Gesundheit

Coronavirus: Schützt Nikotin vor Erkrankung mit Covid-19?

Französische Forscher wollen untersuchen, ob Nikotin vor Covid-19 schützt. Grund sei der geringe Raucher-Anteil unter den Patienten.

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten

Epidemie oder Pandemie? COVID-19 oder SARS-CoV-2? Infektionsketten oder Herdenimmunität? Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus kommen wir schonmal mit Begriffen durcheinander.

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Berlin. Ob Raucher nun zu der Risikogruppe für einen schweren Verlauf der Lungenerkrankung Covid-19 gehören, wissen Mediziner und Wissenschaftler nicht sicher. Die einhellige Meinung ist aber: Förderlich wird es für den Verlauf einer Lungenerkrankung nicht sein, wenn das Gewebe des Atemorgans durch das Rauchen vorgeschädigt ist.

Und nun das: Französische Forscher vermuten eine positive Wirkung von Nikotin auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 und wollen im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpêtrière mit Hilfe von Nikotinpflastern dieser Vermutung nachgehen.

Auf die Idee kamen die Wissenschaftler weil der Anteil der Raucher unter den Covid-19-Patienten sehr niedrig ist – er liegt laut mehreren Studien zwischen 1,4 und 12,5 Prozent.

Corona-Behandlung mit Nikotinpflaster?

In einer aktuellen Studie aus Frankreich waren von 500 Covid-Patienten fünf Prozent Raucher. Das seien 80 Prozent weniger als in der allgemeinen Bevölkerung in der gleichen Alters- und Geschlechtskohorte, sagte Studienleiter Zahir Amoura der Nachrichtenagentur AFP.

Mit unterschiedlich dosierten Nikotinpflastern will Amoura nun erforschen, ob medizinisches Personal auf diese Weise vor einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus Sars-CoV-2 geschützt werden kann und ob Patienten womöglich damit behandelt werden können. Noch ist die Studie nicht genehmigt.

Hypothese: Nikotin blockiert den Weg zu den Zellrezeptoren

Nikotin schützt vor Covid-19 – was bizarr klingt, könnte laut den Forschern durchaus plausibel sein. „Die Hypothese ist, dass Nikotin an Zellrezeptoren anhaftet, die vom Coronavirus genutzt werden und damit die Anhaftung des Virus verhindert“, sagt Professor Jean-Pierre Changeux vom Institut Pasteur und dem Collège de France. Das Virus kann also nicht in die Zelle eindringen und sich nicht vermehren.

Es gibt aber auch Beobachtungen, die genau in die andere Richtung weisen, wie die Online-Plattform Scinexx bereits Ende März berichtete. So vermuten Forscher von der George Mason University, dass das Rauchen nicht nur die Lunge allgemein schwächt, sondern diese bei Rauchern sogar möglicherweise vermehrt Einfallstore in die Zellen bietet, heißt es bei Scinexx.

Auch Daten aus China hatten schon früh darauf hingewiesen, dass Rauchen ein Risiko in der aktuellen Corona-Pandemie darstellen könnte. Es war eine Erklärung dafür, warum in China vor allem Männer an Covid-19 erkrankten. Dort sind deutlich mehr Männer als Frauen Raucher.

(fmg)