Tui Cruises, und gleich zweimal von den griechischen Behörden. Die Ergebnisse waren dabei stets negativ, teilte Tui Cruises mit. Dies bestätigte auch das griechische Staatsfernsehen.

Doch in die Erleichterung mischte sich am Dienstag auch Verwunderung: Wie konnte ein so hoher Anteil der Tests erst positiv und dann negativ ausfallen? Zumal die gesamte Besatzung in den vergangenen 14 Tagen nicht auffällig geworden sei und keines der zwölf Crew-Mitglieder Symptome gezeigt habe, wie es am Montag hieß. Dass es bei hohen Testzahlen vereinzelt so genannte „falsch positive“ Tests gibt, ist bekannt; allerdings wäre eine Quote von 8 Prozent falscher Erbnisse extrem hoch. Die Frage blieb zunächst unbeantwortet.

Die Reisenden jedenfalls haben jetzt Klarheit über den weiteren Verlauf ihrer gebuchten Kreuzfahrt: Sie wird fortgesetzt. Die betroffene Besatzung ist nicht länger isoliert. Das Schiff war erst am Sonntagabend von der kretischen Hafenstadt Heraklion ausgelaufen.

Was passiert, wenn Corona auf einem Kreuzfahrtschiff ausbricht?

Im Frühjahr kam es weltweit auf mehreren Kreuzfahrtschiffen zu Corona-Ansteckungen. Zahlreiche Schiffe wurden unter Quarantäne gestellt. Für besonderes Aufsehen sorgte der Fall der „Diamond Princess“: Das Schiff wurde im Hafen von Yokohama für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt, 712 Passagiere infizierten sich, 13 starben.

„Von der Teilnahme an Kreuzfahrten wird aufgrund der besonderen Risiken dringend abgeraten“, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite in der Covid-19-Reisewarnung. Davon ausgenommen seien allerdings Flusskreuzfahrten innerhalb der EU sowie Kreuzfahrten auf Schiffen mit speziellen Hygienekonzepten, deren Reise in Deutschland beginnt und die ohne ein Anlegen in einem anderen Land wieder in Deutschland enden.

Wann hat Tui Cruises den Kreuzfahrtbetrieb wieder aufgenommen?

Tui Cruises bietet seit Ende Juli wieder einige Kreuzfahrten an – mit Vorsichtsmaßnahmen und nicht zu allen Zielen. In der Wintersaison will das Unternehmen Reisen zu weiteren Zielen anbieten, selbst wenn für diese derzeit noch Reisewarnungen oder -Hinweise der Bundesregierung gelten.

Das Unternehmen betreibt die Schiffe „Mein Schiff“ mit den Nummern eins bis sechs sowie das Schiff „Mein Schiff Herz“. Wegen der Corona-Pandemie hatte Tui Cruises seine Flotte zwischenzeitlich in der Nordsee geparkt. Lesen Sie hier: „Mein Schiff 2“: Tui Cruises startet wieder erste Kreuzfahrt

Welche Vorsichtsmaßnahmen trifft Tui?

Zur Wiederaufnahme des Betriebs hat Tui ein Hygienekonzept erarbeitet. Dazu gehört beispielsweise, dass alle Kreuzfahrtpassagiere vor der Abfahrt einen negativen Corona-Test vorlegen müssen – die Kosten sind bereits im Reisepreis enthalten. Zudem werden an Bord zahlreiche konkrete Maßnahmen getroffen: Die Schiffe sind nur zu 60 Prozent ausgelastet, Abstand wird gewährleistet, viele Abläufe erfolgen kontaktlos.

Viele Urlauber fragen sich, ob es überhaupt sinnvoll ist, momentan eine Kreuzfahrt zu buchen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen: Corona-Krise: Kann man schon wieder eine Kreuzfahrt buchen?

Tui-Kreuzfahrten: Wann will das Unternehmen zur Normalität zurückkehren?

„Wir hoffen, spätestens im Frühjahr 2021 wieder mit allen sieben Schiffen unterwegs zu sein, mit etwas weniger Auslastung und den passenden Gesundheitskonzepten“, sagte Unternehmenschefin Wybcke Meier der Zeitung „Welt am Sonntag“ Mitte September. Sie sei zuversichtlich, dass im Winter zudem Reisen zu den Kanaren möglich sein werden.

(dpa/yah/raer)

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