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14 Versicherungsirrtümer, die richtig viel Geld kosten

Zahlt die Versicherung, oder zahlt sie nicht? Halbwissen bei Versicherungsklauseln kann teuer werden – etwa bei diesen 14 Irrtümern.

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Berlin. Gefühlte und tatsächliche Wahrheit: Selten klaffen sie so weit auseinander wie bei Versicherungen. Hausrat und Haftpflicht: Wie viele können den Unterschied richtig erklären? Grund für diese Irrtümer ist oft ein tückischer Mix: Komplexe Versicherungsbedingungen in Juristensprache treffen auf gesunden Menschenverstand und ungesundes Halbwissen. Gut, dass man gegen letzteres etwas machen kann.

Irrtum 1: Die Krankenkasse zahlt im Urlaub

Wenn wir in den nächsten Monaten verreisen werden, dann wohl vor allem innerhalb Europas. Doch wer denkt, dass er jetzt geschickt sparen und seine Auslandsreise-Krankenversicherung in den Wind schießen sollte, weil er nicht weit weg fährt, der sonnt sich in falscher Gewissheit.

Die gesetzliche Krankasse zahlt bloß einen Teil der Behandlungskosten im Ausland. Und das auch nur in einigen Ländern. Sollte ein medizinischer Rücktransport über Grenzen hinweg notwendig sein – der kostet gut und gerne Zehntausende Euro – müssen die Kosten dafür ohne Auslandsreise-Krankenversicherung aus eigener Tasche getragen werden. Egal, wie weit weg es einen verschlägt.

Irrtum 2: Eine Versicherung fürs Krankenhaus ist reiner Luxus

Die deutsche Gesundheitsversorgung zeigt gerade, was sie kann. Sollten wir also alle auf Einzelzimmer und Chefarzt pfeifen? Das hört sich nach einem guten Spartipp an. Ist es aber nicht.

Die Krankenhaus-Zusatzversicherung wird zu Unrecht auf diese beiden Punkte reduziert. „Chefarztbehandlung“ bedeutet vor allem, dass Patienten sich Klinik und Facharzt selbst aussuchen können. Und diese Freiheit sollte man sich bewahren.

Irrtum 3: Die Autoversicherung zahlt immer

Wer sich grob fahrlässig im Straßenverkehr verhält, muss damit rechnen, nichts von seiner Kaskoversicherung zu bekommen. Gar nichts. Da hilft auch keine Vollkasko. Das einzige, was hilft, ist das richtige Kleingedruckte im Vertrag – der „Verzicht auf Einrede grober Fahrlässigkeit“. Aber Achtung: Bei Drogen und Vorsatz sind alle raus.

Irrtum 4: Die Kasko zahlt bei Unfällen mit allen Tieren

Ob eine Kuh versicherungsrechtlich Haare hat, ist den meisten Menschen – zu Recht – egal. Bis sie das Pech haben, dass ihnen eine Kuh vors Auto trabt. Dann hilft nämlich die Standardklausel zu „Haarwild“ in der Kaskoversicherung nicht, sondern nur der „erweiterte Wildschaden“. Lesen Sie auch: Macht die Corona-Krise die Autoversicherung billiger?

Irrtum 5: Die Unfallversicherung zahlt nach Beinbruch

Klingt plausibel, ist aber leider oft falsch. Grundsätzlich zahlt eine Unfallversicherung nur, wenn der Unfall zu einem bleibenden Schaden führt. Statistisch gesehen geht jedoch kaum eine Schwerbehinderung auf einen Unfall zurück. Ursache ist meistens vielmehr eine schwere Krankheit. Deshalb ist die Versicherung nur selten sinnvoll.

Irrtum 6: Die Hausratversicherung zahlt bei Diebstahl

Grundsätzlich gilt: Die Hausrat springt ein, wenn das Hab und Gut durch etwas oder jemanden zerstört wird. Die Haftpflicht springt ein, wenn der Versicherte jemanden schädigen. Doch Achtung: die Hausratversicherung zahlt zwar bei Diebstahl – aber in aller Regel nur beim besonderen Fall des Einbruchdiebstahls. Greift der Taschendieb zu, gibt es in aller Regel nichts.

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Irrtum 7: Die Hausratversicherung zahlt bei jeder Art von Raub

Stets abgedeckt ist Raub, also wenn eine Sache mit Gewalt entwendet wird. Außer der Räuber ist kein Mensch, sondern ein Tier: Weder ein Affe, der die Brille von der Nase reißt, noch ein Waschbär, der das Haus verwüstet, veranlasst die Hausrat zur Zahlung. Manche Versicherer zahlen in solchen Fällen jedoch aus Kulanz – das hat der Versicherungsombudsmann jüngst bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2019 (PDF) verraten.

Irrtum 8: Bei Überschwemmung zahlt die Hausratversicherung

Läuft der Keller mit Wasser voll, zahlt die Hausratversicherung, wenn dort lagernde Schätze kaputt gehen – jedoch nicht immer. Schäden durch Überschwemmungen sind nur mit Elementarschadenschutz abgedeckt. Und der kann so teuer sein, dass er sich kaum lohnt.

Irrtum 9: Die Haftpflichtversicherung zahlt den Neupreis

Wie erwähnt: Die Haftpflicht springt für Schäden an fremdem Eigentum ein. Allerdings kann sich der, der den Schaden hat, davon nicht immer auch etwas kaufen. Die Versicherung ersetzt nur den Zeitwert. Und weil gerade bei technischen Geräten der Wertverfall erheblich ist, reicht die Summe häufig nicht für einen Ersatz.

Irrtum 10: Die Haftpflicht zahlt, wenn Kinder Mist bauen

Die Haftpflicht springt außerdem nur ein, wenn der Versicherte – rechtlich gesehen – zahlen müssten. Das bedeutet auch: ist der Verursacher für sein Handeln nicht verantwortlich, muss auch die Versicherung nicht ran. Relevant ist das zum Beispiel für Kinder unter sieben Jahren. Um Unfug der Kleinen abzusichern, müssen „deliktunfähige Personen“ explizit mitversichert sein.

Irrtum 11: Die Risikolebenversicherung zahlt nur bei natürlichem Tod

Auch wenn es in Filmen und Büchern gerne anders dargestellt wird: Eine Risikolebensversicherung zahlt auch dann, wenn sich ein Mensch für den Freitod entscheidet. Eine Einschränkung: sie muss in der Regel bereits drei Jahre bestehen. Selbst bei Mord zahlt sie – sobald der Fall aufgeklärt ist.

Irrtum 12: Bei Scheidung hilft der Rechtsschutz

Gut, wenn man sich ohne Reue streiten kann. Mit einer Rechtsschutzversicherung wird das leichter. Allerdings nicht in allen Bereichen. Klassisch ausgenommen sind Scheidungsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen rund um den Hausbau.

Irrtum 13: Die Versicherung darf nicht einfach kündigen

Zugegeben, was „einfach“ ist, darüber kann man streiten. Doch nach einem Schaden, oft auch nach Zeitablauf, können auch Versicherer viele Arten von Verträgen kündigen.

Irrtum 14: Ist die Tinte unterm Vertrag trocken, bin ich versichert

Police im Ordner und schon kann man mit geschlossenen Augen durchs Leben laufen? Achtung: Viele Versicherungsverträge sehen Wartezeiten vor.

Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Der Verbraucher-Ratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung.

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