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Corona bis Comedy: Das macht den Reiz von Podcasts aus

Podcasts boomen. Die Audiobeiträge aus dem Netz werden immer beliebter und sind meist kostenlos. Ein Leitfaden und Tipps für Neulinge.

Christian Drostens Podcast "Coronavirus-Update" kehrt zurück

Nach einer Sommerpause ist der wöchentliche Podcast "Coronavirus-Update" wieder da. Diesmal mit Unterstützung der Virologin un internistin Sandra Ciesek.

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Berlin. Christian Drosten ist Schuld. Schuld am deutlichen Anstieg, Schuld an der messbaren Verbreitung – und zwar von Podcasts. Der erfolgreiche Podcast „Das Coronavirus-Update“ des Senders NDR Info mit dem bekannten Virologen Christian Drosten, der Ende Februar gestartet war, hat dem schon davor aufstrebenden Medium Podcast zu noch mehr Bekanntheit und Verbreitung verholfen.

Mit mehr als 60 Millionen Abrufen bis Anfang September zählt das Format zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Podcasts des Jahres. Dafür wurde „Das Coronavirus-Update“ mit zwei Grimme Online Awards und dem Preis der Bundespressekonferenz ausgezeichnet, kürzlich kam eine Sonderauszeichnung beim Deutschen Radiopreis hinzu. Podcasts zählen zu den Gewinnern der Coronakrise – auch wenn sich die meisten um ganz andere Themen als das Virus drehen.

Was genau sind Podcasts?

Die Wortschöpfung Podcast ist zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „pod“ und „cast“. „Pod“ steht für das tragbare Medienabspielgerät iPod von US-Hersteller Apple, auf dem Podcasts seit dem Jahr 2005 erstmals Verbreitung fanden, „cast“ steht für „broadcast“, zu deutsch: Sendung. Podcasts sind regelmäßige Audio- oder auch Videobeiträge, die über das Internet verfügbar sind und abonniert werden können – überwiegend kostenlos.

Ein Podcast-Format besteht aus einer Serie an Episoden, die ein- oder mehrmals pro Woche erscheinen. Die einzelnen Folgen lassen sich danach jederzeit direkt im Internet anhören oder vorher auf ein Smartphone herunterladen. So kann man sie jederzeit unterwegs ohne Internetverbindung hören.

Am Mikrofon führen meist ein oder zwei Podcaster durch die Sendung, als Moderator und Experte oder als Gesprächspartner auf Augenhöhe. Von Corona über Coaching bis Comedy: Die thematische Bandbreite von Podcasts ist enorm.

Die große Politik wird genauso besprochen wie die Fußball-Bundesliga, spektakuläre Kriminalfälle, Gartentipps oder Klatsch und Tratsch. Zu jedem noch so ausgefallenen Hobby findet sich ein Podcast. Die Themenvielfalt ist ein Grund dafür, dass Podcasts auch hierzulande weiter auf dem Vormarsch sind.

Wie viele nutzen schon Podcasts?

Podcasts sind fester Bestandteil im Medienalltag vieler Menschen. Fast 24 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland hören Podcasts, davon über zehn Millionen regelmäßig. Jeder Dritte ab 14 Jahren hat zumindest schon einmal Podcasts gehört. Das ergab im Juli die repräsentative Studie „POD-Ratings“ des Marktforschungsunternehmens Goldmedia. Fast die Hälfte der Befragten gab zudem an, dass sich ihre Podcast-Nutzung durch die Corona-Pandemie erhöht hat, darunter besonders viele Hörerinnen.

Den Trend bestätigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem gleichen Monat. Demnach hört bereits jeder dritte Befragte ab 16 Jahren (33 Prozent) zumindest selten Podcasts, im Vorjahr war es noch jeder Vierte. Besonders beliebt sind sie bei Jüngeren.

Mit Abstand beliebtestes Podcast-Thema ist das Coronavirus (83 Prozent) vor Nachrichten (53) und Comedy (44). „Podcasts haben sich in der Breite durchgesetzt“, kommentierte Bitkom-Experte Sebastian Klöß die Studie. „Immer mehr Hörer interessieren sich für tiefgängige Formate, die über den reinen News-Charakter hinausgehen.“

Was ist der Reiz von Podcasts?

Die Themenvielfalt fasziniert: Ob man bloße Unterhaltung sucht, sich weiterbilden möchte oder ein ausgefallenes Hobby hat: Es gibt mit Sicherheit mehrere Podcast dazu. Sogar zum Jahrestag des Loveparade-Unglücks gab es zuletzt einen eigenen Podcast. Zum Zudem sind Podcasts das ideale Nebenbei-Medium.

Laut Umfragen sind die Hörformate für viele ein willkommener Begleiter bei der Hausarbeit, beim Sport, auf dem Arbeitsweg oder vor dem Einschlafen. Lästige Pflichten gehen leichter von der Hand. Die Folgen sind leicht konsumierbar und lassen sich jederzeit unterbrechen. Wer regelmäßig zuhört, entwickelt auch eine gewisse Bindung zum Podcaster.

Was kosten Podcasts?

Die meisten lassen sich kostenlos herunterladen. Hinnehmen muss man allenfalls kurze Werbehinweise. Ausgewählte Podcasts sind dagegen nur im Rahmen kostenpflichtiger Abos von Musikstreaming- oder Hörbuchplattformen abzurufen, wie Spotify, Audible oder Amazon Music.

Welche Geräte brauche ich dafür?

Überwiegend werden Podcasts, ob zuhause oder unterwegs, über das Smartphone abgespielt. Dafür genügt ein einfaches Gerät ohne besondere Leistung. Abspielen lassen sich Podcasts aber auch direkt am PC, am Laptop oder auf dem Tablet.

Eine Folge ist je nach Länge und Internetverbindung in wenigen Sekunden heruntergeladen, entweder aus dem WLAN oder unterwegs aus dem Mobilfunknetz. Anhören kann man den Podcast grundsätzlich direkt über die Lautsprecher des Geräts oder etwa über drahtlose Bluetooth-Boxen. Die meisten Nutzer bevorzugen aber Kopfhörer. Einfache Modelle genügen völlig. Aber Vorsicht: In-Ear-Kopfhörer und AirPods gelten als heimliche Keimträger.

Wie finde ich kostenlose Podcasts?

Besitzer von Android-Handys finden etwa über die Apps Google Podcasts oder Podcast Addict eine riesige Auswahl. iPhone-Nutzer haben bereits mit Apple Podcasts eine vergleichbare App auf dem Gerät. Eine gute Anlaufstelle im Internet sind auch übergreifende Plattformen wie Spotify, Deezer oder podcast.de. Die öffentlich-rechtlichen Sender bieten ebenfalls kostenlos zahlreiche Podcasts und Hörspiele unter ardaudiothek.de.

Alle Anbieterseiten heben die meistgehörten Podcasts prominent hervor. Zudem lassen sich je nach Interesse zahlreiche Kategorien durchsuchen. Lohnen kann es sich auch, einfach mal Freunde, Bekannte und Kollegen zu Fragen, welche Podcasts sie schon im Alltag hören.

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