Coronavirus

Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten ab Samstag

Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen sich ab Samstag testen lassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Testpflicht.

Corona-Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten soll kommen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will eine Corona-Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten anordnen. Das kündigte er nach einer Telefonkonferenz mit seinen Länderkollegen an. Es hatte zunächst Unklarheit darüber geherrscht, ob eine Testpflicht aufgrund der bestehenden Gesetze zulässig ist.

Beschreibung anzeigen
Berlin. 
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten angeordnet
  • Die Testpflicht soll am 8. August in Kraft treten
  • Der Plan ist, dass die Rückkehrer aus Risikogebieten nicht selbst für den Test zahlen müssen

Wer aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich in Zukunft auf das Virus testen lassen. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an. Er werde die Corona-Testpflicht auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes anordnen, sagte Spahn.

Wer muss sich testen lassen? Wer bezahlt die Tests? Alle wichtigen Fragen und Antworten zur geplanten Testpflicht.

Corona-Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten: Was ist geplant?

Gesundheitsminister Spahn kündigte eine generelle Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten an. Einem Test müssen sich künftig nicht nur Urlauber unterziehen, sondern auch alle anderen Reisenden, die etwa von einem Familienbesuch zurückkehren. Für Pendler soll die Testpflicht nicht gelten.

Warum wird die Testpflicht für Reiserückkehrer eingeführt?

Der Gesundheitsminister und andere Befürworter der Testpflicht hoffen, verhindern zu können, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere Menschen mit Covid-19 anstecken und so neue Infektionsketten auslösen.

Ab wann soll die Testpflicht gelten?

Die Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten wird am 8. August in Kraft treten.

Corona-Testpflicht: Wo wird getestet?

Außer an den Flughäfen soll es auch an den Grenzübergängen für Autofahrer und Bahnreisende Teststationen geben. Für die konkrete Umsetzung der Testpflicht sind die Länder zuständig. Bayern etwa will an Autobahnen in der Nähe der Grenzübergänge zum Nachbarn Österreich sowie an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg Stationen für Corona-Tests einrichten.

Müssen die Reisenden selbst für die Corona-Tests bezahlen?

Nein. Die Tests sollen nach Vorstellung Spahns und anderer Befürworter für die Reisenden kostenfrei sein. Laut einem Bericht des „Spiegel“ soll die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für Corona-Tests bei allen Reiserückkehrern aus dem Ausland übernehmen. Das geht aus dem Entwurf einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums hervor, aus dem das Magazin am Dienstagabend zitierte.

Was ist die gesetzliche Grundlage der Corona-Testpflicht?

Grundlage der Testpflicht ist eine Regelung des Infektionsschutzgesetzes. Sie bezieht sich auf eine epidemische Lage von nationaler Tragweite, die der Bundestag für die Corona-Krise festgestellt hatte. Damit kann das Bundesministerium Personen, die nach Deutschland einreisen und die wahrscheinlich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren, verpflichten, sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Wer muss sich nach der Reise auf das Coronavirus testen lassen?

Welche Staaten als Risikogebiete mit einer erhöhten Infektionsgefahr gelten, legt die Bundesregierung mit dem Robert Koch-Institut (RKI) in einer Liste fest. Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Zurzeit gibt es rund 140 solcher Gebiete. Dazu gehören beliebte Urlaubsländer wie die Türkei, Ägypten, Marokko und die USA; Spanien steht in der aktuellen Version nicht auf der Liste. Lesen Sie hier: Diese Staaten gelten derzeit laut RKI als Corona-Risikogebiete

Konnten sich Reiserückkehrer in den vergangenen Wochen auf das Virus testen lassen?

Seit dem Wochenende sind freiwillige Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten auf mehreren deutschen Flughäfen möglich. Wer keinen negativen Test-Befund hat, muss sich wie bisher für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben.

Was bringt die Testpflicht?

Wer aus einem Risikogebiet einreist und ein negatives Testergebnis erhält, umgeht die ansonsten vorgeschriebene 14-tägige häusliche Quarantäne für Heimkehrer aus solchen Regionen. Reisende aus Nichtrisikoländern können sich freiwillig und kostenlos innerhalb von 72 Stunden testen lassen – dann nicht am Flughafen, sondern etwa in Arztpraxen oder Gesundheitsämtern. Ziel ist es, die Infektionslage besser in den Blick zu bekommen und Ansteckungsketten möglichst rasch zu durchbrechen.

Was ist die Kritik an der Testpflicht?

Ob Spahns Corona-Testpflicht ein erfolgreiches Mittel gegen eine zweite Welle ist, ist umstritten. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte, die Ankündigung einer Testpflicht sei richtig, sie komme aber um Wochen zu spät. „Die Urlaubssaison läuft längst. Viele Urlauber sind sogar schon wieder in Deutschland angekommen.“

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, hält die Testpflicht nicht für sinnvoll. „Einmalige Tests bieten keine Sicherheit. Im Gegenteil: Sie können zu falscher Sorglosigkeit führen“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag).

„Wer sich an einem der letzten Reisetage, zum Beispiel bei der Abschiedsparty am Strand, angesteckt hat, muss am Tag der Rückreise noch keinen positiven Befund haben.“ Um sicher festzustellen, ob jemand das Virus mitbringt, müsste man fünf Tage nach einem Test nochmals testen.

Corona-Pandemie – Mehr zum Thema

(dpa/msb)