Pandemie

Studie zum Ursprung von Corona sorgt für harte Kritik

Gerüchte über den Ursprung des Coronavirus gibt es viele. Eine chinesische Virologin erntet nun mit einer neuen Labor-Theorie Kritik.

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Berlin. 
  • Eine chinesische Forscherin glaubt beweisen zu können, dass Corona aus einem Militärlabor stammt
  • Doch die Studie sorgt weltweit für Kritik: Wissenschaftler aus den USA widersprechen der Arbeit und halten das Papier für nicht glaubwürdig
  • Kritisiert wird an dem Papier aber nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch, dass es von der „Rule of Law Society“ veröffentlicht wurde
  • Der Besitzer soll enge Kontakte zum früheren Trump-Berater Steve Bannon pflegen

Stammt das neuartige Coronavirus, an dem seit Ausbruch weltweit über 940.000 Menschen gestorben sind, womöglich doch nicht von einem Tiermarkt im chinesischen Wuhan – sondern aus einem Militärlabor? Das hatte die chinesische Virologin Li-Meng Yan in einer kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit zumindest behauptet.

Mehrere Wissenschaftler widersprechen nun jedoch der Arbeit. Das US-Magazin „Newsweek“ bat mehrere unabhängige Wissenschaftler, die angeblichen Beweise zu überprüfen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Angaben von Dr. Li-Meng Yan, die im April aus Hongkong in die USA geflohen ist, nicht korrekt sind.

Corona-Ursprung: Studie ohne Glaubwürdigkeit

„Die vorgenommenen Interpretationen werden nicht durch Daten untermauert, sind unbegründet“, heißt es seitens des britischen Forschers Andrew Preston. Er schlussfolgert: „Diesem Vorabdruck kann in seiner jetzigen Form keine Glaubwürdigkeit beigemessen werden.“

Das umstrittene Paper wurde am vergangenen Sonntag von mehreren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Yan bei „Zenodo“, einem Online-Speicherdienst für wissenschaftliche Datensätze und Publikationen, hochgeladen. Es besteht aus zwei Teilen. Teil eins behandelt die Struktur des Virus, Teil zwei den „wahrscheinlichen Weg“ der Erschaffung.

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Coronavirus aus Labor? Angebliche Beweise bislang noch nicht überprüft

Bislang handelt es sich dabei jedoch um ein so genanntes Preprint. Heißt: Die Fachwelt, in Form unabhängiger Wissenschaftler, muss das Arbeitspapier mit dem Titel „Ungewöhnliche Merkmale des SARS-CoV-2-Genoms deuten auf eine raffinierte Labormodifikation hin – eher als auf eine natürliche Entwicklung“ erst noch bewerten und überprüfen.

  • Im 26-Seiten langen Papier schreiben die Forschenden unter anderem, dass alternative Theorien zum Ursprung des neuartigen Coronavirus „streng zensiert“ würden.
  • Sars-CoV-2 zeige jedoch biologische Merkmale, die mit einem natürlich auftretenden, zoonotischen Virus unvereinbar seien.
  • Bei zoonotischen Viren handelt es sich um solche, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden.
  • Mehr dazu: Wie das Coronavirus Menschen befiel – Fledermaus im Fokus

Corona: Spaltstelle im Virus soll Herstellung im Labor belegen

Ihre wissenschaftliche Publikation lege genomische, strukturelle und medizinische Beweise vor, die der verbreiteten Theorie eines natürlichen Ursprungs des Virus widersprechen, erklärte Li-Meng Yan, die bislang als Forscherin an der Universität Hongkong (HKU) zu Infektionskrankheiten gearbeitet hat.

Stattdessen würden ihre Untersuchungen darauf hindeuten, dass Sars-CoV-2 ein Laborprodukt sei, das mit Hilfe der „Fledermaus-Coronaviren ZC45 und/oder ZXC21 hergestellt“ worden ist. Darauf deute unter anderem hin, dass es eine so genannte Spaltstelle besitze, die bei der Art von Coronaviren, die in der Natur vorkommen, fehle.

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Das Verfahren, mit dem das neuartige Coronavirus im Labor hergestellt worden sein soll, sei überdies einfach und bräuchte nur „ungefähr sechs Monate.“

Ihre Veröffentlichung unterstreiche die Dringlichkeit einer „unabhängigen Untersuchung in relevanten Laboren“, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiter. Weil bisher veröffentlichte Datensätze die Theorie des natürlichen Virus-Ursprungs unterstützen würden, müssten diese ebenfalls kritisch überprüft werden.

Auch der Herausgeber des Papiers fällt auf

Kritisiert wird an dem Papier aber nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch, dass es von der „Rule of Law Society“ veröffentlicht wurde – ein Schwesterunternehmen der „Rule of Law Foundation“, die vom wegen Betrugs angeklagten Ex-US-Präsidentenberater Steve Bannon gegründet wurde.

Die „Rule of Law Society“ soll einem Bericht des ZDF zufolge dem exil-chinesischen Geschäftsmann Guo Wengui gehören, der auch mehrere Nachrichten-Webseiten betreibt. Guo Wengui soll sich kritisch mit China befassen, dabei aber auch vor Falschinformationen nicht zurückschrecken.

Die Webseiten werden in den USA dem extrem rechten Spektrum zugeordnet. Guo selbst stand in engem Kontakt zu Steve Bannon. Als dieser wegen Betrugsvorwürfen kurzzeitig festgenommen wurde, war er auf Guos Yacht. (elik/fmg)