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Tönnies-Ausbruch: Corona-Übertragung durch Fleisch möglich?

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies raten Hygieneexperten zu Vorsicht. Bisher ist aber keine Infektion über Lebensmittel nachgewiesen.

Corona-Massenausbruch: Zustände in der Fleischbranche im Fokus

Der Corona-Massenausbruch beim Fleischkonzern Tönnies heizt die Debatte um die Arbeitsbedingungen in der Branche weiter an. Insbesondere die Werkverträge mit ausländischen Arbeitnehmern stehen in der Kritik.

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Berlin.  Nach Hunderten von Corona-Fällen im vorläufig stillgelegten Schlachtbetrieb des Marktführers Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück stellt sich die Frage, ob Verbraucher noch bedenkenlos Fleisch und Wurst im Handel kaufen können.

Bis zum Wochenende soll dort noch das Fleisch von 40.000 geschlachteten Tieren verarbeitet werden, obwohl es offenbar mit Arbeitern in Kontakt gekommen ist, die sich mit Corona infiziert hatten.

Corona-Gefahr: Hygiene-Professor warnt vor rohem Fleisch

Sollte das verarbeitete Tönnies-Fleisch tatsächlich noch in den Handel kommen, sehen Experten eine mögliche Gefahr für Verbraucher. Denn bei Fleisch, das weiterverarbeitet wurde, müssen Hersteller nicht mehr angeben, woher die Rohstoffe stammen. Dazu zählen etwa Wurstwaren. Eine Etikettierungspflicht gilt nur bei unverarbeitetem Fleisch, das verpackt verkauft wird. Lesen Sie dazu: Tönnies: In welchen Produkten steckt Fleisch der Firma drin?

Der Hygiene-Experte Professor Klaus-Dieter Zastrow empfiehlt unsicheren Verbrauchern, Hautkontakt mit rohem Fleisch zu vermeiden und es nur mit Haushaltshandschuhen zu berühren. „Hände anschließend trotzdem desinfizieren“, rät Zastrow.

Bisher ist keine Infektion über kontaminierte Lebensmittel nachgewiesen

„Erst die Hitze in der Pfanne deaktiviert das Virus“, sagte der Hygienemediziner der „Bild“-Zeitung. „Nicht erhitztes Fleisch ist ein gewaltiges Risiko“, warnte Zas­trow. Von erhitztem oder zumindest von jeder Seite kurz angebratenem Fleisch gehe dagegen „keine Gefahr“ aus.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beruhigt Verbraucher. „Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben“, betonte das BfR nochmals Ende Mai.

Viren sind hitzeempfindlich – so lässt sich das Risiko verringern

„Obwohl eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich ist, sollten beim Umgang mit diesen die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden“, so das BfR. Da Viren generell hitzeempfindlich sind, lasse sich das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringern.

Auch die Verbraucherzentralen raten zur Einhaltung der Hygieneregeln. Rohe und gegarte Speisen sollten etwa stets auf getrennten Schneidbrettern zubereitet werden. Fleisch sollte laut den Experten gut durchgebraten werden, das Gleiche gilt vorsichtshalber auch für Tiefkühlwaren. Lesen Sie dazu: Ernährungsreport 2020: Deutsche essen immer weniger Fleisch

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